„Lyriklieder“: Lyrik mit Musik

Anzeige
Uli West (links) und seine Mit-Musiker Walter Höhler-Bartel (Gitarre) und Stephan Grzesiak (Gesang) sind „C.A.P.“. Jetzt haben sie eine CD mit „Lyrikliedern“ veröffentlicht. Foto: privat
 
Das Cover der CD, die ein Booklet mit allen Gedichten enthält. Allein das ist schon lesenswert!
Hattingen: Emschestraße |

Jetzt mal tief in die Kiste mit den Phrasen gegriffen: Was lange währt, wird endlich gut. Stimmt oft und bei den „Lyrikliedern“ des Hattinger Diplom-Psychologen und Musikers Uli West erst recht.

„Lyriklieder“ ist seine erste CD und so manche musikalische Idee darauf ist bereits 30 Jahre alt, wie er lächelnd einräumt. Die Texte, sprich Lyrik sogar noch älter. Viel älter sogar.
„Ich bin nun mal kein Texter“, sagt der 52jährige, den viele von der Band „Herr Meier“ her kennen. Da besann er sich seiner neben der Musik anderen Leidenschaft: „Ich mag Gedichte.“
Zusammengeführt hat er seine musikalischen Ideen und Gedichte erstmals vor fünf Jahren mit Sängerin Karin Velinova. Die ist auch auf einigen Stücken nach wie vor im Hintergrund zu hören. Doch führten beide das Projekt nicht zu Ende.
Aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde es erst wieder vor gut einem Jahr. Uli West: „Da fand ich auf meinem PC die Musik und die Gedichte wieder und habe weiter gemacht.“

Weniger Texter denn Musiker

Manchmal stand der Text durch ein Gedicht zuerst, manchmal gab es erst eine Melodie, zu der Uli West dann das passende Gedicht suchte. Da jedoch Gedichte im Unterschied zu den meisten Liedern über keinen Refrain verfügen, musste beides sozusagen „angepasst“ werden, wie er aus dem Nähkästchen plaudert: „Refrains habe ich manchmal künstlich geschaffen, indem ich Strophen wie Refrains wiederholt habe. Bei Brechts ,Lied von der Moldau‘ habe ich die ersten beiden Zeilen verdoppeln müssen, damit das Blues-Schema darauf passte.“
Wenn der Name Berthold Brecht fällt, dann wird schon klar, dass Uli West bei der Auswahl der lyrischen Texte auf deren Gehalt wert gelegt hat. So stammen weitere „Song-Texte“ von Gottfried Keller, Erich Kästner, Friedrich Nietzsche, Wolfgang Borchert, Hugo Wolf, Kurt Tucholsky, Johann Wolfgang von Goethe und Novalis.
14 Lieder sind so entstanden, die er mit Gastmusikern und Freunden im Kellerstudio eingespielt hat. „C.A.P.“ nennen sie sich auf der CD nach dem Geburtsnamen von Uli Wests Frau Martina, mit der er in Wattenscheid zu Hause ist. Es soll ein Dankeschön sein dafür, dass er wochen-, nein monatelang nach der Arbeit im Kellerstudio verschwunden ist.
„Für mich ist die CD und Musik überhaupt ein guter Ausgleich zur Arbeit“, verrät Uli West. „Den Spaß daran, den merkt man auch auf der CD. Und Musik hat mir auch durch Krisenzeiten, die jeder irgendwann einmal durchlebt, geholfen – wie eine Therapie. Daher habe ich immer Musik im Blick und diesmal mit Texten, die meine Liebe zur Lyrik widerspiegeln.“

Spagat zwischen Klassik, Blues und Rock‘n‘Roll

Aus Wattenscheid stammen auch die beiden anderen maßgeblichen Musiker des Projektes. Während Uli West selbst Klavier und Fagott spielte, steuerte Walter Höhler-Bartel die Gitarrensounds und Stephan Grzesiak den Gesang bei. Zu hören sind außerdem Annabelle Bartel an der Harfe sowie der Fagott-Lehrer an der städtischen Musikschule Hattingen, Fabrice Fortré.
Die „Lyriklieder“ kommen gut an. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie nicht nur bei den Gedichten unterschiedliche Epochen aufgreifen, sondern auch die Stile der Musik variieren. Uli West nennt sie einen Spagat zwischen der klassischen Musik, die er studiert hat, über Blues und Rock‘n‘Roll bis hin zu harten Gitarren-Riffs. So ist die erste CD-Auflage schon vergriffen, die zweite in Arbeit – und das ist ganz ohne „Live-Werbung“ durch Auftritte mehr als nur beachtlich.
Aber das soll sich ändern. Spätestens im September will „C.A.P.“ auch live auftreten, dann verstärkt durch einen Bass – Bass auf der CD spielte Uli West auf dem Keyboard – und einen Schlagzeuger.
Bis dahin bleibt die CD, die bei jedem Anhören immer besser wird. Und wer die dankenswerterweise dazu im Booklet abgedruckten Gedichte nachliest, wird feststellen, dass viele davon nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben – gerade im Hinblick auf die jüngsten Vorkommnisse vor einem Dortmunder Flüchtlingsheim. Beispielsweise „Die andere Möglichkeit“ von Erich Kästner. In der ersten Strophe heißt es: „Wenn wir den Krieg gewonnen hätten, mit Wogenprall und Sturmgebraus, dann wäre Deutschland nicht zu retten und gliche einem Irrenhaus.“
Die Schlussverse des neunstrophigen Gedichts lauten so: „Dann läge die Vernunft in Ketten und stünde stündlich vor Gericht. Und Kriege gäb‘s wie Operetten, wenn wir den Krieg gewonnen hätten – zum Glück gewannen wir ihn nicht!“
4
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
177
Dieter Zawodniak aus Wattenscheid | 22.02.2015 | 12:37  
Roland Römer aus Hattingen | 23.02.2015 | 12:14  
177
Dieter Zawodniak aus Wattenscheid | 24.02.2015 | 21:14  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.