Ruhrpott: Ein Kessel für das Ruhrgebiet

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So stellen sich die Architekten und der Künstler den "Ruhrpott" vor: Ein dampfender, 30 Meter breiter Kessel in Form eines Veranstaltungsgebäudes.
 
Außen Kessel, innen Halle, Restaurant, Hotel oder TV-Studio: Werner Müller von der Ruhrkohle AG lobte das Projekt als "bekloppt, aber supergut".

"Der Pott kocht", hieß es 1998 zum ersten Mal, als das Ruhrgebiet selbstbewusste Eigenwerbung betrieb. Was mit einem Augenzwinkern gemeint war, könnte bald ganz wörtliche Realität werden: Ein Halterner Künstler möchte einen 30 Meter hohen Kochtopf auf einer Halde montieren.

Ulrich Schriewer ist ein alter Hase in der Künstlerszene: Seit nunmehr 40 Jahren sorgt der Halterner mit seinen Sandskulpturen im In- und Ausland für Beachtung. Nun hat sich Schriewer etwas ganz Besonderes vorgenommen: Mit einem gewagten Entwurf möchte er dem Ruhrgebiet ein weithin sichtbares Denkmal setzen.

"Das ist ja richtig bekloppt", lobte selbst Werner Müller. Der RAG-Vorstand und ehemalige Wirtschaftsminister konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als er die Entwürfe zum ersten Mal sah. Unter dem Projekttitel "Ruhrpott" hatte der Architekt Kai Hesse nach den Ideen von Ulrich Schriewer genau das kreiert: Einen riesigen Kochtopf in Form eines Gebäudes, weithin sichtbar auf dem Gipfel einer Halde. Etwas bekloppt vielleicht, aber wie Werner Müller sogleich ergänzte, "supergut".

Von der amüsanten Idee zum Konzept voller Potential


"Ruhrpott ist für mich die beste Bezeichnung für das Ruhrgebiet", stellt Ulrich Schriewer klar. Auch im Ausland habe das Wortspiel einen guten Klang und sei zudem viel besser auszusprechen als das sperrige "Metropole Ruhr". "Deswegen kam mir die Idee, den Begriff sichtbar zu machen", erzählt der Künstler. Gesagt, getan: Mit geübter Hand brachte Schriewer die ersten Skizzen zu Papier.

Was dann geschah, könnte man als rasante Evolution von einer humorigen Idee für eine Skulptur zu einem vor Potential brodelnden Konzept bezeichnen. Als die Form des Gebäudes klar war, musste ein Standort gefunden werden. Und wo würde ein Symbol für das Ruhrgebiet besser zur Geltung kommen, als auf seinen "Alpen"?

Aussichtspunkt, Café, Restaurant, Eventhalle


Und schon kam Ulrich Schriewer der praktische Nutzen in den Sinn. "Ich habe schon oft festgestellt, dass viele Menschen zwar gerne eine Halde besuchen, aber ihnen die Möglichkeit fehlt, etwas zu essen oder eine Toilette aufzusuchen", führt der Halterner aus. Die nahe liegende Idee eines Cafés war geboren, und natürlich würde das Bauwerk auch eine gute Aussichtsplattform abgeben.

Und so ein zentraler Ort würde sich natürlich auch für Veranstaltungen eignen, betont Schriewer. "Ich habe dann einmal nachgerechnet. Bei einem Durchmesser von 30 Metern könnte das Gebäude locker 500 Personen aufnehmen. Und jetzt stelle man sich mal vor, Herbert Grönemeyer würde sein berühmtes Bochum-Lied singen - mitten im Ruhrpott." Würde man die Kesselwände mobil gestalten, könnte sich der Pott sogar zu einer Open-Air-Bühne umwandeln lassen. Und wo würden die Gäste danach zu Abend essen - vielleicht in einem hauseigenen Restaurant? Und was spräche eigentlich gegen exklusive Hotelzimmer in der oberen Etage? Der Künstler sprüht vor Ideen.

Architekten waren begeistert


So war es kein Wunder, dass der charismatische Halterner keine Probleme hatte, einen Architekten für seine Idee zu begeistern. "Die Düsseldorfer Architekten waren sofort angetan", schmunzelt Schriewer. Der "bekloppte Einfall" (Müller) reifte im Rahmen einer Machbarkeitsstudie schnell zu einem durchaus umsetzbaren Projekt mit vielen Möglichkeiten. Ob Restaurant, Aussichtspunkt, Konzerthalle oder TV-Studio, alle diese Ideen könnten mit Hilfe eines Investors ohne weiteres Gestalt annehmen. Und mit geschickter Illumination und Nebelanlagen könnte man den "Pott" sogar richtig "kochen" lassen: Mit künstlichem Dampf würde das Bauwerk noch lebendiger wirken.

Auch die Eigentümer der Halden waren begeistert. Neben Werner Müller stärkte auch der Vorsitzende der RVR-Verbandsversammlung Josef Hovenjügen seinem Mit-Halterner den Rücken. Die Idee sei „ein tolles Projekt, eine echte Bereicherung für das Ruhrgebiet“, lobte der Lavesumer.

Nun muss nur noch ein Investor gefunden werden, damit man sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort machen kann. Am liebsten wäre es Ulrich Schriewer, wenn man seinen "Ruhrpott" im Herzen des Ruhrgebietes schon von weit her sehen könnte. "Vielleicht auf einer Halde an der A2?", schlägt er vor.

"Ruhrpott" als selbstbewusstes Bekenntnis


Dass ausgerechnet ein Halterner nun das neue Symbolwerk für das Ruhrgebiet entwerfen könnte, findet Ulrich Schriewer nicht verwunderlich. "Als junger Mensch habe ich in Münster und Düsseldorf gewohnt. Ich habe mich immer dem Münsterland mehr verbunden gefühlt, bis ich die Leute im Ruhrgebiet näher kennenlernen durfte", berichtet der Künstler. Inzwischen sind Ulrich Schriewer und seine Skulpturen so bekannt im Revier, dass er 1991 den Ehrentitel "Bürger des Ruhrgebiets" verliehen bekam. Nun schätzt er die offene, ehrliche Art der Menschen im Pott sehr. "Hier wird eher das klare Wort gesprochen und nicht drum herum geredet", so Schriewer. Zudem sei er von der Industriekultur zwischen Emscher und Ruhr fasziniert, auf die die Ruhris auch stolz seien: "Mittlerweile ist das Wort Ruhrpott kein Schmähwort mehr, sondern ein selbstbewusstes Bekenntnis: Wir kommen aus dem Pott, das sagen die Menschen ganz offen." .

Wenn sich ein Investor findet, könnte dieses Selbstbewusstsein bald ganz bildliche Gestalt annehmen. Und vielleicht heißt es dann im Fernsehen: "Wir schalten nun live in unser Studio in den Ruhrpott..."

Übrigens: Wer Ulrich Schriewer selbst erleben möchte, hat am letzten Novemberwochenende in seinem Atelier an der Seestraße 13 in Haltern Gelegenheit dazu. Zusammen mit einer Goldschmiedin gestaltet der Künstler eine Ausstellung mit Bildern und Skulpturen. Mehr Info: www.ulrich-schriewer.de
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