Zu Lichtmess grüßt das Murmeltier

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LWL-Volkskundler erläutern Bräuche zum 2. Februar


Westfalen. Die Knechte durften früher am 2. Februar "essen wie die Scheunendrescher", viele Familien deckten sich mit frischgeweihten Kerzen ein, und in Amerika sagt an diesem Tag heute noch ein Murmeltier das Wetter vorher.

Die Volkskundler beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erklären die Bräuche zum auch "Maria Lichtmess" genannten Tag. So schön Spaziergänge an einem klaren und kalten Wintertag auch sind, viele Menschen sehnen doch das Ende der dunklen Jahreszeit herbei. "Wer werktags bei Dunkelheit zur Arbeit fährt und auch erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder nach Hause zurück kommt, der freut sich über jede Minute, die es länger hell bleibt. Die ab Februar deutlich zunehmende Helligkeit ist traditionell vor allem mit einem Termin verknüpft: Maria Lichtmess", erklärt Christiane Cantauw von der Volkskundlichen Kommission beim LWL. Die katholische Kirche feiert an Lichtmess das Fest der Reinigung Mariens, die sich 40 Tage nach der Geburt ihres Kindes nach jüdischer Sitte einem Reinigungsritual zu unterziehen hatte. Dieser Gedenktag wurde bereits im 4. Jahrhundert in Jerusalem mit Prozessionen begangen und entwickelte sich in Europa zu einem Termin für die Kerzenweihe - deshalb die Bezeichnung Lichtmess, also Lichtermesse. Die geweihten Kerzen wurden zu besonderen Anlässen wie Geburt, Taufe, Erstkommunion, Hochzeit oder Tod, aber auch bei Gewitter und Viehkrankheit angezündet. Vor allem zu Lichtmess war die Nachfrage nach Kerzen groß, deckten sich viele Haushalte an diesem Termin doch für das ganze Jahr mit geweihten Kerzen ein. So wie in Vorhelm (Kreis Warendorf), war bis Ende des 19. Jahrhunderts vielfach der Küster für das Kerzenziehen verantwortlich. Er stellte aus dem Wachs, das er den örtlichen Imkern abkaufte, über den Winter Kerzen her, die vor allem an Lichtmess reißenden Absatz fanden.
Lichtmess steht am Ende der Weihnachtszeit - zu diesem Termin wurden traditionell die Weihnachtsbäume und Krippen aus den Kirchen geräumt. Gleichzeitig verlagern sich die landwirtschaftlichen Arbeiten ab Anfang Februar allmählich wieder nach draußen: Bis ins 20. Jahrhundert hinein galt die eiserne Regel, dass an Lichtmess die Drescharbeiten beendet sein sollten. Für einen Großknecht galt es als Schande, wenn am 2.2. noch nicht ausgedroschen war. Zum Abschluss der Drescharbeiten gab es meist ein gemeinsames Essen, bei dem die Männer "wie die Scheunendrescher" zulangen durften. Auch die Spinnarbeiten sollten an Lichtmess ein Ende finden.
"Die Zeiten, in denen Termine wie Lichtmess den Menschen noch geläufig waren, sind längst vorbei. Die merklich zunehmende Helligkeit bleibt jedoch auch in der heutigen Zeit nicht unbemerkt und gibt Anlass zur Freude. Das liegt daran, dass die Zunahme der Tageslänge einer Sinuskurve folgt. Nach dem 21. Dezember werden die Tage zunächst nur um Sekunden länger, aber um den 2. Februar wird diese Kurve recht steil, so dass die Helligkeit deutlich spürbar zunimmt", erklärt Cantauw.
Der Lichtmess-Termin galt aber auch als Vorzeichen in Bezug auf die Entwicklung des Wetters: "Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit, ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell", lautet eine alte Bauernregel.
In den USA und in Kanada begeht man am 2. Februar den "Groundhog Day", also den Murmeltier-Tag. In einer lustigen Zeremonie wird ein Murmeltier aus seinem Bau gelockt. Sieht es seinen Schatten, was nur an einem sonnigen Tag möglich ist, so dauert der Winter wohl noch vier weitere Wochen an, glaubt man. Ab dem 2. Februar kann die Lampe auch zum Lesen immer häufiger aus bleiben, weil das Tageslicht deutlich zunimmt. Foto: LWL-Archiv/Helmut Orwat
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