Dirk Glaser und Claus Barteczko drehen im "Operndorf Afrika" von Christoph Schlingensief

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Im „Operndorf Afrika“ interviewt Dirk Glaser den Schulleiter Abdoulaya Ouedraogo, während Kameramann Claus Barteczko für guten Ton und Bild sorgt. Foto: privat
 
Kinder sind halt überall auf der Welt gleich neugierig, erfährt hier Claus Barteczko.
Hattingen: Kirchplatz |

Kennen Sie das „Land des aufrichtigen Menschen“? Vielleicht sagt Ihnen Burkina Faso ja mehr, das bis in die 80er Jahre hinein „Obervolta“ hieß. Ganz sicher aber kennen Sie den zu früh verstorbenen Künstler, Theater- und Filmemacher Christoph Schlingensief und seine Idee vom „Operndorf Afrika“. Seine Witwe Aino Laberenz führt das Kultur-Projekt weiter.

Was das mit Hattingen zu tun hat? Nun, zwei Hattinger, Dirk Glaser und Claus Barteczko, waren dieser Tage dort.
Die beiden haben in Burkina Faso für eine Initiative in Attendorn einen Film über das Operndorf Afrika gedreht. Am Thema des rund 20 Minuten langen Films ist mittlerweile auch der WDR interessiert, zu dem Dirk Glaser als langjähriger Rundfunk- und Fernsehjournalist und über 1.500 Mal in 14 Jahren TV-Moderator der „Lokalzeit Südwestfalen“ nach wie vor allerbeste Beziehungen hat. Und in Hattingen soll er auf jeden Fall ebenfalls gezeigt werden.
„Ich kenne Claus Barteczko als Kameramann und Filmemacher natürlich auch über sein Projekt Ruhrkanal-TV hinaus. Wir sind ja beide aus Hattingen“, sagt Dirk Glaser. „Daher habe ich ihn angesprochen, ob er mich begleiten wolle, und er hat sofort Ja gesagt.“
Unzählige Impfungen später ging es für die beiden Hattinger und ihre Ausrüstung nach Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Erde. Erst Ende vergangenen Jahres hatte es in dem Staat im Innern Westafrikas einen Putsch gegeben, bei dem 37 Menschen ums Leben kamen. Neuwahlen sind für Oktober 2015 anberaumt. Obwohl das Land laut Botschaft als nicht unbedingt sicher gilt, ist den beiden Hattingern nichts geschehen.

"Bildung als Schlüssel für die Zukunft"

Ziel der Reise von Dirk Glaser und Kameramann Claus Barteczko war das Operndorf Afrika, wo sie Aino Laberenz trafen und sie sprechen konnten.
„Ein faszinierendes Projekt ist das Operndorf“, beschreibt Dirk Glaser, „das eigentlich wenig mit Oper zu tun hat. Vielmehr geht es um Bildung als Schlüssel für die Zukunft. Daher ist eine Schule quasi das Zentrum mit zurzeit noch vier Klassen. Aber zwei weitere sollen kurzfristig dazu kommen.“
Geradezu faszinierend für die beiden Hattinger: „Es hat uns regelrecht umgehauen, mit wieviel Eifer die Kinder lernen“, erzählt Claus Barteczko, der nicht leugnet, dass ihm dort das ein oder andere Mal aus Ergriffenheit die Tränen in den Augen standen.
Die Schule hat momentan 200 Schüler, davon die Hälfte Mädchen. Alle wissen dort um ihre Bildungschance, denn sie wurden von den umliegenden Dorfgemeinschaften für den Schulbesuch ausgewählt. Und die Schule selbst wird bei der Unesco inzwischen als eine der besten der Welt geführt, wissen die beiden Hattinger Filmemacher aus ihrer Recherche.
Gelehrt wird dort die Amtssprache Französisch als Relikt der Kolonialzeit und Mòoré, die Sprache der größten Volksgruppe Mossi. Neben den auch bei uns bekannten Schulfächern stehen zudem Theater, Musik und Malerei auf dem Stundenplan.

Was können wir von Afrika lernen?

Dirk Glaser: „Das liegt am Konzept des Operndorfes. Es soll ein Ort sein, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft sich kreativ und künstlerisch verwirklichen und sich miteinander über die Kreativität austauschen können. Und genau dieser Austausch erfolgte bislang immer einseitig nach Afrika hinein. Schlingensief jedoch stellte die Frage, was wir von Afrika lernen können. Die Basis für solch einen künstlerischen Austausch bildet das Operndorf. Und es gibt in Burkina Faso eine rege Kunst-Szene, die das Operndorf noch fördert.“
Als Symbol dafür hatten die Hattinger gemalte Bilder von hiesigen Schülern mit nach Burkina Faso genommen und erhielten im Gegenzug durch den dortigen Schulleiter Abdoulaya Ouedraogo ebenfalls Bilder von jungen Burkinern zum Mitnehmen nach Deutschland.
Um das Leben der Schüler im Film anschaulich und besser begreifbar zu machen, begleiteten Dirk Glaser und Claus Barteczko eines der Schulmädchen, Samira Tou Bouda, von morgens bis abends. „Um schon in der Frühe bei ihr zu Hause und vor der Schule filmen zu können, musste ich um drei Uhr von unserem Hotel in der 30 Kilometer vom Operndorf entfernten Hauptstadt Ouagadougou los“, schmunzelt Claus Barteczko rückblickend.

Samira Tou Bouda ist der "Star" der Dokumentation

Er hat das Mädchen mit ihren Eltern und Geschwistern gefilmt, beim vor dem Frühstück noch schnell ins Schulbuch gucken und letztlich bei ihrem langen Schulweg per kleinem Fahrrad durch die teilweise öde Landschaft und im Unterricht und in der Freizeit.
Mit vielen Eindrücken kehrten die beiden Hattinger Filmemacher aus Afrika zurück, werden den Trubel auf den Straße nicht nur der Hauptstadt, wo sich praktisch das ganze Leben abspielt, genauso wenig vergessen wie die große Hitze und plötzliche „Sturmregen“, die Straßenläden, in denen Benzin in Literflaschen verkauft wird, und den Geruch nach Plastik, der die gesamte Hauptstadt Ouagadougou einhüllt, an nächtliche Fahrten mit dem Taxi, an dem im Stockdusteren nur zwei Birnen der Warnblinkanlage funktionierten, an Pizza und Hühnchen, an die besondere Gastfreundschaft.
Und an die körperliche Erschöpfung nach ihrer Rückkehr: Während Dirk Glaser „nur“ unter einer starken Erkältung litt, hatte Claus Barteczko zwei Tage mit Schüttelfrost zu kämpfen...
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