Sexualberatung für Flüchtlinge ist Gesundheitsvorsorge

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„Flüchtlinge haben ein Recht auf Test-Angebote – denn davon hängen ihr Leben und ihre Gesundheit ab. "
Hagen: AIDS-Hilfe Hagen e.V. | Hagen, 28.10.2015—Flüchtlinge brauchen verständliche Informationen zu Schwangerschaft, Verhütung und Sexueller Gesundheit.

Refugees Welcome: Dieses Motto fordert dazu auf, Flüchtlinge willkommen zu heißen und Integration zu ermöglichen. "Dazu gehört, Flüchtlingen Informationen zu den elementaren Lebensbereichen Sexualität, Verhütung, Schwangerschaft und Partnerschaft

möglichst in ihrer Sprache zur Verfügung zu stellen", betont Andreas Rau, Leiter der AIDS-Hilfe Hagen e.V., und stellt weiterhin fest: "Auch für den kompletten Bereich der sexuellen Gesundheit bedarf es angemessener Angebote. Ebenso zu Fragen sexueller Orientierung und Gleichberechtigung der Geschlechter."
Auch der Zugang zur Verhütung ungewollter Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten müsse gewährleistet sein.

Flüchtlinge haben, wie alle Menschen, Fragen zu diesen Themen


"Sie haben ein Recht darauf, gut informiert und beraten zu werden. Unsere Aufgabe ist es, aufzuklären und verständliche Informationen zu entwickeln, sowie unsere Beratungsangebote dem Bedarf von Flüchtlingen anzupassen“, erklärt Rau weiter.
Verständigungsprobleme erschweren die Arbeit. „Wir brauchen dringend Dolmetscher, die die Fähigkeit haben, mit sensiblen Beratungsthemen angemessen umzugehen."

Eine Lösung wäre ein öffentlich geförderter Dolmetscherpool und die Zusammenarbeit mit Sprach- und Integrationsmittlern, auf die die AIDS-Hilfe bereits jetzt zugeht.
Darüber hinaus sind auch die Kosten für Verhütung für Flüchtlinge ein Problem. Wie alle Menschen mit geringem Einkommen können sich Flüchtlinge oft keine Verhütungsmittel leisten. Hier muss schnell und unbürokratisch gehandelt werden. Die AIDS-Hilfe ist bereit, einen Teil ihres Kontingents von Kondomen an Flüchtlinge abzugeben, fordert aber schon lange eine Kostenübernahme für Verhütungsmittel für alle Menschen mit wenig Geld – Flüchtlinge eingeschlossen.
Ebenso ist die Hagener AIDS-Hilfe schon lange aktiv in diesem Bereich und bildet gemeinsam mit Hagener Schulen sog. Gesundheitsolmetscher aus, die in ihrem jeweiligen Herkunftsumfeld kultursensibel informieren und aufklären.

Sexualberatung und Testangebote stärken Frauen oder Homosexuelle in ihren Rechten

„Natürlich sind diese Maßnahmen nicht umsonst zu haben. Aber sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der sexuellen Gesundheit der Flüchtlinge und stärken insbesondere beispielsweise Frauen oder Homosexuelle in ihren Rechten“, betont die AIDS-Hilfe.
Überhaupt muss das Thema sexuelle Gesundheit in der Arbeit mit Flüchtlingen künftig eine viel größere Rolle spielen. Die AIDS-Hilfe sieht einen großen Bedarf an fremdsprachigen Informationen und Beratungsangeboten für Flüchtlinge.
„Hier ist noch viel zu tun. Wir haben schnell reagiert und haben einen begrenzten Pool an Materialien für Migranten zusammengetragen, u.a. eine Aufstellung von Angeboten für Flüchtlinge, Links zu Übersetzungshilfen und Informationen für Fachkräfte der Beratung“, so Rau.
Was wir aber auch brauchen, ist der politische Wille und die Akzeptanz der Bevölkerung.

AIDS-Hilfe sieht sich gut eingebunden in ein Netz von Beratungsstellen an der Basis

Hier sieht sich die AIDS-Hilfe gut eingebunden in die Basis, sowie in ein Netz von Beratungsstellen und Initiativen wie z.B. "Hagen ist bunt" oder Angeboten von kirchlichen Trägern.
Leider konnte sich der Sozialausschuss der Stadt Hagen nicht durchringen, sich beispielsweise an der Landesinitiative der Gesundheitskarte zu beteiligen. Die Verwaltung fürchtet, zu hohe Kosten und keine Verringerung des bürokratischen Aufwands. Allerdings sieht die AIDS-Hilfe den Bund hier in der Pflicht, Strukturen herbeizuführen und Preise mit den Kostenträgern auszuhandeln wie auch zu bezahlen, die im Vergleich mit anderen Empfängern von Transferleistungen nicht teurer werden. Die Kosten müssen sich für die Kommunen in einem Rahmen bewegen, der dazu führt, dass die Interessen von Flüchtlingen und anderen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

So bleibt also bislang der Zugang zu Fachärzten (Urologen, Hautärzten und Gynäkologen) weiter eine schwierige Hürde für Geflüchtete und Vertriebene.
Hürden, die im Alltag schneller zu Problemen führen können, als wir das jetzt überschauen können.
Noch wird es also in Hagen so sein, dass Flüchtlinge eh schon sensible und schambehaftete Themen erst vor Mitarbeiter des Sozialamtes bringen müssen, von deren Wohl und Wehe sie dann abhängig sind. Gerade da, wo viele Pflichtaufgaben der Kommune sowieso schon für Personalengpässe sorgen und Kürzungen von Landesmitteln gerade im Bereich der Gesundheitsvorsorge die Situation für alle Betroffenen wie Mitarbeiter verschärfen!
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