Grunzende Jugendliche und Smombie-Mütter / Wie Knacki Deuser seinen Humor auf den Weg bringt

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Dass der Fotograf ihn auf der Bühne erwartet, passt Knacki Deuser überhaupt nicht. Ein recht schroffes "runter!" macht dem armen Kerl von der Presse, der doch nur seinen Job macht, sichtlich zu schaffen. Ein recht unangenehmer Einstieg in den Abend im Scala Kulturspielhaus.

Knapp zwei Stunden später sagt der Künstler "tut mir auch leid" und meint seinen Rüffel an den Pressemann. Doch da ist der Knipser schon lange weg. "Seltsames Verhalten" nennt Klaus-Jürgen Deuser seine humoristische Abrechnung mit der Humorlosigkeit. Der Programmtitel meint vieles: Nimm's locker, sei anders, trau dich, ungewöhnlich is' schöner! Dass er seine eigenen Postulate für einen Moment vergaß, hat das Publikum allerdings nach ein paar Minuten verdrängt.

PRODUZENT, COACH UND SPEAKER – WIE SIE ES SCHAFFEN, IHRE SICHTWEISE ZU ÄNDERN UND EINE KULTUR DER NEUGIERDE AUFZUBAUEN. So steht's in fetten Großbuchstaben auf Deusers Homepage. Dass er andere Sichtweisen hat und spitzbübisch zelebriert, kauft man dem 54-Jährigen recht bald ab.

Deutsch sein bedeutet, mit wenig Humor auskommen zu müssen. Eine Tatsache, gegen die uns Deuser anzukämpfen rät. Aber locker, sozusagen mit Marihuana-Rezept. Da könne man sich einiges von der Amis abkucken. (Er weiß es - seine Frau ist einer!)
Okay, Trump ist jetzt nicht wirklich witzig - das hat er mit anderen internationalen, blonden Politgrößen gemeinsam. Aber gerade deshalb soll und muss man über ihn lachen!

Auch Kommunikationsprobleme mit der Smombie-Jugend bringen den Kölner nicht aus dem Gleichgewicht. Zum Piepen, wie er die Grunzlaute der Teenager demonstriert, mittels derer die sich ihrer Umgebung mitteilen. Da ist seine 77-jährge Mutter schon ganz anders drauf, wenn sie mit Hilfe ihrer Freundin Google das Netz nach neuen Erfahrungen durchforstet.

Deuser plädiert für Humor als DIE Lebensmaxime. Natürlich darf man bei einer Beerdigung auf den Boden klopfen und in die Runde fragen: "Habt ihr das gehört?!" Das funktioniert nicht nur in Köln, obwohl dort schon wesentlich mehr geht als im Rest der Welt (zwinker)!

Am Ende bleibt ein durch und durch witziger Auftritt mit Politeinschlag und eingängiger Botschaft hängen: Bleibt kritisch, aber nehmt nicht immer alles so ernst. Seltsames Verhalten lohnt sich - vor allem in Deutschland.

Als Warmupper des Abends fungierte die gebürtige Kerpenerin Christiane Olivier. Mit derben Sprüchen und direkter Ansprache der Zuhörer bereitete sie den Boden für den Hauptact Deuser. Ein bisschen Kebekus, ein bisschen Ina Müller. Nett, derb, anzüglich - hier ein älteres Video ...

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Fotos oben: Günter Wormann
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Neithard Kuhrke aus Wesel | 21.03.2017 | 23:45  
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