Hagen ist Deutschlands Schlusslicht beim ADFC-Fahrradklima-Test

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Im letzten Jahr bewerteten 230 Hagener Radfahrer ihre Stadt beim Fahrradklimatest des ADFC und füllten den Fragebogen aus. Das niederschmetternde Ergebnis: Hagen ist die fahrradunfreundlichste Großstadt Deutschlands.

Bundesweit beantworteten 100.000 Radfahrer, davon 30.000 aus NRW, die 28 Interviewfragen. Deutschlandweit haben 468 Städte und Gemeinden die notwendige Teilnehmerzahl erreicht und konnten so in die offizielle Wertung kommen. Interessant ist es etwas genauer in die Bewertung zu schauen, um festzustellen, bei welchen Einzelfragen, sich Hagen eigentlich von der durchschnittlichen Bewertung der Städte in der Kategorie 100.000 bis 200.000 Einwohner unterscheidet.

Abstellplätze

Bei Themen wie Abstellanlagen schneidet Hagen sehr schlecht ab. Hier gab es mit 4,9 ein mangelhaft. Zwar wurden zur Eröffnung der Rathaus-Galerie erstmalig Radständer an zentraler Stelle der City aufgestellt. Dieses geschah aber erst nach Ende der Umfrage. Jahrelang hatte sich Stadtverwaltung und Politik mit der Begründung „Das passt nicht ins Stadtbild“ dagegen gewehrt.
Die ungünstige Topografie kann inzwischen nicht mehr als Ausrede gelten, da Fahrräder mit Elektrounterstützung, sogenannte Pedelecs, immer beliebter werden. Schreckte in der Vergangenheit, die eine oder andere Steigung die Radfahrer bei der Nutzung ab, so fährt es sich mit Stromunterstützung genauso leicht, wie in der Ebene. Dadurch kann der Anteil des Radverkehrs erheblich gesteigert werden, wenn die nötige Infrastruktur hinzukommen würde.
Ein großes Anliegen des ADFC ist eine bessere Verknüpfung von Bahn und Rad. In anderen Städten gibt es schon lange Radstationen, in denen die Pendler ihre Fahrräder über Nacht und am Wochenende sicher einschließen können. Das sich Pendler nicht trauen, ihre oftmals teuren Fahrräder oder Pedelecs offen stehen zu lassen kann man nur zu gut verstehen. Zu sehen sind an den jetzigen Abstellanlagen zwar angeschlossene Fahrradrahmen, Räder, Bremsen und Sattel wurden jedoch durch Diebe abmontiert.
Das es auch anders geht, zeigt die bergige Stadt Wuppertal. Hier hat sich durch die Umnutzung ehemaliger Bahntrassen zu Radwegen viel getan. Beim letzten Test 2012 bundesweites Schlusslicht, hat sich Wuppertal hingegen um sieben Plätze hochgearbeitet und verbesserte sich bei den großen Städten mehr als alle anderen Städte. „Wuppertal hat sich die rote Laterne von 2012 zu Herzen genommen und nach der Decke gestreckt“, kommentierte ADFC NRW-Landesvorsitzender Thomas Semmelmann das Ergebnis, „und das honorieren Radler auch.“

Stillgelegte Bahnstrecken in Hagen

Auch in Hagen gibt es stillgelegte Bahnstrecken die als Radwege ausgebaut werden könnten, z.B. von Wehringhausen nach Haspe. Die Bahntrasse ist bereits im Eigentum der Stadt Hagen. Die ehemalige Bahnstrecke von Eckesey nach Vorhalle soll offensichtlich jetzt zum Radweg ausgebaut werden. Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke an der Bechelte wurde vor Jahren im Zuge der Eckeseyer Umgehungsstraße erbaut, die zugehörige Radwegplanung verstaubte jedoch jahrelang in den Schubladen der Verwaltung.
Sicherlich ist auch die schwierige Finanzlage der Stadt ein Hemmnis für die Ertüchtigung der Radinfrastruktur. Hier kann man aber über geschickte Zuschussanträge einiges erreichen. Andere Städte im Ruhrgebiet haben da die Nase vorn und meldeten ihre Projekte bereits vor Jahren beim RVR an. Während Radwege zu 80 Prozent vom Land gefördert werden können, übernimmt der RVR oftmals den städtischen Eigenanteil von ca. 20 Prozent. Die Stadt Hagen zahlt jedoch fleißig hohe Beiträge in den RVR ein, hat aber in der Vergangenheit in Sachen Radverkehr nichts beantragt.

ADFC hofft auf Umdenken

Der ADFC Hagen hofft, dass durch das peinliche Abschneiden beim Ranking innerhalb der Hagener Politik und Stadtverwaltung ein Umdenken stattfindet. Versprechungen im Wahlkampf nützen nichts. Stattdessen sollte in der Realität mehr für den Radverkehr getan werden. Dieses käme nicht nur der Umwelt und dem Ansehen der Stadt zugute. Vor allem die Radfahrer und Radfahrerinnen im Alltag, wie auch in den Bereichen Freizeit und Tourismus würden sich freuen.
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