VERACHTET MIR DIE MEISTER NICHT

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Fenster von Hermann Bettermann (Foto: Foto-Design Stefan Fuhrmann, Hagen)
„VERACHTET MIR DIE MEISTER NICHT UND EHRT MIR IHRE KUNST
WAS IHNEN HOCH ZUM LOBE SPRICHT FIEL REICHLICH EUCH ZUR GUNST“

Anlässlich der Ausstellung Glas und Kunst in den Räumen der Kreishandwerker-schaft Hagen kam ein Gespräch der Hausherren, Kreishandwerksmeister Joachim Beinhold und Geschäftsführer Dr. Michael Plohmann, mit den Ausstellungsmachern auf zwei im Keller der Kreishandwerkerschaft lagernde Bleiglasfenster. Noch während der Ausstellung konnten zwei Flügel der jeweils zweiflügeligen Fenster im Foyer provisorisch aufgestellt werden.
Eines der Fensterflügel zeigt in einer schlichten Rahmung in Buntglas links das Wappen der Stadt Hagen sowie rechts das Wappen von Westfalen. Darunter befindet sich der Spruch von Sachs aus Wagners Meistersingern. Die Schrifttype, ausgeführt nur in Blankglas in Bleiruten, ist identisch mit der eines in der Ausstellung vorgestellten Fensters aus dem ehemaligen Germaniasaal, dem späteren Volkshaus, in Wehringhausen. Dieses Fenster dürfte in die 1920er Jahre zu datieren sein und wird der Glaswerkstatt Heberle in Hagen-Haspe zugeschrieben. Nun findet sich im Auftragsbuch der Firma Heberle, das sich im Besitz des Heimatforschers Jürgen Zarnke befindet, ein Auftrag des damaligen Handwerks- und Gewerbeamtes über eine Bleiverglasung, der dem Volumen des Auftrags nach dem doppelflügeligen Fenster entsprechen könnte.
Auf dem noch im Keller der Kreishandwerkerschaft gelagerten zweiten Flügel sind die damals vertretenen Gewerke aufgeführt wie z.B. Zimmerer, Bäcker etc.. Es dürfte sich lohnen, die beiden Flügel in den modernen Bau der Kreishandwerkerschaft zu integrieren. Zukunft braucht Herkunft und eben: „Verachtet mir die Meister nicht!“

Der ebenfalls in der Ausstellung vorgestellte Flügel des zweiten zweiflügeligen Fensters zeigt einen Arbeiter. Die genaue Zuordnung konnte erst durch eine Fotomontage mit dem zweiten im Keller verbliebenen Flügel erfolgen, die durch den Fotografen Stefan Fuhrmann vorgenommen wurde. Zarnke und Fuhrmann identifizierten zwei Bauarbeiter mit Spaten und Kelle, die vor einer im Hintergrund fahrenden alten Dampfwalze platziert sind. Dieses Fenster ist signiert mit:
Entwurf: H. Bettermann
Ausführung: Steffens & Koehler

Somit hatte auch der figürliche Flügel in bemaltem Buntglas seine Berechtigung in der Ausstellung Glas und Kunst, die eigentlich nur die Geschichte der Glaswerkstatt Heberle und die der Glaswerkstatt Swiatkiewicz aus Hagen-Haspe dokumentieren sollte. Wie Kurt Swiatkiewicz erlernte auch Heinrich Steffens bei dem Altmeister Albert Heberle den Beruf des Kunstglasers.
Über die beiden Fenster, besonders aber das von H. Bettermann, wird noch zu forschen sein und vielleicht findet sich auch ein geeigneter Platz für dieses Kunstwerk !?
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