"Mein Großvater war Missionar am Rande der Wüste Namib"

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Hellmut Lemmer (67) war Studienrat. Seit fünfzehn Jahren hat er immer mal wieder an einem Roman zu seiner Familiengeschichte „gebastelt“. Nun ist das Werk des Hattingers vollendet. Es heißt „Der Sand der Namib“ und berichtet von seinem Großvater, der Missionar in der ehemaligen deutschen Kolonie Südwestafrika war.

Karl Skär hat er geheißen und ist 1950 in Deutschland verstorben. Da war sein Enkel Hellmut Lemmer drei Jahre alt.
Karl Skär hat bei der Rheinischen Mission gearbeitet und wurde nach seiner Ausbildung zum Missionar nach Südwestafrika geschickt. Dort lebte er zunächst im Norden des Landes und sollte die Ovambos missionieren. Als 1908 im Süden des Landes Diamanten gefunden wurden und der Boom nach diesen Steinen einsetzte, brauchte man die Ovambos als Arbeiter für die Diamantenmienen. Karl Skär und seine Familie zogen mit ihnen in den Süden.
„Vieles in dem Buch entspricht den Tatsachen, aber manchmal habe ich mir auch etwas ausgedacht“, so Hellmut Lemmer. „Zum Beispiel hieß der älteste Sohn auch Karl und mein Großvater war zweimal verheiratet, weil seine erste Frau gestorben war. Beide Frauen hießen aber Wilhelmine. Im Buch ist das nicht so, denn das würde der Leser nicht verstehen. Jetzt sagen aber Verwandte, die das Buch gelesen haben, zu mir, es stimme so nicht, wie ich es geschrieben habe. Na ja, es muss nicht alles stimmen, aber es muss stimmig sein.“

Missionar bei den Ovambos

Hellmut Lemmer berichtet, das Leben seines Großvaters habe ihn interessiert. „Meine Mutter kam mit zwei ihrer Schwestern im Alter von zehn Jahren mit dem Schiff nach Deutschland. Sie haben dann hier ein Internat besucht und sie hat Afrika nie wieder gesehen. Das war für die Kinder normal. Sie verließen früh ihr Elternhaus, weil sie dort in der Wüste ja keine Bildung empfangen konnten. Es gab eine Art Grundschule, mehr nicht. Mein Großvater hat immer die Liebe Christi gepredigt, aber seine eigene Familie wurde auseinander gerissen. Das muss sehr schwer gewesen sein“. Dreißig Jahre lebte sein Großvater in Afrika. „Er war sechzig Jahre alt, als die Mission ihn nach Deutschland zurückholte. Das war 1931. Er dachte, er wäre auf Heimaturlaub und erfuhr erst hier, dass er nicht mehr zurück sollte, sondern seine Arbeit zukünftig in Deutschland zu verrichten hatte.
Für den Missionar ein schwerer Schock. Nur das Wörterbuch der Ovambo-Sprache und das Foto vom Affenbrotbaum hat er mitgenommen, alles andere in Südwestafrika gelassen. Doch er fügt sich.Wenn er aber gewusst hätte, dass er nicht zurückkommt, so hätte er das Schiff nach Deutschland niemals bestiegen...
So endet das Buch, eine Mischung aus persönlichen Erlebnissen, Mission und Kolonialisierung.
Am Montag, 27. Oktober, 15 Uhr, liest Hellmut Lemmer aus dem Werk bei „Kick“ in der Augustastraße.

Hellmut Lemmer, Der Sand der Namib, Brockmeyer-Verlag, ISBN 978-3-8196-0965-7.
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