Mountainbiker gegen den Rest: In der Haard sind sich nicht alle grün

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Harald Klingebiel: Es gibt immer wieder Mountainbiker, die ohne Rücksicht auf Mensch, Natur und Tier durch die Haard fahren.“
 
Die Mitglieder von “Haardbiker e.V.” verpflichten sich beispielsweise, die Umwelt aktiv zu schützen. Im Februar erst pflanzten Mitglieder 2000 junge Buchensetzlinge in der Haard.

Haltern. Golden schimmert die Herbstsonne durch die dichten Baumreihen, verwandelt die Haard in einen mystischen Märchenwald. Doch die Idylle im Naturparadies hat schon länger Risse. Spaziergänger, Reiter mit Pferden, Wandergruppen, Pilzsammler und Radfahrer sind sich dort nicht immer grün.

Eine besondere Spezies der Pedalritter steht im Fokus der Kritik. Mit Helm, Brille und Protektoren sind die Mountainbiker zwar gegen Stürze geschützt, gegen die Kritik vieler Naturfreunde aber nicht. Konkret geht es um rücksichtsloses Rasen auf Wanderwegen und um Waldschäden durch das Fahren abseits der markierten Wege. Mehrere Leser unserer Zeitung berichteten erbost, dass sie sich nur durch einen beherzten Sprung ins Gebüsch vor heranrasenden Bikern in Sicherheit bringen konnten. Im Gegensatz dazu beklagen viele Mountainbiker die egoistische Haltung mancher Spaziergänger. „Da wird für uns Radfahrern einfach kein Platz gemacht, die Wege würden blockiert, so dass wir nur mit viel Risiko ausweichen können“, macht eine passionierte Mountainbikerin aus Flaesheim ihrem Ärger Luft. Teilweise sind in anderen Bundesländern die Auseinandersetzungen derart eskaliert, dass Biker durch Wegefallen schwer verletzt wurden oder Fußgänger rücksichtslos über den Haufen gefahren wurden. Doch nach Auskunft des Regionalverbandes Ruhr sind das zum Glück nur Einzelfälle. Revierförster Harald Klingebiel: Es gibt immer wieder Mountainbiker, die ohne Rücksicht auf Mensch, Natur und Tier durch die Haard fahren.“ Doch zu Handgreiflichkeiten zwischen Bikern und Spaziergängern und schweren Zusammenstößen sei es seines Wissens noch nicht gekommen Doch das Konfliktpotential wird immer größer.

Mountainbiking hat sich längst zu einem Volkssport entwickelt


Denn Mountainbiking hat sich längst zu einem Volkssport entwickelt, das verdeutlichen die Zahlen. Laut dem Bund Deutscher Radfahrer deuten die 2012er Verkaufszahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) auf deutlich über eine Million aktiver Mountainbiker hin. Natürlich gibt’s unter denen auch „schwarze Schafe“, die sich an keinerlei Regeln halten und rücksichtslos durch viel frequentierte Waldstücke preschen. Doch Vielerorts ist auch ein Umdenken zu beobachten. Längst gibt es deutsche Mountainbike-Clubs, die es sich per Vereinsregel den Naturschutz auf die Fahnen geschrieben haben. Die Mitglieder von “Haardbiker e.V.” verpflichten sich beispielsweise, die Umwelt aktiv zu schützen. Im Februar erst pflanzten Mitglieder 2000 junge Buchensetzlinge in der Haard. Man hat sich die Kritik von Natur- und Umweltschützern oder Förstern, die zu Beginn der Mountainbike-Welle über Waldschäden und verletzte Jungtiere berichteten, zu Herzen genommen. Die Funsportart “Mountainbiken” muss nicht weniger Spaß bringen, wenn man nur ausgewiesene Waldwege befährt.

Hintergrund:
Die gesetzliche Regelung in NRW besagt: „In der freien Landschaft ist das Betreten der privaten Wege und Pfade, der Wirtschaftswege sowie der Feldraine, Böschungen, Öd- und Brachflächen und anderer landwirtschaftlich nicht genutzter Flächen zum Zwecke der Erholung auf eigene Gefahr gestattet", das "gilt sinngemäß für das Radfahren (...) in der freien Landschaft. Das Radfahren ist jedoch nur auf privaten Straßen und Wegen gestattet. Radfahrer (...) haben auf Fußgänger besondere Rücksicht zu nehmen." Ausdrücklich ist ferner "in Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten, Nationalparken und geschützten Biotopen (...) sowie innerhalb geschützter Landschaftsbestandteile (...) das Radfahren (...) außerhalb von Straßen und Wegen verboten".
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