Weihnachten in der Seestadt

Dem Heiligen Abend ging ein trüber Samstag voraus. Wer genau hinschaute, entdeckte aber Lichterglanz hinter mancher Tür.

Es ist diesig in der Haard an diesem Morgen, und noch fast dunkel. Jetzt, am 24. Dezember, gehört der Wald Reh und Fuchs. Nur vereinzelt schält sich ein Fußgänger aus dem Dunst, ein Rad rollt vorbei, nebenher hechelt ein Hund. Auf den Straßen hingegen bilden die Autos mit ihren Lichtern lange Lindwürmer, die in die Innenstadt ziehen. „Haben wir jetzt alles?“ fragt eine Frau hektisch, während ihr Mann einen vollbeladenen Einkaufswagen zum Auto schiebt. Mancher wirkt noch etwas unausgeschlafen, war am Abend vielleicht noch feiern, auf einer rauschenden Party, wie sie zum Beispiel der TuS Haltern am Vorabend im LakeSide Inn gegeben hatte: „Player’s Night“ – der Abschluß einer erfolgreichen Saison und viel Geld aus dem Kartenverkauf, der in die Jugendarbeit fließt.

Jetzt, am Morgen danach, piepen die Lesegeräte an den Kassen der Lebensmittelmärkte in monotonem Stakkato. Die Parkplätze in der Seestadt sind zur Mangelware geworden, als „nur noch schnell“ die letzten Einkäufe erledigt werden. In der Altstadt ein ähnliches Bild. „Das Weihnachtsgeschäft geht kurz vor der Bescherung immer in den Endspurt. Wir kennen das schon“, schmunzelt eine Verkäuferin, bevor sie sich wieder einem Kunden widmet. Ein junger Mann ist unschlüssig, welches Parfüm man der Mutter der neuen Freundin am besten schenkt. Eine andere Dame sucht noch schnell ein Buch, bevor es zu spät ist. Derweil steht die Sixtuskirche wie ein ruhiger Pol in der nasskalten Dezemberluft. An diesem Tage erwartet sie, wie ihre steinernen Schwestern überall in der Stadt, viel Besuch. Die Weihnachtsmessen füllen das Gotteshaus auch mit den Menschen, die sonst nicht immer hier zu finden sind.

Während in der Innenstadt eingekauft wird, zünden Kinder in den Pfarrheimen Lichter an. „Wir warten auf’s Christkind“, heißt die beliebte Aktion in den Gemeinden. Hier wird gebastelt, vorgelesen, gesungen oder gespielt. Auch das eine oder andere Geschenk entsteht hier noch kurz vor dem Heiligen Abend. Draußen wird es bei dem trüben Wetter kaum hell an diesem Tag, aber drinnen leuchten die Kerzen. Nach und nach schließen die Geschäfte, die Menschen strömen nach Hause. Das Läuten der Kirchenglocken hallt durch die Seestadt, Lieder klingen aus den Gotteshäusern. Dann, am Abend, wird es leer in den Straßen, die am Vormittag noch so voll gewesen waren. Die Menschen sind zuhause, allerorten duftet es nach Essen.

Es ist Weihnachten. Endlich.
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