In den Morgenstunden ist am Futterhäuschen besonders viel los

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Welche Arten zu Besuch kommen, hängt auch von dem angebotenen Futter ab: Wer nur Meisenknödel aufhängt, wird vor allem die namensgebenden Tiere sehen können.

Haltern. Vögel kommen in der kalten Jahreszeit gerne zu uns ans Haus, um nach Nahrung zu suchen. Für viele Halterner ist nach dem ersten Schnee daher die Winterfütterung der bunten Piepmatze ein großes Vergnügen – aber was gilt es dabei zu beachten? Und ist der gedeckte Tisch für die kleinen Flieger überhaupt sinnvoll?

Wenn die lange Winternacht endlich dem Tag weicht, verwandelt sich der Balkon von Yvonnes Familie in einen geschäftigen Flughafen. Quirlige Blaumeisen, kecke Kohlmeisen, neugierige Rotkehlchen und selbstbewusste Finken umschwärmen die leicht baumelnden Futterknödel und picken heruntergefallene Körner auf. „Wenn ich morgens auf den Balkon komme, umschwirren mich die Vögel und haben wenig Scheu, sich neben mir auf die Meisenknödel zu stürzen“, freut sich die junge Schülerin aus Haltern. Wie bei Yvonnes Balkon am Stadtrand, so locken derzeit auf unzähligen Balkons, Terrassen und Gartenflächen in der Seestadt leckere Vogelspeisen. Kein Wunder, schließlich hat die Winterfütterung in Deutschland eine lange Tradition. Rund 15 bis 20 Millionen Euro lassen sich Tierfreunde hierzulande die Freude kosten, in der kalten Jahreszeit heimische Singvögel am Futterhäuschen beobachten zu können.
Zweifellos macht es den Menschen auch in Haltern Freude, den kleinen Federtieren bei der Nahrungsaufnahme zuzuschauen. Doch wie sinnvoll ist die Fütterung, wo doch die heimischen Wäldern, Feldern und Parks eher selten von sibirischen Schneemassen verschüttet sind und daher kaum ein gesunder Piepmatz vom Hungertod bedroht ist?

Als wirklich arterhaltende Maßnahme taugt auch das engagierteste Zufüttern nicht

Die schlechte Nachricht zuerst: Als wirklich arterhaltende Maßnahme taugt auch das engagierteste Zufüttern nicht. „Vogelfreunde sollten sich darüber im klaren sein, dass Winterfütterung und Naturschutz zwei Paar Schuhe sind“, betont der Vogelexperte Dr. Markus Nipkow vom Naturschutzbund Deutschland. „Die Vogelfütterung in Städten und Dörfern kommt etwa 10 bis 15 Vogelarten zugute“, erklärt der Naturwissenschaftler weiter. „Keine dieser Arten ist in ihrem Bestand gefährdet.“ Der Grund ist naheliegend: Egal, wo man sich in Haltern aufhält, sind Meisen, Finken, Rotkehlchen oder Amseln nie weit entfernt. Die Tiere haben sich an den Menschen gewöhnt und haben daher auch kein Problem, sich an Futterstellen rund um ihre Häuser zu bedienen. Aber ist deswegen die Winterfütterung gleich nur rührseliger Unsinn?
"Keineswegs", meint Dr. Markus Nipkow. "Wo sonst lässt sich lebendige Natur selbst mitten in der Stadt und aus nächster Nähe so gut erleben?" Gerade für Kinder sei das heimische Futterhäuschen die beste Gelegenheit, in aller Ruhe die häufigsten Vogelarten unserer Umgebung kennen zu lernen. Und ihre Marotten lernt man gleich dazu, wie uns Yvonne verrät: „Manche Meisen sind derart frech, dass sie ihre Artgenossen von jedem einzelnen Knödel weghacken. Das Rotkehlchen hingegen schaut sich das ganze Treiben einfach von unten an und sammelt die runterfallenden Brocken auf.“

Vögel sind auch nur Menschen


Eindruck trügt nicht: Manche Arten verhalten sich rund um die Futterstelle nicht unbedingt wie feine Restaurantgäste. „Kohlmeisen-Männchen mit dem breiten schwarzen Streifen auf gelber Brust sind die Chefs und vertreiben rangniedere Meisen“, erklärt Dr. Nipkow. Da werde schnell schon einmal mit erhobenen Flügeln, gespreiztem Schwanz und geöffnetem Schnabel gedroht. Ebenfalls rauflustig sind die Grünfinken, so der NABU-Experte: „Sie wollen den Futterplatz für sich und tolerieren in Schnabelhackweite kaum einen anderen Vogel.“
Besonders viel los rund um die Futterhäuschen ist es in den Morgenstunden. Der Grund: Anders als Säugetiere können sich Singvögel keine dicke Speckschicht anfuttern, um flugtauglich zu bleiben. Deswegen sind sie ständig auf Futtersuche – besonders am Morgen. „Gegen Mittag flaut das Interesse ab und am Nachmittag und in der Dämmerung nimmt es erneut zu“, so Nipkow.
Welche Arten zu Besuch kommen, hängt auch von dem angebotenen Futter ab: Wer nur Meisenknödel aufhängt, wird vor allem die namensgebenden Tiere sehen können. Dabei kann man die kleinen Akrobaten dabei beobachten, wie sie sich kopfüber an die Knödel hängen. Andere Vogelarten sind weniger geschickt und picken lieber Futter vom Boden auf. „Ich habe mit verschiedenen Früchten, Nüssen und Körnern experimentiert“, erklärt auch Yvonne. Die Schülerin konnte sich so über noch mehr gefiederten Besuch freuen.

Doch Vorsicht: Nicht alles ist als Futter geeignet

Doch Vorsicht: Nicht alles ist als Futter geeignet. „Keinesfalls sollte man salzige Nahrung wie Speck oder Salzkartoffeln anbieten“, warnt der Experte vom Naturschutzbund. „Auch Brot ist nicht zu empfehlen, da es im Magen der Vögel aufquillt und schnell verdirbt.“ So eignen sich die klassischen Sonnenblumenkerne und ähnliche Körnermischungen am besten, für manche Arten kann man auch Rosinen oder Haferflocken anbieten.
Spätestens, wenn der Winter vorbei ist, sollte man das Füttern dann aber wieder einstellen. „Die Natur ist schließlich kein Freiluft-Zoo“, mahnt Dr. Markus Nipkow. Statt der stets gefüllten Futterbehälter kann der Tierfreund den Vögeln auch so bessere Lebensbedingungen schaffen – indem man etwa im Garten mit Hecken oder Büschen Schutzräume schafft. Und wer keinen Garten hat, der findet mit etwas Muße in der nahen Umgebung viele Möglichkeiten, die Tiere zu beobachten – etwa in der Hohen Mark oder in der Haard.
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