Raubmord in Hohenlimburg - Angeklagter sagt aus

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Ein Großaufgebot der Medien, unter anderem WDR und ZDF, begleitete den Prozessauftakt.
 
Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer (r.) zusammen mit einem Rechtsmediziner im kurzen Gespräch mit einem Verteidiger.
Hagen: Hagen |

Unter einem Großaufgebot der Medien begann heute (Montag, 18. März) vor dem Schwurgericht am Landgericht Hagen der Prozess gegen die drei rumänischen Staatsangehörigen, die im Mai vergangenen Jahres bei einem Einbruch an der Kaiserstraße in Hohenlimburg eine Frau getötet haben sollen.
Laut Anklage überraschten die mutmaßlichen Täter ihr Opfer bei dem Einbruch, warfen die Frau auf ihr Bett und drückten sie so lange mit dem Gesicht in das Kissen, bis sie erstickte.

Während zwei der Angeklagten, die 26 und 29 Jahre alten Vettern Valeriu und Marius S., sich nicht zu der Tat äußern wollten, legte der 30-jährige Marian T. ein Teilgeständnis ab. Sein Verteidiger, ein Anwalt aus Frankfurt, kündigte dem Gericht die Aussage an: "Unser Mandant hat sich früh schon bei den ersten Vernehmungen eingelassen. Die Verteidigung spielt hier mit offenen Karten, und wir haben unserem Mandanten geraten, den bisherigen Weg nicht zu verlassen."
So schilderte der 30-Jährige, wie er in Den Haag, seinem damaligen Wohnort, von Valeriu angerufen worden sei, um gezielt für diesen Einbruch nach Deutschland zu kommen: "Wir haben uns aus mehreren Ländern zusammengetan, um zu klauen", gab er freimütig zu. Mit Einbruchdiebstählen verdiente der Rumäne offenbar seinen Lebensunterhalt. Vor dem Schwurgericht gab er, nicht ohne gewissen Stolz, einen kleinen Einblick in seine "Professionalität": "Wir haben für jede Tat ein anderes Auto genommen und ein anderes Handy." In Klingenberg hatte er "Kollegen" sein Auto geliehgen, die daraufhin mit Einbruchswerkzeug im Wagen erwischt worden waren. So etwas wäre ihm nicht passiert.
Gerade so, als ob er eine Einbrecher-Ehre zu verteidigen habe, erklärte Marian S., wie sicher er gewese sei, dass das Haus leer stehe, wie erschrocken er war, als diese Frau vor ihm stand, wie er dann seinem Freund Marius S. geholfen habe, die Frau zu fesseln - und er dann den Raum verließ, um nach dem Tresor zu suchen. Marius S. habe auf die Frau aufpassen sollen und sei alleine mit der Frau im Schlafzimmer geblieben. Als er in das Schlafzimmer, wo sich auch der Tresor befand, zurückgerufen wurde, sei die Frau leblos gewesen. Er habe sogar noch versucht, mit Erste-Hilfe-Maßnahmen die Frau zu retten. "Wenn ich eine Person sehe, ist das für mich kein Diebstahl mehr", ließ er über seine Dolmetscherin mitteilen. Er habe vermutet, die Frau sei an einem Herzinfarkt gestorben. Der 30-Jährige versuchte unter allen Umständen, das Gericht davon zu überzeugen, der Tod der alten Dame sei eigentlich ein tragischer Unfall gewesen.
Diese Schilderung steht allerdings im Widerspruch zu der Auffindesituation der Toten. Denn während Marian T. erklärte, wie er versucht habe, der Frau zu helfen ("Ich war beim Militär, ich weiß, wie das geht"), sie zu diesem Zweck auf den Rücken legte, wurde die Tote von der Polizei in Bauchlage gefunden. "Sie lag in Bauchlage im Bett, das Gesicht ins Kissen gedrückt", schilderte einer der Polizisten, die als erste am Tatort waren. "Als wir die Hämatome an den Handgelenken sahen, haben wir diese sofort als Abwehrspuren gedeutet und die Mordkommission eingeschaltet."

Widersprüche

Marian T. beteuerte, er habe, nachdem er feststellte, dass die Frau leblos war, nur noch "weg gewollt", der Tresor habe ihn nicht mehr interessiert. Dem widersprechen die massiven Aufbruchsspuren, die die Polizei am Tresor feststellte: "Flexspuren und Staub wie von einer Trennscheibe", so der Beamte.
Die drei Männer verließen den Tatort ohne Beute. Im Auto habe Marius T. erklärt, die Verantwortung für das Geschehene zu übernehmen, ansonsten habe er seinen Freunden aber nicht erklären können oder wollen, was eigentlich in dem Schlafzimmer passiert war. Zur Klärung beitragen könnte das rechtsmedizinische Gutachten, das am 20. März erwartet wird. Während Marius S. die Aussage verweigert, haben die Verteidiger von Valeriu S. erklärt, zunächst den weiteren Verahandlungsverlauf abwarten zu wollen, ob ihr Mandant sich zu den Vorwürfen äußern wird oder nicht.
Der Prozess wird fortgesetzt.
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