Märchenzeit: Der wahnsinnige Trollkönig

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  Es war einmal ein fernes Land, in dem ein großer Wald am Rande eines tiefen Sees lag. In diesem Wald lebten Feen, Elfen, Zwerge und Waldläufer ein friedliches Leben miteinander und sie achteten, jeder auf seine Weise, die Gesetze der Mutter Natur, indem sie dem Wald nur das nahmen, was er ihnen freiwillig überließ.

Die Feen benötigten nicht viel. Ihnen genügten Nektar und Morgentau und ihre kleinen Körper waren fast nicht zu erkennen, wenn sie mit Libellen und Schmetterlingen um die Wette flogen.

Die edlen Elfen wohnten in den hohen Baumwipfeln und ihre Lebensweise war so sacht und vorsichtig, dass die wenigen Menschen, die hin und wieder durch den Wald liefen, nichts von ihrer Anwesenheit bemerkten.

Das leise Hämmern der Zwerge, die sich durch die hügeligen Waldflächen ein unterirdisches Labyrinth erbaut hatten, verschmolz mit dem Singen der Vögel und dem Wispern der raschelnden Blätter, denn sie hatten geschworen, so tief zu graben, dass das Waldleben nicht gestört wurde.

Auch die Waldläufer waren der Mutter Natur verbunden und sie töteten nur die Tiere, deren Schicksal bereits den Tod erahnen ließ. Sie waren die Hüter des Waldes und achteten darauf, dass dieser nicht zu Schaden kam.

In dem Wald war es so lange friedlich zugegangen, dass keiner seiner Bewohner ahnen konnte, welches Unglück an einem dunklen Novembertag mit lautem Getöse und Geschrei auf den Wald zutrieb.

Ein böser Trollkönig hatte sich mit seinem Gefolge auf den Weg gemacht, um sich im Kampf mit anderen Königen zu messen und seinen Ruhm als grausamer Herrscher zu erhöhen. In seinem Gefolge waren nicht nur die hässlichen und boshaften Trolle, sondern auch einige Hexen und abtrünnige Zwerge, die nicht mehr in den Bergen arbeiten wollten. Zusammen mit den grausamen Trollen und den boshaften Hexen suchten sie die Dörfer der Menschen heim. Sie raubten deren Hab und Gut, verwüsteten die Orte und manchmal raubten sie auch die armen Kinder, von denen nie wieder etwas gehört wurde.

Der alte Wald erschauerte angesichts dieser Schreckgestalten und zeigte seinen Unwillen, indem die Bäume sich schüttelten und ihre Äste durch die Luft peitschten. Ein Sturm mit Regen, Blitz und Donner fuhr durch den Wald und die kleinen Bäche wurden zu reißenden Flüssen.
Doch all dies vermochte die elenden Gesellen nicht aufzuhalten.

Der böse Trollkönig ließ ein Lager aufschlagen und so kam es, dass eine neue Zeit anbrach in dem friedlichen Wald und das Lachen der Elfen und der freudige Gesang der Zwerge verstummte.

Nun hörten die Tiere des Waldes das Kreischen der Hexen und das Gröhlen der Trolle. Tag und Nacht loderten die Feuer und der Gestank von toten Tieren und verdorbenen Kadavern zog durch den ehemals friedlichen Wald.

Die Elfen und viele Zwerge verließen den Wald, denn mit Trollen zu kämpfen, war nicht ihre Art. Die wenigen Zwerge, die blieben, dienten nun den Trollen und ihre Seelen waren verloren und wurden so schwarz wie die Klauen der boshaften Hexen.

Das Feenvolk starb fast aus, denn die kleinen Wesen waren nicht flink genug, um den Hexen zu entkommen, die sich einen Spaß daraus machten, die freundlichen Wesen mit großen Netzen zu fangen, um ihnen die Flügel auszureißen. Einige wenige entkamen und versteckten sich in den Wildrosen, die selbst den Hexen zu dornig waren, aber den kleinen Elfen nichts anhaben konnten.

