Hagener Stärken sehen - Interview mit dem Center-Manager der Rathaus Galerie über Hagens Chancen als Einkaufsstadt

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Die Rathaus Galerie, eröffnet vor zwei Jahren, ist zu einem festen Bestandteil des Einzelhandelsangebotes in der Hagener Innenstadt geworden. (Foto: Hans Blossey)
 
Ein Blick in die Mall: Freundlich, hell, modern mit vier Ladenstraßen auf zwei Ebenen und einer weiteren Ladenstraße für die Gastronomie. (Foto: Rathaus-Galerie Hagen)
 
Christoph Höptner, Centermanager der Rathaus-Galerie Hagen. (Foto: Rathaus-Galerie Hagen)
Hagen: Rathaus-Galerie Hagen |

Der Einzelhandel in Hagen hat sich in den letzten Jahren verändert, nicht zuletzt auch durch die Eröffnung der Rathaus-Galerie im November 2014. Viele Geschäfte kamen neu nach Hagen, aber auch Leerstände sind sichtbar. Wir wollten hierzu eine Innenansicht und sprachen mit Christoph Höptner, dem Center-Manager der Rathaus-Galerie, über seine Einschätzung zur weiteren Entwicklung im Hagener Einzelhandel.

Herr Höptner, wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Rathaus Galerie?
Kurz vorab: Wenn wir über unser Center sprechen, dann sagen wir „Rathaus Galerie Hagen“ mit Betonung auf Hagen, um uns einerseits von Rathaus Galerien in anderen Städten abzugrenzen, aber auch um damit klar zu machen, dass es mit der Rathaus Galerie einen guten Grund mehr gibt, nach Hagen zu kommen.
Um auf Ihre Frage zurückzukommen, wir sind zufrieden mit der Entwicklung der Rathaus Galerie Hagen.

Woran machen Sie das fest?
Die Rathaus Galerie Hagen hatte in 2016 erstmalig vergleichbare Vorjahreszahlen. Die von unseren Mietpartnern gemeldeten Umsätze zeigen, dass unser Center im zweiten vollen Jahr im Gesamtergebnis den Vorjahresumsatz um 5% steigern konnte. Dies erreichen wir auf vergleichbarer Fläche, also ohne die neueröffneten Geschäfte. Diese Umsatzsteigerung ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass wir die Besucherfrequenz im Center in 2016 um 7% erhöhen konnten.

Das hört sich gut an. Aber Sie haben immer noch Leerstände?!
Ja, haben wir. Aber pünktlich zum zweiten Geburtstag der Rathaus Galerie Hagen haben wir im November 2016 drei neue Shops eröffnet: Tally Weijl, Jack & Jones und BiBA. Unsere Modekompetenz konnten wir so weiter stärken. Zudem haben wir mit B&B Feinkost und Va Bene unser gastronomisches Angebot vergrößert. Auch den Branchenbereich Beauty werden wir stärken: Die Parfümerie Bargello eröffnet demnächst im Obergeschoss erstmalig in Hagen eine Filiale.

Wie wird es mit der Vermietung dann weitergehen?
Ich bitte sehr um Verständnis, aber solange die Tinte auf neuen Mietverträgen nicht trocken ist, können wir noch keine Namen nennen. Ich verrate allerdings kein Geheimnis, wenn ich sage, dass wir die Kompetenz rund um Mode weiter verstärken wollen. In turnusmäßig stattfindenden Besucherbefragungen und Marktuntersuchungen stellen wir zudem fest, was unsere Kunden suchen, hier finden oder eben nicht finden. Darauf reagieren wir, indem unsere Vermietungsteams mit entsprechenden Einzelhändlern Gespräche führen, was dann letztlich zur Eröffnung neuer Geschäfte führen wird.

