Jüdische Familien in Haltern: Neues Buch zum aktuellen Forschungsstand geplant

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Das städtische Foto zeigt von links: Dieter Stüber, Dieter Böhmer und Bürgermeister Bodo Klimpel.

200 Jahre alte Akten der Stadt übergeben

Haltern. Im vergangenen Jahr stellte der Halterner Dieter Stüber sein Buch „Die Schicksale der jüdischen Familien in Haltern am See von 1925 bis 1945“ vor. Nun hat er weiteres Material erhalten, so dass er anstrebt, bis Weihnachten dieses Jahres die Neuauflage mit einer deutlichen Erweiterung fertigzustellen. Das erklärte er nun bei einem Besuch bei Bürgermeister Bodo Klimpel.

Dabei war auch das „Halterner Urgestein“ Dieter Böhmer, der nämlich von seinem Vater alte Unterlagen und Akten wiedergefunden hat und diese dem Historiker Dieter Stüber für dessen Studien überlassen hat. Gleichzeitig haben beide nun diese teilweise 200 Jahre alten Dokumente der Stadt übergeben. Dafür bedankte sich Bürgermeister Bodo Klimpel ausdrücklich. Stadtarchivar Gregor Husmann wird sie nun aufbereiten und an geeigneter Stelle aufheben.
Diese Akten - notarielle Urkunden und Hypothekenbriefe – sind nach Stübers Überzeugung derart „neu und überraschend“, dass er nun sein Buch auf den aktuellen Forschungsstand bringen will. „Wir können nun zum Beispiel nachweisen, dass die Familie Weyl spätestens seit dem frühen 19. Jahrhundert in Haltern eine sehr bedeutsame jüdische Familie gewesen ist. Bisher hatten wir sie ausschließlich an der Lippstraße verortet, nun wissen wir aus den von Dieter Böhmer zur Verfügung gestellten Unterlagen, dass diese Familie auch Grundbesitz an der Rekumer Straße – neben der Familie Böhmer – gehabt hat.“

Abraham Weyl ging frühzeitig nach Marl und war in der dortigen Synagogengemeinde eine große Persönlichkeit, bevor er nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet worden ist

Die Familie Weyl – genannt werden unter anderem die Brüder Abraham, Moses und Salomon – war hier sehr erfolgreich im Tuchgewerbe und in der Weberei aktiv, ein anderer Zweig war in Bocholt. In Haltern wurden sie, wie Dieter Stüber es beschreibt, von den Nationalsozialisten „nach und nach kalt enteignet“, bis sie am Ende vollkommen besitzlos geworden ist. Abraham Weyl ging frühzeitig nach Marl und war in der dortigen Synagogengemeinde eine große Persönlichkeit, bevor er nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet worden ist.
Eine Nachfahrin, Eva Weyl, wurde 1935 in den Niederlanden geboren. Sie hat inzwischen dreimal das Halterner Joseph-König-Gymnasium und die Alexander-Lebenstein-Realschule besucht und den Schülerinnen und Schülern die Geschichte ihrer Familie erklärt. Die Eltern von Eva Weyl lebten in Kleve und waren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in die Niederlande geflohen.
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