"Game Of Thrones" in der Antike

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Claudius Nero TIBERIUS * 42 v. Chr. - 37 n. Chr. - Datierung: 2. Viertel 1. Jh. n. Chr. - Leihgeber: Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Neapel; Bildrechtenennung bei Verwendung: "Su concessione del Ministero dei Beni e delle Attività Culturali e del Turismo - Museo Archeologico Nazionale di Napoli"
 
Nero Claudius GERMANICUS * 15 v. Chr. - †19 n. Chr., Porträt aus Marmor, Datierung: 2. Viertel 1. Jh. n. Chr. Leihgebernennung bei Verwendung der Abbildung: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Schloss Erbach

Augustus, Tiberius, Germanicus und ihr Kampf um den römischen Kaiserthron


Haltern. Der schier endlose Kampf um die Herrschaftsgewalt, der Kampf um das eigene Überleben und die Sicherung der Geschlechterfolge als dramaturgische Höhepunkte der amerikanischen Mittelalter- und Fantasyserie "Game Of Thrones" ("GOT") zeigen enorme Parallelen zur Geschichte des römischen Kaiserreichs. Neid und Missgunst, Blut und Erotik, Gier nach Macht und Ruhm, Misstrauen und Intrigen ziehen sich als roter Faden durch die Episoden der TV-Serie und durch die römischen Herrscherdynastien.

Um die meisten berühmten antiken Herrscher ranken sich ebenso wie in den TV-Staffeln der Serie "GOT" Geschichten von ausgedehnten Machtkämpfen und komplexen Familienverhältnissen. So etwa bei den ersten drei römischen "Kaisern". Augustus, dem man erstmals offiziell den Titel "Caesar" verlieh, außerdem Nachfolger des selbsternannten Alleinherrschers Julius Caesar, musste beispielsweise auf das Täuschungsmanöver zurückgreifen, die republikanische Staatsstruktur wiedereinführen zu wollen, um seine Stellung als Princeps konsolidieren zu können. Auch war er bestrebt, die Herrschaft innerhalb seiner Familie, der julisch-claudischen Dynastie, dauerhaft zu sichern. Nach dem Tod seiner für den Thron favorisierten Adoptiv- und Enkelsöhne musste Augustus gegen seinen Willen Tiberius (42 v. Chr.-37 n. Chr.) zum eigenen Nachfolger ernennen. Dessen Vater war als Befürworter der alten Republik in Ungnade gefallen. Bedeutender wog demgegenüber das direkte Verwandtschaftsverhältnis mit seinem Großneffen Germanicus (15 v. Chr.-19 n. Chr.), der zugunsten der kaiserlichen Nachfolge wiederum von Tiberius adoptiert werden musste. Selbst Tyrion Lennister, John Snow und Daenerys Targaryen können in ihrer vom US-Kabelsender HBO produzierten Fernsehserie "Game Of Thrones" dieses Spiel der Gewalt und Intrigen nicht übertreffen. Den tödlichen Kampfeinsatz der feuerspeienden Drachen hätten die römischen Kaiser sicherlich ebenso angeordnet. Auf diese Dimension der biologischen Kriegsführung hätten auch sie nicht verzichtet.

Den tödlichen Kampfeinsatz der feuerspeienden Drachen hätten die römischen Kaiser sicherlich ebenso angeordnet

Dabei durfte die Macht der römischen Thronnachfolger aber nicht zu groß werden. War dies womöglich der Grund, warum Augustus seinem Stiefsohn Drusus nach dessen siegreicher Rückkehr aus Germanien den Triumph vorenthielt? Oder warum Tiberius den bei den Legionären wesentlich beliebteren Germanicus so schnell wie möglich aus Germanien abziehen wollte, da Germancius' Heer ihn statt Tiberius nach Augustus’ Tod im Jahr 14 zum Princeps ernennen wollte? So brutal und blutig wie in der Serie "Game Of Thrones" wurde der Kampf um den römischen Kaiserthron nicht immer ausgetragen. Nach den Aufständen der Truppen in Germanien gegen Tiberius hielt Germanicus seinem Kaiser die Treue und ließ sich nicht auf einen Putschversuch ein. Auch Tiberius handelte nach Augustus’ Ableben taktisch klug und versicherte sich vor seinem Amtsantritt zunächst der Unterstützung des Senats. Doch Germanicus’ früher Tod in Antiochia birgt höchstes Spannungspotenzial gemäß der US-Erfolgsserie "GOT", in der kaum ein Hauptprotagonist eines natürlichen Todes stirbt: Bis heute ist unklar, ob der römische Feldherr tatsächlich vom dortigen Statthalter Piso oder sogar von seinem eigenen Adoptivvater Tiberius vergiftet wurde.

"Triumph ohne Sieg - Roms Ende in Germanien"

Der spektakuläre Triumphzug des Germanicus und das Ende Roms in Germanien vor 2.000 Jahren bilden den Ausgangspunkt für eine Sonderausstellung, die das LWL-Römermuseum in Haltern vom 2. Juni bis zum 5. November 2017 präsentiert. Im heutigen Haltern am See befand sich vor 2000 Jahren mit dem Lager Aliso einer der wichtigsten Militärkomplexe der Römer, hier war eine der Schaltzentralen der römischen Macht. Seit 1993 ist das Museum in Halten ein Schauplatz renommierter Ausstellungsprojekte. Es stellt das 2.000jährige Jubiläum des Endes der Römer in Westfalen, im Jahr 17 n. Chr., in den Mittelpunkt der Sonderausstellung "Triumph ohne Sieg - Roms Ende in Germanien". Detailinformationen unter: http://www.lwl.roemermuseum-haltern.de
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Andrè M. Pietroschek aus Essen-Ruhr | 15.08.2017 | 04:17  
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