Die Waldläufer kämpften einen aussichtslosen Kampf gegen die furchtbaren Trolle und viele tapfere Männer und Frauen ließen ihr Leben.

Ausgerissene Bäume und verbrannte Erde, stinkende Bäche und verdorbene Kadaver lagen in dem einstmals schönen Wald verstreut.

Mutter Natur sah, was mit ihrem Kleinod geschah und beschloss gegen den Willen der Alten zu handeln. Die Alten hatten vor langer Zeit beschlossen, dass Mutter Natur nicht eingreifen solle, um das Gleichgewicht der Kräfte zwischen Gut und Böse nicht zu stören.

Doch diesem Treiben wollte sie nun nicht länger zusehen und so schickte sie zwei ihrer Kinder in Menschengestalt in den Wald.

Die wenigen verbliebenen Tiere versteckten sich und sahen zu, wie die Kinder geradewegs den Trollen in die Arme liefen. Diese hatten einen Riesenspaß und überlegten, was sie den Kindern antun könnten. Der böse Trollkönig konnte die Hexen nur mit Gewalt davon abhalten, die Kinder sogleich zu quälen und sie versuchten schon, ihnen wenigstens einige Haare auszureißen.
Nein, diesen Spaß wollte der Trollkönig, der auf den Namen Schreckenstein hörte, für sich ganz allein. Da er nicht nur böse, sondern auch faul und träge war, wollte er erst eine Weile ausruhen, bevor er sich an den Kindern ausließ. Also sperrte er diese in einen Käfig, um sie vor der blutrünstigen Meute zu schützen und am Weglaufen zu hindern.

Als der Trollkönig sich zum Ruhen niederlegen wollte, ertönte eine zauberhafte Melodie, die alle lebenden Wesen sofort in ihren Bann zog. Niemals waren solche Töne auf der Erde gehört worden.
Die Kinder sangen ein Lied in einer längst vergessenen Sprache und aus einer vor langer Zeit untergegangenen Welt.

Der Trollkönig schrie und wütete, er ertrug die wunderschönen und zarten Töne nicht. Sich auf den Boden werfend, war er bald nicht mehr als ein klagender und und um sich schlagender Koloss ohne Verstand.
Auch den Hexen und dem übrigen Gefolge wurde der Gesang unerträglich. Sie hielten sich die Ohren zu, um den Tönen zu entkommen. All das zeigte keine Wirkung, da die Melodie in ihre Köpfe eingedrungen war und sich ihren Weg zu ihren steinharten Herzen bahnte.

Sie alle wurden wahnsinnig, töteten sich gegenseitig oder irrten schreiend durch den Wald und ertranken oder stürzten zu Tode.
Die Erde öffnete sich und die Körper der bösen Wesen verschwanden in den dunklen Tiefen einer Welt, die nicht für Menschenaugen gedacht war.

Die beiden Kinder warteten und endlich sahen sie ihre Mutter, die ihre Kinder mit den Namen Liebe und Vernunft geschickt hatte, um den Wald von den finsteren Wesen zu befreien.

Das Lied aber fingen die Elfen ein, welche angelockt durch die vertrauten Töne einer guten Melodie den Wald wieder betreten konnten. Noch heute können gute und vernünftige Menschen etwas von dieser Melodie hören, wenn sie durch den Wald gehen und ihre Sinne und Herzen öffnen.

Die Alten aber waren erbost und ließen die Erde fallen. Nun sind die Menschen allein verantwortlich für ihr Tun zwischen Gut und Böse.


© Martina Janßen
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6 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 04.11.2015 | 21:36  
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Martina Janßen aus Hattingen | 04.11.2015 | 22:47  
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Martina Janßen aus Hattingen | 08.11.2015 | 19:21  
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Dieter Oelmann aus Wattenscheid | 10.11.2015 | 12:16  
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Dieter Oelmann aus Wattenscheid | 10.11.2015 | 12:29  
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Martina Janßen aus Hattingen | 10.11.2015 | 16:33  
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