„Wir können nachts nicht mehr schlafen“ – Eichenprozessionsspinner gefährdet die Gesundheit

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Markus Franzke vor seinem Haus
  Hautausschlag, Atembeschwerden, Bronchitis bis hin zu Asthma – das können die Folgen sein, wenn man dem Eichenprozessionsspinner zu nahe kommt. Oder besser gesagt dessen Haaren. Denn diese sind giftig. Familie Franzke aus Hamminkeln ist betroffen. Sie alle haben stark juckenden Ausschlag, am schlimmsten der fünfjährige Sohn, der am ganzen Körper übersät ist mit Pusteln.

Vor ihrem Haus steht eine zehn Meter hohe Eiche. Was schön ist, denn sie spendet Schatten und ist Teil einer Baumreihe, die den Straßenrand säumt. Aber: Sie ist befallen. Vom Eichenprozessionsspinner. Die Stadt war schon zweimal da, um das Nest auszubrennen. Ohne Erfolg. Diese Falterart kam wieder. Und das wird auch so bleiben, wenn die Eiche nicht gefällt wird, meint Markus Franzke. „Ich habe mir nie Gedanken über den Eichenprozessionsspinner gemacht“, sagt er. „Aber nun sind wir betroffen und wir leiden sehr darunter. Weil es so warm ist, vermehrt er sich extrem schnell. Von Tag zu Tag wird es mehr. Wir gehen nicht mehr in den Garten, können nachts nicht schlafen, besonders unser Sohn, weil alles so stark juckt.“

Die Stadt Hamminkeln ist sich des Problems bewusst. Sie warnt vor einem verstärkten Befall in diesem Jahr und informiert über Herkunft des Eichenprozessionsspinners, wer gefährdet ist, welche Symptome entstehen und welche Maßnahmen zur Vorbeugung getroffen werden können. Unter anderem soll man Befallsareale meiden. An der Eiche vor Familie Franzkes Haus wurde ein Warnschild angebracht. Fußgänger können die Straßenseite wechseln, Radfahrer auf die Straße ausweichen.

Was aber soll die Familie tun? Die Raupen sind überall – in der Auffahrt, im Garten, an der Häuserwand – und ihre Haare fliegen bis zu 100 Meter durch die Luft. Einige Nachbarn klagen auch über Hautausschläge. Die Symptome können Wochen anhalten. Die Reaktionen verstärken sich bei wiederholtem Kontakt. Die Haare der Raupe sind sehr langlebig und stellen auch nach einem Jahr noch eine Gefahrenquelle dar.

„Es ist ein routierender Prozess“, sagt Bürgermeister Bernd Romanski dazu. „Wir flämmen die Nester weg, so gut wir können, bis zu einer Höhe, die wir mit dem Hubsteiger erreichen. Kommt es wieder zu einem Befall, flämmen wir wieder.“ Das Problem beim Wegbrennen ist, dass die Haare aufgewirbelt werden. Absaugen oder Verkleben ist eine Alternative. Damit gäbe es zu wenig Erfahrung, meint die Stadt. Über den Winter habe sie biologische Mittel getestet – wenig erfolgreich. Chemische Keulen sollen vermieden werden

. „Für‘s nächste Jahr werden wir was anderes überlegen, um dem Problem Herr zu werden“, so Romanski weiter, „und in Bezug auf Familie Franzke werden wir ein Vorgehen kurzfristig im Verwaltungsvorstand klären.“ Ein Fällen der Eiche komme für die Stadt eher nicht infrage. Zum einen würden die gefährlichen Haare dabei extrem verbreitet, zum anderen müssten dann alle befallenen Eichen gefällt werden.

Die Stadt ist momentan machtlos. Überfordert? Zumindest bemüht. Für Betroffene aber ist das kein Zustand.
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1 Kommentar
Dirk Bohlen aus Wesel | 11.06.2018 | 11:12  
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