Bewohner des Laurentius-Hauses Uedem erlebten eine Zeitreise in die 50er Jahre

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Beim Auftritt der Theatergruppe „Demenzionen“ wurde das Publikum mit eingebunden.

Eine bewegende Zeitreise zurück in das Alltagsleben der 50-er Jahre erlebten die Bewohner des Laurentius-Hauses Uedem beim Auftritt der Theatergruppe „Demenzionen“ aus Köln und Bonn. Viele bekannte Lieder und Requisiten ließen bei den demenzerkankten Bewohnern die Erinnerungen an der Zeit ihrer Jugend wieder lebendig werden und rührten den einen oder anderen sogar zu Tränen.

Unter dem Titel „Zuhause ist es doch am Schönsten“ entführten die Laienschauspieler ihr Publikum knapp eine Stunde lang in die Zeit von Persil und Bohnerwachs, als im Radio noch die Comedian Harmonists liefen und man auf dem Fernseher – wenn man sich denn einen leisten konnte – noch einen Plattenspieler abstellen konnte. Dabei waren die Bewohner immer mittendrin im Geschehen, sagen gemeinsam mit den Schauspielern einen alten Schlager nach dem anderen – von „Mein Vater war ein Wandersmann“ bis hin zu „Mit 17 hat man noch Träume“. Und es wurde getanzt: Die meisten so gut sie konnten im Sitzen, nur eine Bewohnerin hatte in der Erinnerung an ihre Jugendzeit glatt vergessen, dass sie eigentlich gar nicht mehr aufstehen kann, sprang aus ihrem Rollstuhl auf und ließ sich nur zu gern von einem der Schauspieler zum Tanz auffordern.
Nach dem Ende des Stücks durften die Bewohner sich noch einmal alle Original-Requisiten genau anschauen: eine alte Kaffeemühle, die ersten D-Mark-Scheine, eine Lohntüte und einiges mehr. Auch Susanne Heinrichs, Leiterin des Laurentius-Hauses, freute sich über den gelungenen Nachmittag: „Man hat den Bewohnern angesehen, wie gerührt sie waren und wie viele schöne Erinnerungen an die alten Zeiten bei ihnen aufgelebt sind.“
Die Idee zu diesem besonderen Theaterstück hatte Jessica Höhn, die Leiterin der Theatergruppe, schon vor knapp drei Jahren. „Es gab Theaterstücke über Menschen mit Demenz, aber nicht für Menschen mit Demenz. Das wollte ich ändern“, berichtete die Kölner Theaterpädagogin. Seitdem habe sie viel ausprobiert, welche Lieder und Gedichte die alten Menschen noch kennen, wie viel Nähe zum Publikum am sinnvollsten ist und welche Alltagsgeschichten die eigenen Lebenserinnerungen wieder lebendig werden lassen. Seit 2015 ist sie nun mit der Theatergruppe Demenzionen und unterschiedlichen Stücken speziell für Menschen mit Demenz unterwegs. Die Bewohner im Laurentius-Haus zählten zu den ersten Zuschauern dieses besonderen Theaterereignisses am Niederrhein.
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