Gipfeltreffen zwischen Genie und Wahnsinn: Musik von Jan Dismas Zelenka und Johann Sebastian Bach am 24. 1., 17.00 in Ringenberg

Wann? 24.01.2016 17:00 Uhr

Wo? Schloss Ringenberg, Schloßstraße 8, 46499 Hamminkeln DE
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Ein Genie als Musiker, ein Bruchpilot in praktischen Dingen: Jan Dismas Zelankas Handschrift zum Ringenberger Konzertprogramm im Original.
 
Der Meister persönlich: Jan Dismas Zelenka (1679 - 1745), Kontrabassvirtuose und "Kirchen-Compositeur" am Dresdner Hof.
Hamminkeln: Schloss Ringenberg | Die Voraussetzungen sind vielversprechend: Angespitzte Feder, hochwertiges Papier, erstklassige Tinte. Gehobene Ausstattung eines Komponisten im 18. Jahrhundert, also. Auch die nächsten Schritte laufen erfolgreich: Gestochen scharfe Liniensysteme, wohlgeformte Notenköpfe, Hälse, Balken, Bögen.
Irgendwann dreht der Wind: Zuerst läuft Rotwein auf das Manuskript. Der Schaden lässt sich mit Löschpapier begrenzen. Ein paar Takte später folgt der erste grobe Verschreiber. Ein durchgestrichener Takt würde das Schriftbild verderben. Der Komponist nimmt die oberste Papierschicht mit einer Rasierklinge ab und zeichnet den Takt neu. Aber schon bei den Linien wird klar, dass die Retusche kein leichter Fall wird. Zum Totalschaden kommt es, als er Notenköpfe hinein malen will: In einem Umkreis von einem halben Zentimeter saugt sich das Papier voll Tinte. Das Blatt ist ruiniert: Da hilft tatsächlich nur noch Durchstreichen und neu schreiben. Erst hinterher stellt sich heraus, dass die Flut auf die Rückseite durchgeschlagen ist und dort mehrere Takte unleserlich gemacht hat. Beim Versuch, diese an anderer Stelle mit Fußnote zu rekonstruieren, überkreuzt sich das Ersatzsystem aus mit den zuvor in allerschönster Sonntagsschrift geschriebenen Noten.

Bei Forschern gilt Jan Dismas Zelenka (1679 – 1745) als begnadeter Kontrabassist und talentierter Kirchen-Compositeur der Dresdner Hofkapelle, unter Zeitzeugen dürfte er aber auch als unverbesserlicher Bruchpilot in lebenspraktischen Fragen bekannt gewesen sein. Ein Zeugnis dafür besteht unter anderem in den – aus besagten Gründen heute kaum noch lesbaren – Handschriften zu seinen gigantisch langen, bis zur Unspielbarkeit schwierigen und tonal nicht minder opulenten sechs Sonaten für zwei Oboen, Fagott und Basso Continuo.
Im Auftrag des Amadeus-Verlages aus Winterthur hat sich der Ringenberger Schlossmusiker Wolfgang Kostujak vor zwei Jahren als Herausgeber daran machen müssen, die Unfallschäden des Herrn Zelenka zu „reparieren“ und des Meisters ursprüngliche Wünsche im Notenbild zu rekonstruieren.

Als er fertig war, traute er seinen Augen nicht: So alltagsfern er in seiner Lebenspraxis gewesen sein mag, als Komponist stellt die Experimentierfreude Jan Dismas Zelenkas die Dresdner Kollegen seiner Zeit allesamt in den Schatten. Geniestreich, Scharlatanerie oder Zufallsprodukt? Wolfgang Kostujak stellte kurzerhand eine Gruppe von Studierenden der Folkwang-Universität, Essen zum Selbstversuch zusammen. Was sich für die Musiker aufgrund des Schwierigkeitsgrades zunächst wie ein sportliches Überlebenstraining angefühlt haben mag, führte am Ende zu einer unfassbar großartigen Musik. Nicht einmal die Gesellschaft seines Zeitgenossen Bach muss der böhmische Lehrerssohn scheuen.

Am Sonntag, 24. Januar 2016 ab 17.00 Uhr kommen alle am Selbstversuch beteiligten SolistInnen noch einmal zusammen, um dieses Gipfeltreffen von Genie und Wahnsinn im Rahmen der Ringenberger Schlosskonzerte nachzustellen: Die in Sofia geborene Barockoboistin Lyuba Manassieva und ihr Bochumer Kollege Benjamin Völkel sowie der Barockfagottist Jacob Giesing. Als Continuogruppe wirken die mehrfach international ausgezeichnete spanische Cellistin Carla Sanfelix-Izquierdo und der Cembalist Wolfgang Kostujak mit – und ergänzen Zelenkas Trios je um ein Solowerk von Bach: Die Chromatische Fantasie und Fuge für Cembalo und die Suite Nr. IV für Cello.

Der Eintrittspreis beträgt 15,- EUR / ermäßigt 10,- EUR, Kinder bis 14 Jahre und Asylanten haben freien Eintritt. Reservierungen nimmt die Derik-Baegert-Gesellschaft unter 02852 9659950 entgegen. Die Konzertkasse öffnet eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
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