Feierabend

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Feierabend

Das Stakkato ihrer Absätze hämmert die Straße entlang. Ines hastet durch den Regen, der den Asphalt glänzen lässt. Sie nimmt einen Seitenweg und rennt über den Hinterhof. Erst als sie die Eingangstüre zu ihrer Wohnung hinter sich verschlossen hat, atmet sie durch.

Sie wirft die nassen Pumps in die Ecke und drückt behutsam den Griff der Zimmertür hinunter, unter der ein schwacher Lichtschein in den Flur kriecht. Nur mühsam gelingt es ihr, nicht mehr zu keuchen und ihr Atmen findet in seinen normalen Rhythmus. Ein Schlummerlicht taucht das Zimmer in warme Gemütlichkeit. Ines beugt sich über das Bettchen mit dem rosa Baldachin und zieht die Decke über den kleinen Körper, legt den Teddy in den schlaffen Arm. Dann küsst sie das Kind auf die Stirn, wünscht ihm, dass das Sandmännchen schöne Träume bringt. Im Halbschlaf schlingen sich die Arme des Mädchens um ihren Hals und Ines atmet Liebe. Als die Kleine loslässt, zieht Ines sich zurück. Sie öffnet den Reißverschluss des kurzen Rocks und lässt ihn zu Boden gleiten. Das glänzende, knappe Oberteil mit dem zu großen Ausschnitt zieht sie über den Kopf und wirft es auf den Sessel. Vor dem Spiegel im Bad reinigt sie ihr Gesicht vom grellen Make-up, das ihr als Seelenversteck dient. Nachdem sie lange heiß geduscht hat, tritt sie noch einmal an das Kinderbett und leise sagt sie: „Sieht du, es ist wieder alles gut gegangen. Und morgen besuchen wir Papa und pflanzen ihm ein Rosenstöckchen.“

@Monika Thaler – Juli 2012
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Franka Dicke aus Hattingen | 16.03.2013 | 22:08  
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