Die besondere Herausforderung - ein Aylien im 24-Stunden-Kampf

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  24 Stunden, also rund um die Uhr nicht nur Sport zu treiben, sondern Sport auf hohem Niveau und mit einem enormen Leistungsanspruch, ist für jeden ambitionierten Sportler eine Herausforderung. Ganz besonders kräftezehrend und aufreibend sind bei solcherart Veranstaltungen immer die 24-Stunden-Radrennen. Einer derartig harten Bewährungsprobe für das Material und das menschliche Durchhaltevermögen stellte sich am 06. und 07. Juni 2015 ein Mitglied des Hagener Mountainbikevereins Zee Aylienz e. V. - MTB Hagen. Wido Weide trat beim 13. Münchner 24-Stunden-MTB-Rennen im Olympiapark zu dieser ganz besonderen Prüfung für die Zee Aylienz und Magura/Connex an. Für Weide, einen bekanntermassen exzellenten Teamfahrer sowohl im Bereich des Rennrad- als auch des Mountainbike-Sports, war es das erste Mal, dass er einen solch harten Wettkampf als Einzelfahrer, also in der Königsdisziplin bestritt. Im Gegensatz zu den Zweier-, Vierer- und Achter-Teams, war der Hagener ganz auf sich und seine eigene Leistung angewiesen und bereit, ein Mal rund um die Uhr nicht aus dem Radsattel, so doch aber an seine physischen und physischen Grenzen zu gehen.
Am Samstag, dem 06.06.2015 ging Wido Weide mit rund 1000 anderen rennbegeisterten Bikern um 12:00 Uhr auf den Rundkurs von 7,2 km, der mit seinen giftigen, kurzen Anstiegen und dem hart zu erklimmenden Olympiaberg anstrengende 100 Höhenmeter pro Runde maß. Das Rennen ließ sich für den Hagener Fahrer zunächst nicht gut an. Direkt in der 1. Runde verbog sich sein kleines Kettenblatt und er musste zunächst zurück zu seinem Wohnwagen, wo er dank mitgeführtem Werkzeug den Defekt an seinem Rad beheben konnte. In Runde drei holte ihn das Pech erneut ein. Durch die Hitze hatte sich das Felgenband an seinem Hinterreifen gelöst und brachte diesen zum platzen. Weide war also erneut zu einem unfreiwilligen Zwischenstopp gezwungen und er wechselte gleich das ganze Hinterrad aus. Danach ging für ihn das Rennen zunächst reibungslos weiter. Die schwüle Luft und die 35° Hitze setzte den unter höchster körperlicher Belastung stehenden Fahrern enorm zu. Auch der Hagener Aylien konnte aufgrund der Temperaturen nur wenig essen und blad schon setzten die unvermeidbaren Kopfschmerzen ein. Ehrgeizig kämpfte er jedoch weiter und hielt sich mit einem großen, alkoholfreien Weißenbier nach jeder 2. bis 3. Runde bei Kräften. Gegen Abend kam dann noch kalte Gemüsebrühe hinzu, um seinen Mineralhaushalt aufrecht zu halten. Die Flüssigkeit wurde ihm an der Strecke von seiner Frau gereicht, die sämtliche Wettkämpfe Ihres rennsportbegeisterten Mannes begleitet und stets wertvollen Support leistet. Insbesondere die mentale Unterstützung ist hierbei von besonderer Wichtigkeit für die Fahrer, die an die Grenzen Ihrer Leistungsfähigkeit gehen. Jedoch finden sich auch immer wieder Einzelfahrer, die diese Tortur gänzlich ohne die aufbauende Unterstützung bestreiten und sich einzig an den gut eingerichteten Verpflegungstellen mit Nahrung und Flüssigkeit versorgen können.
Während im Münchner Olympiapark unter den zahlreichen Zuschauern wahre Volksfeststimmung herrschte, fuhr der Aylien aus Hagen Runde um Runde. Am späten Abend setzte dann starker Regen ein, der sich bis zu einem wahren Unwetter steigerte und den ambitionierten Radrennsportler zu einer erneuten unfreiwilligen Pause zwangen. Aufgrund von zu starkem Wind, der bereits einige Streckenabsperrungen beiseite geweht hatte und dem tobenden Gewitter wurde das Rennen um 21:30 offiziell für zunächst 2 Stunden abgebrochen. Die Regenschauer hielten jedoch länger als erwartet an, so dass ein Neustart erst um 4:30 Uhr erfolgen konnte, dann allerdings den Fahrern wieder Sonne und strahlend blauer Himmel vergönnt war. Die Strecke war von der Rennleitung um 800 Meter gekürzt worden, da die Bodenverhältnisse aufgrund der Nässe zu rutschig und gefährlich waren. Der Hagener Einzelkämpfer hatte die Rennunterbrechung genutzt um sich im Schlaf ein wenig zu erholen. Die nach dem Neustart verbleibende Rennzeit konnte er dank seiner zahlreichen anderen Marathon-Erfahrungen gut einschätzen und seine Kräfte entsprechend einteilen, was ihn zu einem noch strammeren Tempo veranlasste. Erst um 9:00 Uhr am nächsten Morgen erkundigte sich Wido Weide erstmalig nach seiner Position im Rennen, die ihn mit dem bis dahin 11. Platz selber positiv überraschte und seinen Kämpfergeist noch weiter anstachelte - er erhöhte erneut das Tempo. Die Anstrengungen und Schmerzen des Vortages waren vergessen. So konnte er noch zwei weitere Plätze erobern und beendete dieses anstrengende Rennen mit Platz 9 der Gesamtwertung aller 99 Einzelfahrer nach insgesamt 50 Runden und 320 gefahrenen Kilometern in 24 Stunden. Die Strapazen waren allerdings noch nicht mit Ende der Zeitmessung vorbei. Der Veranstalter wünschte sich eine gemeinsam gefahrene Schlussrunde von allen Teilnehmern, so dass Weide zunächst eine halbe Stunde warten musste, bis auch der letzte Rennfahrer im Zielbereich angekommen war. Krämpfe , Hunger und die Hitze setzten ihm während des Wartens zu und sein ganzes Verlangen galt der Dusche. Schlussendlich jedoch konnte diese letzte Runde unter großem Gedränge und leider noch einigen Stürzen im Schneckentempo gefahren werden.
Nach dieser einmaligen Leistung und zugleich Tortur für den Körper hatte sich der Hagener Fahrer eine Erholung redlich verdient. Direkt nach dem Rennen ging es für ihn und seine Frau in den Urlaub zum Gardasee. Hier stand selbstverständlich auch Radfahren auf dem Programm. Jedoch standen hier nicht Rundenzeiten und Durchhalten im Vordergrund, kein Einzelkämpfertum wie in den Tagen zuvor, sondern eine Genusstour mit vereinten Kräften auf dem Tandem die herrliche Landschaft genießen.
(Weitere Informationen zum Verein Zee Aylienz e. V. – MTB Hagen finden sich auf der homepage unter: www.mtb-hagen.de)
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