ELMAR KRAUSE 1959-2015 "Ich hab mir solche Mühe mit dem Leben gegeben ..."

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Elmar Krause war ein Künstler.
In Hagen-Haspe findet nun am Samstag den 27.02.20126 eine Vernissage statt.
In der Hestertstr. 2, 58135 Hagen ab 17.00 Uhr.

Bilder, Objekte, Gedichte, Geschichten und Audiovisuelles aus vier Jahrzehnten sind zu sehen.
Der Einschätzung des in Hagen geborenen Künstlers, würden wahrscheinlich so gut wie alle Menschen beipflichten, die ihn je persönlich getroffen haben.
Er war ein charismatischer Maler, Dichter und Dandy, er hat Skulpturen geschaffen und sehr eindrückliche Performances aufgeführt.
Dass man seinen Namen nicht kennt, liegt daran, dass er sich nie um einen Galeristen oder eine Ausstellung bemüht hat, nie Mitglied einer Künstlergruppe war.
Er wollte weder reich noch berühmt werden, sondern einfach nur sein Künstlerleben leben. Womöglich glaubte er, dass dann Geld und Ruhm irgendwann von selbst kämen.
Und so hat Elmar Krause seine Lebenszeit einfach nur damit verbracht, seine überbordende kreative Energie in Bilder, Objekte, Gedichte und Geschichten umzusetzen.
Im letzten Herbst ist Elmar Krause in seiner Wahlheimat Berlin kurz nach seinem 56. Geburtstag an Krebs gestorben. Seine Freunde haben seinen Nachlass in seine Geburtsstadt nach Hagen geholt, um ihm die Ausstellung zu widmen, die ihm ein Leben lang verwehrt blieb. Da ein Großteil seines Werkes leider verschollen ist, präsentiert die Ausstellung vor allem Metallobjekte, die den Hauptteil seines Schaffens in den letzten Jahren ausmachten, sowie einige großformatige Gemälde aus den 80er und 90er Jahren, die als Leihgaben von Privatpersonen zur Verfügung gestellt wurden. Außerdem werden Filmausschnitte und Künstlerbücher gezeigt.
Elmar Krause war als Künstler eine zeitgenössische Version von Spitzwegs "Armen Poeten". Er lebte in einer winzigen Wohnung auf engstem Raum im zweiten Hinterhaus, hatte ständig kreative Eingebungen, die er in Texte, Bilder oder Objekte umsetzte, und balancierte lieber finanziell am Rande des Möglichen, als dass er sich und seine Kunst prostituiert hätte.
In Hagen aufgewachsen, in Dortmund zur Uni gegangen, zog es Elmar Krause bald nach Berlin, "der Liebe wegen", wie er immer betonte. Die Professorin, der er in die große Stadt folgte, verließ ihn bald und Elmar - so klischeehaft es klingt - verfiel dem Reiz der Großstadt: Er nahm das Motto "Sex & Drugs & Rock'n Roll" sehr wörtlich. Nachts zog er in selbstgeschneiderten Fetisch-Outfits durch seine geliebten tabulosen Underground-Discos und tagsüber entspannte er im Kreise anderer Außenseiter bei einem Joint, dem einzigen Luxus, den er sich leistete. Er fühlte sich so, wie der Regierende Bürgermeister Wowereit später die ganze Stadt beschreiben sollte: "Arm - aber sexy!" Als Langzeitstudent und Asket konnte Elmar Krause in den üppig subventionierten Berliner Vor-Wende-Jahren auf diese Art recht gut überleben. In den Neunzigern musste er sich dann notgedrungen in die Mühlen der Sozialbürokratie begeben, und es begann die lange Leidenszeit seiner Tätigkeit als Ein-Euro-Jobber, sein persönlicher Passionsweg. Er verstand nicht, dass ihn Staat und Stadt nicht mehr so einfach alimentieren wollten und als Gegenleistung völlig fachfremde Tätigkeiten von jemandem verlangten, der doch völlig anspruchslos sei und sich einfach nur seiner Kunst widmen wolle. Bis zuletzt hatte er den Eindruck, dass ihm die Gesellschaft sein Leben als Künstler, mit dem er sich "solche Mühe gegeben" hatte, nicht gegönnt hat. Wie er sein kreatives Leben trotzdem gelebt hat, davon kann man sich in der Ausstellung ein Bild machen, denn auch seine Arbeitsplätze, einige selbstgestaltete Outfits und Möbelstücke sind zu sehen.
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