Sie nennen Ihr Center „…mit Betonung auf Hagen“. Die Hagener sehen die eigene Stadt oftmals kritisch. Berufsbedingt kennen Sie, Herr Höptner, bestimmt auch andere Städte. Können Sie die „Hagener Selbstkritik“ vor diesem Hintergrund nachvollziehen?
Nein, das kann ich nicht. Hagen steht, wie viele andere Städte auch, in einem wirtschaftlichen, demographischen und gesellschaftlichen Strukturwandel. Vieles verändert sich dabei. In meiner täglichen Arbeit und bei der Vorbereitung unserer Aktionen und Ausstellungen im Center habe ich viele Hagener als offene und ehrliche Menschen kennengelernt. Durch die industrielle Geschichte und die damit bedingte ständige Veränderung der Stadt haben die Hagener nach meiner Einschätzung schon lange gelernt, sich auf Veränderungen, neue Einflüsse und Entwicklungen einzustellen und daraus das Beste zu machen.

Trotzdem ist in Hagen nicht alles zum Besten?!

Mit einer Defizitorientierung kommen wir in Hagen nicht weiter. Ich bin mir aber sicher, weiterkommen wollen wir hier alle.
Wir müssen natürlich an unseren Baustellen weiter arbeiten. Dies aber bitte grundlegend betrachtet auf Basis der Stärken, die Hagen im Vergleich zu anderen Städten hat.

Wo sehen Sie diese besonderen Stärken?
Hagen hat eine sehr gute infrastrukturelle Anbindung an die gesamte Region, den großzügigen Straßenring rund um die Innenstadt und entlang des Straßenrings über 4.000 Stellplätze in Parkhäusern, die in direkter Nähe zur Fußgängerzone sind. So kommt man bequem und schnell nach Hagen hinein und in die Innenstadt. Das können viele andere Städte nicht bieten, wo man erstmal lange im Stau steht bis die Fußgängerzone erreicht ist.
Außerdem gilt Hagen als die grünste Großstadt in NRW, dies nicht nur im direkten Umland sondern auch in der Fußgängerzone, wo es zudem ein großes gastronomisches Angebot gibt. Die relevanten Faktoren für Verweilqualität sind damit in Hagen gegeben.
Zudem ist Hagen eine Stadt mit hohem Freizeitwert. Neben der Naturnähe zeigt Hagen auch kulturell echte Stärken: Das Theater Hagen hat weit über die Stadtgrenzen hinaus einen guten Ruf, zudem auch die Stadthalle, das Theater an der Volme und den Hasper Hammer. Mit dem Hohenhof und den Elbershallen ist Hagen auch Bestandteil der Route der Industriekultur. Das Museumsquartier mit dem Osthaus Museum Hagen, dem Emil-Schumacher-Museum und bald auch mit dem Stadtmuseum ist sehr lebendig. Auch das Freilichtmuseum zieht überregional Besucher nach Hagen.
Ich habe den Eindruck, diese Hagener Stärken in Summe werden nicht auf den ersten Blick immer direkt deutlich. Deswegen müssen wir alle diese Stärken deutlich machen. Und damit fängt man am besten bei sich selber an und in seinem direkten Umfeld.

Zu einer starken Stadt gehört auch ein lebendiger Einzelhandel. Wie sehen Sie die Entwicklung des Einzelhandels in Hagen?
Das innerstädtische Einzelhandelsangebot ist mit rund 300 Geschäften und 70.000 m² Verkaufsfläche breit und kompetent aufgestellt. Der Einzelhandelsumsatz in Hagen ist gestiegen, auch durch einen Umsatzzuwachs aus dem Einzugsgebiet.
Hagen ist aber umgeben von gut erreichbaren Mittel- und Oberzentren, die sich einzelhandelsbezogen weiterentwickelt haben und sich weiterentwickeln werden. Um uns in diesem regionalen Wettbewerb zu behaupten, müssen auch wir uns hier in Hagen weiterentwickeln, in dem wir sukzessive erfolgreiche Marken in die Rathaus Galerie Hagen und nach Hagen holen, die noch nicht hier sind. Dies können wir aber nur erreichen auf Basis der Gesamtqualitäten, die Hagen stark machen. Diese Stärken unserer Stadt müssen wir alle mehr im Bewusstsein haben.

Herr Höptner, vielen Dank für das Gespräch.
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