Daumen drücken für Levina: Hattinger Jürgen Schwiese ist seit 50 Jahren ESC-Fan

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Das war eines der größten Abenteuer im Leben von Jürgen Schwiese: 2011 war er in Düsseldorf einer der 540 Freiwilligen, die hinter den Kulissen des Eurovision Song Contest mitwirkten.Foto: privat
 
Jürgen Schwiese freut sich schon auf die traditionelle ESC-Party heute bei ihm zu Hause mit vielen Freunden.

50 Jahre, das sind mehr als ein halbes Menschenalter. Mit elf Jahren hat jedenfalls Jürgen Schwiese, heute 61 Jahre jung, zum ersten Mal im Fernsehen den „Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne“ gesehen. Ob es daran lag, dass damals anno 1967 Sandie Shaw „Puppet On A String“ barfuß gesungen und damit auch noch am Ende gewonnen hat? Das weiß Jürgen Schwiese selbst nicht so genau. Fakt allerdings ist, dass er seit dem keine einzige Übertragung des Gesangswettbewerbs mehr verpasst hat, der inzwischen wegen der allgemeinen „Verenglischung“ umbenannt wurde in „Eurovision Song Contest“ (ESC).

Kein Wunder ist, dass Jürgen Schwiese so etwas wie ein Experte in Sachen ESC ist. Seit Jahren spricht er vor der Ausstrahlung im Fernsehen mit dem STADTSPIEGEL über seine Favoriten und erzählt über seine Party, die er mit gut einem Dutzend Freunden anlässlich der ESC-Übertragung Jahr für Jahr feiert.
Diesmal übrigens mit einem kleinen Wermutstropfen: „Die Frau meines Freundes in England, der genau wie wir den ESC feiert und mit dem wir dann immer gegenseitig unsere eigene Punktevergabe mit den kultigen Worten ,And these are the results of the German/English jury‘ einleiten, ist leider an Krebs erkrankt. Daher wissen wir noch nicht, ob die Schalte klappt. Da das für uns aber auf jeder ESC-Party immer das Highlight ist, hoffen wir natürlich sehr, dass es auch diesmal wieder dazu kommt.“
Wie auch immer: ESC-Experte Jürgen Schwiese findet es dieses Jahr schwer, echte Favoriten zu finden: „Für mich sind allerdings Schweden, Italien und Belgien ganz weit vorne. Aber es kann genauso gut sein, dass sie weit hinten landen.“
Nur über den Geheim-Tipp ist er sich mit anderen Experten einig: „Portugal. Für mich legte Salvador Sobral einen berührenden Auftritt hin. Mit dem jazzig angehauchten ,Amar Pelos Dois‘, das seine Schwester für ihn schrieb, schafft er es relativ schnell, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Und er steht ganz alleine auf der Bühne. Der Song lebt nur von seiner Stimme und seiner Präsenz. Es gibt kein Spektakel drumherum. Für mich geht Portugal damit um Jahre zurück und das überzeugt scheinbar nicht nur mich.“

Zweimal selbst live beim ESC-Finale dabei

Zweimal war Jürgen Schwiese bereits live bei einem ESC-Finale dabei und nach dem Sieg von Lena arbeitete er 2011 hinter den Kulissen als Freiwilliger („Volunteer“) mit, kam so in direkten Kontakt mit den internationalen Künstlern und deren Stab.
Denn auch deswegen schätzt er den ESC: „Für mich kommt dabei Europa zusammen – trotz des momentan so aktuellen Populismus. Ich finde, der ESC ist ein wichtiges Sinnbild dafür, dass Europa zusammen steht – unabhängig von Politik.“
Schade findet er es aus diesem Grund, dass Russland nicht in Kiew dabei ist. Das Nachrichten-Magazin „Focus“ schreibt dazu: „2015 war Julia Samoylova zu einem Auftritt auf der Krim über Russland eingereist. Seit der Annexion der Halbinsel durch Russland wird dies jedoch mit einer mehrjährigen Einreisesperre geahndet. Für Samoylova hätte die Ukraine keine Ausnahme gemacht.“
Jürgen Schwiese: „Also ist eingetreten, was eigentlich nicht hätte geschehen sollen: Der ESC ist politisch geworden. Das ist für mich sehr bedauerlich.“
Auch zum deutschen Beitrag hat sich Jürgen Schwiese natürlich so seine Gedanken gemacht: „Ich war beim Vorentscheid dabei, saß in der ersten Reihe. Da war eine super Stimmung im Publikum, das bei 15jährigen anfing und irgendwo bei 100 Jahren aufhörte. Die 25jährige Levina hatte uns alle von Anfang an gefangen. Für den ganzen Saal stand sofort fest, dass sie uns in Kiew mit dem Song ,Perfect Life‘ vertreten wird.“
Zur Platzierung von „Perfect Life“ meint der Hattinger: „Wir waren jetzt zweimal hintereinander Letzte im Wettbewerb. Eine genaue Platzierung kann ich nicht einschätzen. Aber ich bin mir sicher, wir landen nicht wieder ganz hinten. Außerdem gefällt mir persönlich der Song gut.“
Was Jürgen Schwiese am heutigen Samstagabend aber am wichtigsten ist: „Ich freue mich auf den Abend, wenn es bei mir um 20 Uhr los geht. Vor allem aber bin ich glücklich und zufrieden, dass meine beinahe kindliche Begeisterung für den ESC immer noch genauso da ist wie früher.“
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Brigitte Frohmut aus Hattingen | 12.05.2017 | 20:20  
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