G9-Initiative: Mehr Zeit für Abiturienten

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Im Einsatz für eine Wiedereinführung von G9: Andreas Graf Praschma und Sabine Ruttert-Bonk sammelten Unterschriften auf der Rekumer Straße. Foto: Pieper

An Gymnasien in NRW soll wieder eine Regelschulzeit von neun Jahren gelten und das Abitur nach der 13. Klasse absolviert werden: Dies fordert eine Bürgerinitiative, die am Wochenende in Haltern Unterschriften sammelte. Die verkürzte Schulzeit überfordere die Schüler und provoziere psychische Belastungen, so die Befürworter.

Mit Unterschriftenlisten und Informationsmaterial begaben sich Mitglieder der Initiative „G9-jetzt.nrw“ in die Halterner Innenstadt, um sich für eine Verlängerung der Regelschulzeit an Gymnasien einzusetzen. "Uns fehlen nur noch rund 3000 Unterschriften in ganz NRW", freute sich Eva Praschma. Dick eingepackt in winterliche Kleidung informierte die Halternerin zusammen mit einigen Mitstreitern über ihre Ziele. Viele Kinder litten unter dem schulischen Druck, der durch den Versuch entstehe, das Lehrmaterial in einem Jahr weniger als früher üblich abzuarbeiten. Die eigene Tochter, so versicherte Praschma, käme zwar am Gymnasium zurecht, aber wie viele ihrer Klassenkameraden habe sie kaum noch Freizeit, die sie außerschulisch nutzen könnte.

Um das sogenannte G9-Modell, also das Abitur nach 13 Jahren, wieder zur Regel zu machen, wollen die Aktivisten über 60.000 Unterschriften sammeln und diese am 13. April Landtagspräsidentin Carina Gödeke überreichen. Damit sei sichergestellt, dass das Thema im Landtag noch einmal diskutiert werden muss, erklärt Andreas Graf Praschma, der die Initiative im Raum Haltern vertritt. "Wir sind auf einem guten Weg und erhalten viel Zuspruch aus der Bevölkerung, vor allem von Eltern schulpflichtiger Kinder", so Praschma.

Doch nicht alle Bürger sind Verfechter des längeren Schulmodells. "Warum muss Deutschland wieder einen Sonderweg gehen?", fragt etwa der pensionierte Gesamtschullehrer Heinz Koletzski, der an diesem Tag als Passant auf die Aktivisten stößt. Seines Erachtens liege die Pflicht bei den Lehrern, die kürzere Schulzeit besser zu gestalten und die Lehrpläne zu entschlacken. "Die Verkürzung auf G8 war richtig", davon ist er überzeugt.

Die Aktivisten indes kann er nicht überzeugen. "Die Schüler mögen zwar früher ihr Abitur haben, aber viele entscheiden sich nach dem Streß erst einmal für eine Auszeit oder ein soziales Jahr", betont etwa Sabine Ruttert-Bonk, die auf jahrelange Erfahrung als Pädagogin zurückblickt. "Das schnelle Durchhetzen durch den Lehrstoff sorgt eher für ein Abitur zweiter Klasse", kritisiert die Aktivistin.

Die Lager zwischen den Befürwortern von G8 und G9 ist gespalten. Sollte die Initiative Erfolg haben, darf man kontroverse Diskussionen im Düsseldorfer Landtag erwarten.
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