Großes Interesse an Azubi-Ticket - IHK fordert gute ÖPNV-Anbindung

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Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen (ab 1. Mai 2018)
 IHK-Umfrage zeigt deutliche regionale Unterschiede

Kreis. Ein landesweites Azubi-Ticket für Busse und Bahnen, das die NRW-Landesregierung derzeit prüft, stößt bei Auszubildenden und Betrieben im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region grundsätzlich auf Interesse. Das zeigt eine aktuelle IHK-Umfrage, deren Ergebnisse Mitte Mai veröffentlicht wurden. Voraussetzung für die Akzeptanz des Azubi-Tickets ist jedoch, dass der Preis stimmt und Betrieb und Berufsschule mit öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt erreichbar sind.

„Gerade abseits der Ballungsräume und Großstädte ist dies jedoch längst noch nicht überall der Fall“, unterstreicht Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. So zeigt die Umfrage der IHK Nord Westfalen deutliche regionale Unterschiede auf, etwa zwischen der Stadt Münster und dem Münsterland. Als weiteres Manko erweisen sich die Geltungsbereiche der verschiedenen Verkehrsverbünde. 516 Auszubildende und 117 Betriebe aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region hatten sich an einer landesweiten Umfrage beteiligt. NRW-weit waren es über 7600 Auszubildende und 1476 Unternehmen. „Mit den Ergebnissen möchten wir einen Beitrag zur aktuellen Diskussion um das Azubi-Ticket leisten“, sagt Jaeckel. Die grundsätzliche Zielsetzung, die Mobilität von Bewerbern bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen zu erhöhen, sei gerade im IHK-Bezirk Nord Westfalen von besonderer Bedeutung. „Die Angebots- und Nachfragesituation auf dem Ausbildungsmarkt ist in der Emscher-Lippe-Region und im Münsterland weiterhin sehr unterschiedlich“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer. Attraktive Mobilitätsangebote könnten die Bereitschaft erhöhen, auch weitere Wege zu einem Ausbildungsplatz auf sich zu nehmen.

516 Auszubildende und 117 Betriebe aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region hatten sich an einer landesweiten Umfrage beteiligt

Ein wichtiges Kriterium ist auch der Ticketpreis. Für 86 Prozent der Unternehmen ist laut IHK-Umfrage die Nutzung von Bahn und Bussen für die Auszubildenden zu teuer. Dies gilt in besonderer Weise in Westfalen, wo die bestehenden Verbund- und Tarifstrukturen einem preislich attraktiven Azubi-Ticket derzeit entgegenstehen. „Die Verkehrsverbünde VRR im Ruhrgebiet und VRS im Rheinland sind hier deutlich weiter als wir in Westfalen“, sieht Jaeckel hier die westfälischen Verkehrsverbünde in besonderer Weise gefordert.
Ähnlich ist das Meinungsbild bei den Auszubildenden. Von denen, die kein Monats- oder Jahresticket besitzen, sagen drei Viertel, dass ein deutlich ermäßigter Preis dazu führen könnte, ein solches Ticket zu erwerben. Wie viel sie zahlen würden, hängt vom Geltungsbereich ab. Für ein NRW-weites Ticket ist fast jeder zweite Azubi bereit, bis zu 60 Euro im Monat zu zahlen. Ein auf Fahrten zwischen Wohnort, Arbeitsstätte und Berufsschule beschränktes Ticket ist den meisten Azubis (66 Prozent) dagegen höchstens 30 Euro im Monat wert. Deutlich wurde in den Umfrageergebnissen auch eine ganz spezifische Münsterland-Problematik: Anders als bei den Befragten in der Stadt Münster bewertet fast die Hälfte der Unternehmen in den Münsterlandkreisen ihre Erreichbarkeit mit Bus und Bahn als schlecht, 39 Prozent als nur ausreichend. „Darum überrascht es nicht, dass zwei Drittel der Unternehmen vor allem bessere Anbindungen als Voraussetzung ansehen, um die Nutzung von Bus und Bahn durch Azubis zu erhöhen“, unterstreicht Jaeckel.

„Ein verpflichtendes Solidarmodell nach dem Vorbild des Semestertickets für Studierende kann es beim Azubi-Ticket nicht geben.“

Schon wegen der regional sehr unterschiedlichen ÖPNV-Anbindung der Betriebe, die sich auch in den Umfrageergebnissen widerspiegelt, kommt für den IHK-Chef nur ein freiwilliges Ticket als Angebot für die Auszubildenden infrage. „Ein verpflichtendes Solidarmodell nach dem Vorbild des Semestertickets für Studierende kann es beim Azubi-Ticket nicht geben“, ist sich der IHK-Hauptgeschäftsführer sicher. Gerade für die Wirtschaft im Münsterland sei es zur Gewinnung von Auszubildenden aus der Emscher-Lippe-Region wichtig, dass das Azubi-Ticket verbundübergreifend gültig ist. Dass ein Auszubildender derzeit deutlich mehr bezahlen müsse, wenn er auf dem Weg zum Arbeitsplatz ein Verkehrsverbundgebiet wechselt, dürfe nicht sein. „Hilfreich wäre es, wenn die Verkehrsverbünde insbesondere auch für Auszubildende ein elektronisches Ticket einführen würden, mit dem die jeweils gefahrenen Strecken zwischen Wohnort, Berufsschule und Ausbildungsbetrieb unabhängig von Verbundgrenzen im Zuge einer Bestpreisgarantie abgerechnet würden“, meint Jaeckel.
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