Vortrag im Hagener Kunstquartier: Architekten von Sobibór

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Sobibór-Prozess am Landgericht Hagen. Foto: Stadtarchiv Hagen
Hagen: Hagen |

Im Dezember 1966 verkündete das Landgericht Hagen sein Urteil im Prozess gegen zwölf Beschuldigte wegen Verbrechen im Vernichtungslager Sobibór. Dr. Annika Wienert hat sich in ihrer 2015 publizierten kunsthistorischen Doktorarbeit mit der Architektur dieser singulären Bauaufgabe beschäftigt. In einem Vortrag am Samstag, 21. November, um 14 Uhr, im Auditorium des Kunstquartiers Hagen wird sie am Beispiel von Sobibór die Architektur der nationalsozialistischen Vernichtungslager erläutern.

In Sobibór wurden zwischen Frühjahr 1942 und Oktober 1943 circa 250.000 Juden in Gaskammern ermordet. Das Lager war eines von drei Vernichtungslagern im von Deutschland besetzten Polen, in denen im Zuge der so genannten Aktion Reinhart insgesamt mindestens 1,7 Millionen jüdische Männer, Frauen und Kinder ermordet wurden.
Bei den Vernichtungslagern handelte sich um bauliche Strukturen, die einzig zum Zweck der massenhaften Tötung von Menschen errichtet wurden. Daher ist eine Erweiterung des Architekturbegriffs aus Sicht von Dr. Annika Wienert notwendig, der die Lagerarchitektur als raumorganisierende Struktur analysiert. Als zentrales Charakteristikum wird der permanente Um-, Aus- und Rückbau herausgearbeitet. Konstituierend sind die architektonischen Kategorien der Grenze, der Freifläche und des Ephemerbaus. Ihre konkreten baulichen Elemente wie Zaun, Appellplatz, Baracke und Gaskammer untersucht die Autorin in der historischen Genese, in der Bedeutung für die Erinnerung und in Bezug auf die Symbolbildung des Holocaust. Die Autorin stellt darüber hinaus die Frage nach einer Vorstellung der Lager jenseits der vermeintlich objektiven gerichtlichen Tatsachenfeststellung.
Der Vortrag ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Fachbereichs Kultur der Stadt Hagen und des Emil Schumacher Museums. Mit einer Einführung durch Dr. Ralf Blank zum Hintergrund der Sobibór-Verhandlungen in Hagen 1965/66 und Rouven Lotz zur kunsthistorischen Perspektive auf das Thema der Lagerarchitektur. Im Anschluss an den Vortrag ist eine Diskussion erwünscht. Eintritt: 5 Euro.
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