Gerhard Gröner: Der Künstler zieht um

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Gerhard Gröner mit einem Kunstobjekt in seinem Garten. Foto: Pielorz

Erinnern Sie sich noch an Gerhard Gröner? Der Wahlsprockhöveler ist ein beliebter Künstler, Autor und Initiator der Reihe „Denkanstöße“ – Kunst spendet der Krebshilfe Sprockhövel/Hattingen. Nach 26 Jahren in der Zwiebelturmstadt ist nun Schluss. Gröner zieht mit seiner Familie in den Luftkurort Wissen zwischen Köln und Siegen. Kurz vor Ostern ist es soweit. „Wir legen uns ein Osterei“, sagt er lächelnd.

Südlage am Hang – eigentlich ist das für den Hobbywinzer eher dem Wein zuzuordnen. Jetzt steht die Bezeichnung auch für das neue Zuhause von Gerhard Gröner, welches gerade im Werden ist. Das neue Heim liegt im kleinen Ort Wissen. Gefunden hat er seinen „Alterswohnsitz“ im Internet und Gerhard Gröner wäre nicht er selbst, wenn er nicht sofort Kontakt zu den Machern der dortigen Kultur aufgenommen hätte. In einem ehemaligen Walzwerk gibt es eine Veranstaltungshalle, die regelmäßig mit Kultur gefüllt wird. Im Mai hat Gerhard Gröner jedenfalls schon einen Tag des offenen Ateliers in der Planung. Denn ein großes Atelier, Südseite, wird Herzstück des neuen Hauses werden.
Gerhard Gröner ist gebürtiger Schwabe. Nach einem Kurzaufenthalt in Wuppertal zog es ihn und seine Frau vor 26 Jahren nach Sprockhövel. 1994 hatte er in der Galerie Wieland in der Eickerstraße seine erste Ausstellung, 1995 die erste Autorenlesung bei der Kunst- und Kulturinitiative Sprockhövel. „Schon als 15jähriger hatte ich viel Fantasie und spielte damals bereits Posaune und Tuba. Über die Musik und die beruflich angewandte Farbenlehre kam ich zur Malerei. Und wer einen Baum malt, der kann ihn wohl auch beschreiben. So war der weitere Weg zum Schreiben vorgegeben“, resümiert Gröner beim Blättern in abgehefteten Artikeln über seine Arbeit.
In Wuppertal hat er mit Untersuchungshäftlingen künstlerisch gearbeitet, in Sprockhövel war es die Krebshilfe, die sein Interesse weckte. Er rief die Kunstreihe „Denkanstöße“ ins Leben, suchte Künstler, die ihre Bilder ausstellten und deren Teilerlös dem gemeinnützigen Verein zur Verfügung gestellt wurde. Sein erstes Buch „Salz in der Lebenssuppe“ entstand noch in Süddeutschland und ist längst vergriffen. Von seinem zweiten Werk „Grüß Gott Wuppertal“ gibt es nur noch wenige Exemplare, sein drittes Werk „Sprockhöveler Geschichten“ beschäftigte sich mit den Menschen vor Ort. Und 2014 legte er seinen ersten historischen Roman „Rotes Donaumoos“ auf 600 Seiten vor. Daneben schrieb er für viele Zeitschriften.

Engagierter Künstler mit vielen Ideen

Dazwischen immer wieder Bilder und Objekte. Die „Dreieck-Phase“ habe lange gedauert, resümiert er selbst. Dreiecke in unterschiedlichen Farben und immer wieder neu interpretiert. Gegenständliches und Abstraktes, die sogenannte informelle Kunst, wechselten ab. Zur Zeit sind Meeresbilder in Arbeit.
Berühmt geworden ist Gröner auch durch den Zyklus „Sprockhöveler Erden.“ Die Terracollagen auf Leinwand entstanden 2014 und bestehen aus verschiedenen farbigen Gesteinsschichten, die alle in Sprockhövel gefunden wurden. Verschiedene Erden, auch Kohle, wurden zu Bildern zusammengestellt.
„Sprockhövel und die Kunst ist keine leichte Beziehung. Selbstverständlich gibt es viele kunstinteressierte Menschen, aber der Schwerpunkt liegt doch auf dem Gegenständlichen. Die informelle Kunst, das Abstrakte, das vom Betrachter entdeckt und erfahren werden will, hat es hier schwerer.“ Gröner ist im Gegenständlichen und im Abstrakten zuhause. Und das soll auch so bleiben.
Viele Freunde hat er hier gefunden und die will er auch weiter besuchen. So weit ist der Weg von Wissen in das Ruhrgebiet und in die Zwiebelturmstadt nicht. „Wir mögen die Menschen hier, haben hier gern gelebt und wären vielleicht auch geblieben. Aber wie das so geht im Leben, manchmal ergibt es sich anders und jetzt planen wir nochmal neu.“
Zurück lässt Gröner allerdings auch wertvolle Ideen, beispielsweise zur Kunst auf der alten Bahntrasse oder die angestoßene Erinnerungswerkstatt mit Zeitzeugen aus der Zeit vor, während und nach dem Krieg, aus der ein Buch entstehen sollte. Auch die „Denkanstöße“ für die Krebshilfe wird es nicht mehr geben. „Vielleicht finden sich Menschen, die diese Ideen aufgreifen und selbst weiterentwickeln. Wir wollen jetzt noch einmal etwas Neues machen. Na ja, und etwas über die Stadtverwaltung geärgert haben wir uns auch“, lässt er durchblicken.
Sein Fazit fällt aber insgesamt sehr positiv aus: „Es war schön, hier zu leben. Und sicher werde ich die ein oder andere Veranstaltung auch in Zukunft gern besuchen. Oder die Sprockhöveler verfolgen meine Arbeiten an einem neuen Ort.“
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