So geht Inklusion: Yannis wird Speditionshaufmann

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Zuverlässig und beliebt bei den Kollegen: Yannis Marquardt lässt sich zum Speditionskaufmann ausbilden.
Yannis Marquardt sitzt vor einem Stapel Rechnungen und bearbeitet konzentriert jeden Vorgang. Sein Vorgesetzter Axel Neu lächelt zufrieden, denn sein Schreibtisch war nach zwei Wochen Urlaub schon lange nicht mehr so leer. Yannis absolviert seit gut einem Jahr eine Ausbildung zur Fachkraft für Bürokommunikation bei der Walter Kayser Spedition und ist inzwischen eine große Stütze für viele Arbeiten geworden. Dabei wäre es dazu beinahe gar nicht kommen.

Denn Yannis galt mit einem Grad der Behinderung von 80 Prozent als nicht ausbildungsfähig. Seine Mutter Gabriele Marquardt und Axel Neu sahen das anders. Nach zwei Schulpraktika im Betrieb konnten sich beide vorstellen, dass Yannis hier eine Ausbildung beginnt. „Wir wollten ihm eine Chance geben und so habe ich angefangen dafür zu kämpfen“, sagt Gabriele Marquardt.
Bei einem Satz wie „Das geht nicht“ wurde sie taub. Christian Münch berät und unterstützt Unternehmen dabei, Menschen mit Behinderung im Unternehmen zu halten oder neu einzustellen. Auch Gabriele Marquardt half der Inklusionsbeauftragte der SIHK bei der Suche nach Ansprechpartnern. Er vermittelte an den Integrationsfachdienst in Lüdenscheid. So konnte die Ausbildung von Yannis mit den notwendigen Unterstützungsleistungen vor fast einem Jahr beginnen.
Zwei Tage in der Woche fährt Gabriele Marquardt ihren Sohn nach Wetter zum Werner-Richard Berufskolleg im Berufsbildungswerk der Evangelischen Stiftung Volmarstein. Ein Aufwand,m den sie bisher selber trägt und der von ihrem Arbeitgeber unterstützt wird. Aber es lohnt sich, denn dort wird ihr Sohn optimal gefördert und auf die kommenden Prüfungen vorbereitet. „Die Noten in der Berufsschule sind besser als erwartet und Yannis ist seitdem viel seltener krank“, so seine Mutter. „Hier im Betrieb ist Yannis mit seinem Wissen eine echte Hilfe, er ist motiviert und zuverlässig“, ergänzt Axel Neu. „Yannis hat eine Rechenschwäche, aber er kann am Computer arbeiten und wir haben genug Tätigkeiten die gewissenhaft zu erledigen sind und für die man nicht Kopfrechnen muss.“
Auslesen der Lkw-Fahrtenschreiber, Tankquittungen und die Spesenabrechnungen der Fahrer kontrollieren, dies sind Aufgaben, die Yannis übernommen hat. „Es war wichtig, auch die Kollegen mitzunehmen. Die Fahrer haben einen engen Zeitplan, aber alle nehmen Rücksicht und dem Betriebsklima tut das insgesamt gut“, so Axel Neu.
Gabriele Marquardt wird auch weiterhin alles versuchen, ihrem Sohn Chancen zu eröffnen. „Natürlich kann etwas danebengehen, aber das ist für mich kein Grund es nicht erstmal zu probieren.“ Und die Zukunft ihres Sohns bei der Spedition Walter Kayser ist für Axel Neu bisher auch keine Frage. „Wenn Yannis die Ausbildung in zwei Jahren abgeschlossen hat, kann er natürlich bleiben. Zu tun haben wir genug. Es sollten sich auch viel mehr Menschen mit einer Behinderung bewerben“. Unternehmen darauf vorzubereiten und Vorbehalte abzubauen, bleibt das Kerngeschäft von Christian Münch. „Das Beispiel von Yannis zeigt, dass Inklusion praktisch funktionieren kann und es sich für alle Beteiligten lohnt, auch wenn das in jedem Einzelfall viel Aufwand bedeutet.“
Gabriele Marquardt, das Unternehmen Walter Kayser und die beteiligten Institutionen haben hier gemeinsam erreicht, was sie sich für andere noch viel häufiger wünschen: Arbeitsplätze und Menschen mit Behinderungen zusammen zu bringen. Und Yannis? Er wünscht sich vor allem „normaler“ zu sein. Und dieser Wunsch beschreibt im doppelten Sinn den Kern von Inklusion.
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