„Ohne imkerliche Pflege keine Honigbiene“

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Der Bienenstand von Imker Manfred Fiedler.
 
Der Vorstand des Imkervereins Hamminkeln-Wesel vlnr: Manfred Fiedler, Stefan Findt, Friedhelm Bruns, Willi Scholten
Die Biene ist in den Fokus der Medien gerückt. Schaut man sich die Berichterstattung der letzten Zeit an, findet man immer wieder das Thema Bienensterben. So berichtete die Welt über das Bienensterben mit der Frage, wann unser Ökosystem endgültig kippe. Der Stern beschäftigte sich mit der Frage, warum so viele Bienenvölker sterben würden. Auf der Internetseite der Sendung Planet Wissen des ARD ist zu lesen, die Honigbiene sei in Gefahr. Was sagen unsere Imker dazu?

„Wir sehen das große Sterben bei Honigbienen nicht“, sagt Stefan Findt, der neue erste Vorsitzende des Imkervereins Hamminkeln-Wesel. „Ohne imkerliche Pflege gibt es keine Honigbiene“, das sei klar, „aber unser Verein zum Beispiel wächst stetig. Wir haben kein Problem mit Nachwuchs und immer mehr Bienenvölker.“ Aktuell hat der Verein 87 Mitglieder und knapp 380 völker. „Der Boom begann vor ungefähr zehn Jahren“, weiß Manfred Fiedler, der über Jahrzehnte den Vorsitz im Verein inne hatte und nun Schriftführer ist. „Nach 2011 hat sich die Zahl unserer Vereinsmitglieder verdoppelt. Und das ist regional so. Auch der Hünxer Verein zum Beispiel, ist in den letzten Jahren stark gewachsen.“ Gleiches gilt für den Imkerverein Bocholt.

Die Aufgabe eines Imkers ist es, seine Bienen zu unterstützen. Denn ohne Einwirken von außen, würden sie sterben. „Die meisten Völker gehen an der Folge der Varoa zugrunde“, meint Fiedler. Die Varoa-Milbe wurde in den 70er Jahren aus Asien nach Deutschland eingeschleppt und auch nach 40 Jahren können die heimischen Bienen sich dieser Milbe nicht eigenständig widersetzen. Die Varoa setzt sich auf die Biene, saugt ihr Blut und in die offene Wunde haben Viren eintritt. Die Folge ist der Tod der Biene. Imker müssen also gegen diese Milbe behandeln, um die Völker am Leben zu erhalten.

Viel diskutiert im Verein ist die Rolle der Landwirtschaft. „Man muss mit den Landwirten ins Gespräch kommen“, sagt Schatzmeister Friedhelm Bruns. „Wenn sie wissen, dass Bienenvölker in der Nähe aufgestellt sind, sind sie äußerst vorsichtig und spritzen abends, wenn die Bienen nicht mehr ausfliegen und im Stock sind. Denn sie haben ja einen Nutzen von unseren Bienen“, ist seine Erfahrung. Sein Imker-Kollege Willi Scholten, der zweite Vorsitzende, wendet ein, „dass die Bienen die Mittel am Morgen, wenn sie wieder fliegen, aufnehmen und in den Stock tragen.“ Findt sieht „weniger das Problem im Spritzen. Viel bedeutender ist die Monotonie der Flächen. Entweder wird nur Getreide angebaut oder Zuckerrüben. Es blüht fast nichts mehr.“ In Agrarlandschaften ohne Kräuter, Blühpflanzen und Hecken oder auf Maisfeldern finden Bienen keine Nahrung. Wiesen werden mehrmals im Jahr gemäht „und es gibt keinen Löwenzahn mehr. Früher waren unsere Deiche gelbe Wände“, erinnert sich Scholten. In den Städten sieht das anders aus. Deshalb ist der Honigertrag dort oft höher als auf dem Land.

Imker zu sein bedeutet nicht nur, Bienenstöcke aufzustellen und Honig zu ernten. Die Pflege der Bienen und das Wissen über die Natur sind essentiell für erfolgreiche Bienenzucht. Es geht nicht nur um den Ertrag. Es geht vielmehr um gesunde Bienenvölker und ihr Tun. Denn die Biene, die Pollen von Blüte zu Blüte weiterträgt, verantwortet die Bestäubung von über 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Nutz- und Wildpflanzen.
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2 Kommentare
Dirk Bohlen aus Wesel | 27.02.2018 | 14:01  
Lokalkompass Kreis Wesel aus Wesel | 27.02.2018 | 15:37  
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