Fast wie im Tante-Emma-Laden

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Norbert Karthaus, Jurij Wagelin, Hussan Hamzat, Gisela Unsold, Karla Waschintzki, Adelheid Müller, Heidegret Werner, Franziska Berta, Thorsten Drouven und Karl-Hein Voss freuen sich über Unterstützung in jeder Form. Foto: privat
Hagen: Vorhalle |

„Es gibt doch genug Deutsche, denen es nicht gut geht. Warum wird denen nicht erstmal geholfen?“ Sätze wie diese fallen derzeit häufiger, wenn Menschen ihre ablehnende Haltung zur Flüchtlingshilfe ausdrücken wollen. Das Team der Vorhaller Palette kann darüber nur den Kopf schütteln.

Die etwa 30 – meist nicht mehr ganz jugendlichen – Männer und Frauen stehen seit mehr als zehn Jahren jeden Samstag in ihrem „Sozialen Einkaufsmarkt“ an der Vorhaller Straße 9. Einen Boom an neuen Helfern können sie derzeit nicht ausmachen. Wohl aber eine gleichbleibend große Anerkennung und einen treuen Kundenstamm von wöchentlich 40 bis 70 Menschen.
Freitagmittag. Die Vorhaller Palette erwacht zum Leben. Eben noch leere Regale und Körbe füllen sich mit Obst, Gemüse, Milchprodukten, Broten. Verkauft wird am Samstag, zwischen 9 und 12, doch der Großteil der Vorarbeiten passiert jetzt. Aus dem Lager bringen die Helfer haltbare Lebensmittel, Nudeln und Reis, aber auch Konserven und Drogerieartikel. Joghurt oder Fleischsalat, Tortellini oder Heringsstip – auf das aktuelle Angebot haben die Mitarbeiter der Vorhaller Palette nur bedingt Einfluss. „Wir arbeiten mit dem Warenkorb der Caritas und der Wittener Tafel zusammen“, erzählt Marianne Kerpal. „Was dort übrig bleibt, holen wir ab.“

Jeweils zwei Fahrer machen sich freitags um 12 Uhr auf, holen die übrig gebliebenen Lebensmittel. Samstagmorgens ab 7 Uhr werden noch einige Lebensmittelmärkte direkt angefahren. „Wir wollen die Arbeit so organisieren, dass wir die Menschen nicht zu Bittstellern machen“, erklärt Marianne Kerpal. Darum sprechen sie von Kunden, darum können die Kunden ihre Ware selber aussuchen und darum müssen sie auch etwas bezahlen. „Allerdings ist das eher symbolisch. Für zwei Euro geht man mit einer prall gefüllten Tüte raus.“
Vom guten Willen bis zur guten und nicht nur gut gemeinten Tat war es ein längerer Weg. 2004 starteten die beiden kirchlichen Gemeinden mit ihrer Initiative zur „Solidarität mit den Armen im Stadtteil“.
„Wir wollten uns erstmal schlau machen: Was heißt das eigentlich, arm zu sein? Was macht das mit der Psyche, mit der Gesundheit, mit dem Selbstwertgefühl“, erinnert sich Marianne Kerpal. Die ersten Ideen, die daraus entstanden, fanden keinen Anklang: Kochkurse, Theaterbesuche. Dafür gab es nur wenig oder keinen Bedarf.
Erst durch den damaligen Caritas-Mitarbeiter Michael Gebauer entstand 2005 der Kontakt zum Warenkorb und damit ein Angebot, das sich in den vergangenen Jahren fest etabliert hat. Leute aus dem Stadtteil, die Werbegemeinschaft, die Ruberg-Stiftung, aber auch Firmen unterstützen den Verein mittlerweile regelmäßig durch Geld- und Sachspenden, wie den Bus, mit dem die Ware eingesammelt wird. „Ein eigenes Auto könnten wir uns ja gar nicht leisten“, betont Heidi Werner. Die 67-Jährige koordiniert vor allem den Einsatz der Ehrenamtlichen.
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