Hagener Landgericht: Sohn schildert Mord an seiner Mutter

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Von Patricia Prange

Den Blick starr ins Leere gerichtet saß Osman Ö. (42) auf der Anklagebank des Landgerichts, während sein Sohn (19) von dem jahrelangen Martyrium seiner Mutter und den tödlichen Schüssen erzählte. Der junge Mann hatte nur noch Verachtung für seinen Vater übrig, der am 7. Dezember 2012 seine Mutter (37) mit zwei Kopfschüssen getötet haben soll.

Über eine Stunde schilderte der 19-jährige am gestrigen Dienstag die Schikanen, die die Mutter und seine Geschwister durch den Vater erleiden mussten. Er sprach von Verboten, das Haus zu verlassen. Noch nicht einmal auf den Balkon habe seine Mutter gehen dürfen. Seinen Vater beschrieb er als eitlen Mann, der Unsummen in die Pflege seiner Haare investierte, aber seinen Kindern nicht einmal ein Schulbuch kaufte.
Und immer habe es Schläge gegeben: sogar mit einem Hammer habe sein Vater auf die Mutter eingeschlagen. „Ich habe nie eine Zeit erlebt, als alles in Ordnung war. Er hat uns wie Dreck behandelt.“ Regelmäßig habe es Streit ums Putzen gegeben - auch am Tattag. „Ich hörte in meinem Zimmer den Streit. Mein Vater schlug mit dem Bügeleisen auf Mutter ein. Ich packte ihn.“ Aber der Vater riss sich offenbar los, um seine Waffe zu holen. „Lauf weg!“ habe seine Mutter noch geschrien. „Ich konnte aus Schock nicht weglaufen“, sagte der junge Mann. Dann die Schüsse. Im nächsten Moment sei sein Vater auch hinter ihm her, habe dreimal auf ihn gefeuert. Ein Schuss ging in den Hals, ein weiterer in die Wange. Beim dritten Schuss habe der Vater die Waffe direkt gegen seine Stirn gedrückt. Aber der Schuss löste sich nicht aufgrund einer Ladehemmung. Irgendwie gelang dem 19-Jährigen die Flucht aus der Wohnung.
Noch heute leidet der junge Mann - körperlich und seelisch. Er klagte über Schmerzen im Hals und schwere Schlafstörungen. Jedes Türschlagen klingt für ihn wie ein Schuss. „Ich denke noch jeden Abend daran. Ich habe mir immer gewünscht, dass ich heirate und meine Mutter meine Kinder sieht. Aber das geht nicht mehr“, sagte der 19-Jährige leise und bedeckte mit den Händen sein Gesicht.
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