Schänke bleibt erhalten

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Die Läden werden nicht geschlossen - Halterner Kultkneipe bleibt bestehen

1:0 für die Halterner Kultkneipe. Nach der Hiobsbotschaft der bevorstehenden Kündigung kam am Wochenende die Erlösung: Die Schänke geht in die Verlängerung und bleibt für weitere fünf Jahre bestehen.

Das Sterben uriger Eckkneipen ist in Deutschland eigentlich nichts Neues. Als sich in der vergangenen Woche aber wie ein Lauffeuer in Haltern die Nachricht verbreitete, die Schänke stünde vor dem Aus, löste dies eine Welle der Betroffenheit aus. Der Verpächter der Immobilie an der Ecke Lippstraße/Schüttenwall hatte den Vertrag zum Jahresende gekündigt. Nicht nur das Wirtsehepaar Silvia und Günter Hildebrand, die allen Gästen als Sille und Günni bekannt sind, traf diese Entscheidung schwer.

Solidarität und Fair-Play

Mitglieder des Halterner Rockbüros, Stammgäste sowie zahlreiche Bürger waren nicht bereit, die Kündigung einfach hinzunehmen. Sie schlossen sich spontan zusammen, um mit einer Unterschriftenaktion „Ihre“ Schänke zu retten. Wichtig war allen Beteiligten dabei, dass es keineswegs darum ging, dem Verpächter in irgendeiner Weise Vorwürfe zu machen.

Die Gaststätte hatte sich schon von Anfang an für junge Musiker eingesetzt und im Laufe der Jahre zahllose Veranstaltungen organisiert. Die Open-Stage-Nächte, Open-Micro und Akustik-Nächte waren sowohl bei Halternern als auch bei Besuchern weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebt. Auch so mancher Promi war hier zu Gast. So war schon mal Torhüter Manuel Neuer unter den Gästen der „Schalke-Kneipe“ anzutreffen. Hier fand manches Benefitzkonzert statt; zu Halloween trafen sich hier die unchristlichsten Spukgestalten und am Heiligen Abend konnte es sogar fast besinnlich zugehen. Verständlich, dass die Gäste die gemütliche Event-Gaststätte und die beliebten Betreiber nicht kampflos aufgeben wollten.

„Rettet die Schänke“

Auf Facebook richteten zehn Administratoren eine Gruppe ein, in der künftig die Fäden für die Rettungsaktion zusammenliefen. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Seite über 1400 mal abbonniert, Beiträge geteilt und kommentiert. Bei allen Emotionen, die das Thema auslöste, wurde auch auf der Facebook-Seite höchtsen Wert auf einen angemessenen Umgangston und Respekt gegenüber dem Hauseigentümer gelegt.

Ein Team von freiwilligen Helfern hatte gleich nach Bekanntwerden der Kündigung in nahezu allen Ladenlokalen der Stadt Unterschriftenlisten ausgelegt. Auch Taxiunternehmen machten die Aktion mit, die der Schänke auf diese Weise unzählige Solidaritätsbezeugungen brachte.
„Auch wenn es nichts nützt und wir die Schänke schließen müssen, so zeigt uns das doch, wie sehr unser Wohl und unser Haus den Menschen am Herzen liegt. Allein das berührt mich tief,“ sagte Sille noch in der vergangenen Woche mit Tränen in den Augen.

Das Wort zum Sonntag

Tränen kamen vielen sicher auch am Wochenende wieder in die Augen. Diesmal aber waren es Freudentränen! Dem Engagement und der Leidenschaft so vieler Menschen konnte der Verpächter nicht widerstehen. Er verlängerte den Vertrag auf weitere fünf Jahre. Silvia und Günter Hildebrand sowie ihre Gäste sind für diese Entscheidung überaus dankbar. Nach dem Hoffen und Bangen der vergangenen Tage bezeichneten einige diese erlösende Nachricht auf der Facebook-Seite als „Das Wort zum Sonntag“. Die frohe Botschaft kam gerade zum passenden Zeitpunkt: Am Samstag hatte der Mann auf der Treppe, wie der Wirt auch genannt wird, Geburtstag. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Kultig war die Kneipe ja schon immer. Mit diesem Happy-End aber hat sie wohl endgültig Kult-Status erreicht.

Die Nachricht von der Kündigung hatte viele Halterner in der vergangenen Woche sehr betroffen gemacht. Hätte die Schänke tatsächlich ihre Tore schließen müssen, so würde das für viele den Verlust ihres „Wohnzimmers“ bedeutet haben. Es wäre „das Ende einer Ära und das Verschwinden eines großen Teils Halterner Lokalkolorits“ gewesen.
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