Holger Schlierf: ein unbürgermeisterlicher Kauz mit Teamgeist - die besondere Laudatio

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Holger Schlierf freut sich auf seine neuen Freizeitmöglichkeiten.
 
Und wenn er nicht malt ..... (Foto: privat)

Was ist das eigentlich für’n Typ, der Schlierf? Oft getroffen hab’ ich ihn nicht, den langjährigen Bürgermeister. Nicht oft genug jedenfalls. Aber kann man einen Rathauschef bei offiziellen Gelegenheiten überhaupt richtig kennenlernen? Nicht persönlich. Als Mensch, meine ich. Eben so, wie er wirklich ist.

Sie merken schon, die Frage ist rhetorisch. Soll heißen, die Antwort ist: Nein!
Soll aber auch heißen: Der Schlierf ist so ein Typ, bei dem fragt man sich: Was steckt hinter der Fassade. Oder besser: Ist seine Art überhaupt Fassade? Oder ist der einfach so?

Wie das gemeint ist? Na, so unauffällig, so sperrig, aber auch so geistreich, witzig, sympathisch. Irgendwie unbürgermeisterlich.

Wenn der Schöngeist durchkommt


Holger Schlierfs unaufgeregte Art hat mir gefallen. Ich schreibe im Perfekt, weil ich ihn ja nicht oft getroffen habe. Die Gelegenheiten kann ich an zehn Fingern abzählen (und die letzte ist lange her). Kirmeseröffnung, Bürgerversammlung, Dingdener Bergrennen. Einmal sogar bei ’ner Ratsitzung, aber das ist noch länger her. Und dann war da die Serienfolge „Chef privat“ für den Weseler. Man hatte nicht den Eindruck, dass er Spaß daran hatte, mir Privates in die Feder zu sprechen.

Und doch: Irgendwie schien es Holger Schlierf zu gefallen, mal nicht über Politikprobleme oder Hamminkelner Verwaltungsvorgänge reden zu müssen. Und dann kam der Schöngeist durch, der Kunstliebhaber, der Hobbymaler. Für Sekunden blitzte es in seinen Augen, als er von persönlichen Passionen erzählte. Aber eben nur für Sekunden.

Dann denkt man wieder: Schade, dass er nicht mehr preisgibt. Doch das war wohl nie Schlierfs Ding, zu viel über sich selber zu plaudern. Wie auch? 14 Jahre Bürgermeisterschaft sind doch so eine Art Schächtung des Privatlebens: Man(n) - und auch seine Frau (!) - blutet aus, der Eigenanteil am Leben wird klein und kleiner, weil die Bürger ihren Anteil beanspruchen. Das ist bisweilen nicht bloß anstrengend, das nervt auch – und zwar oft!
Diese Formulierung würde Holger Schlierf nie über die Lippen kommen, obwohl sie gut zu ihm passen würde. Aber gut, lassen wir das …

Versuch’s mal mit ….


Vielleicht noch ein paar Gedanken zur Arbeitswelt des scheidenden Oberverwalters. Holger Schlierf hat sich stets als Teamer gesehen, der seine Mannschaft einbezieht und mitnimmt. Das ist ihm wohl auch gelungen. Denn am Rande der jüngsten Wahlen haben sich im Rathaus verschiedentlich Sorgenfalten auf Mitarbeiterstirnen geschlichen. Als schließlich feststand, dass ein Manager auf dem Chefsessel sitzen wird, sollen sogar vereinzelte Tränen geflossen sein.

Ups, wie gelingt denn jetzt der Schwenk zurück zum beliebten Amtsabgänger? Vielleicht so: War Holger Schlierf der Vorsteher einer eher gemütlich geprägten Kleinstadtverwaltung? Hat er die Dinge (bei allem Respekt vor seiner absolvierten Arbeitsleistung) manchmal zu sehr schleifen lassen? War gerade dies der Grund dafür, dass er auch intern beliebt ist?
Alles Fragen, die nur die Amtsleiter wirklich beantworten können. Und natürlich würden Thomas Dreier, Martin Hapke, Rita Nehling-Krüger, Jürgen Palberg oder Stefanie Werner unisono sagen: „Hier schleift gar nix – wir arbeiten unter Hochdruck!“ Und das bestimmt mit Recht.

Ein bisschen Rechtsanwalt

Der Ex-Bürgermeister ist keiner, der sich bedingungslos ausruhen wird. Schließlich isser ja auch kein alter Knacker. Vielleicht arbeitet er in den nächsten Jahren wieder in seinem erlernten Beruf, als Anwalt. Vielleicht nimmt ihn die Kanzlei Meyer, Venn & Partner als Senior-Kraft mit ins Team. Wer weiß das schon? Einer Sache könnten sich die Damen und Herren Justiziare jedenfalls sicher sein: Die feine, sympathische Ironie des Holger Schlierf kann gewinnen. Nicht nur Fälle, auch Herzen. Natürlich nicht im Fluge, dafür ist er einfach zu kauzig, dieser Typ.
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