Schulstory-Wettbewerb:Schmetterlinge im Bauch

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Es fühlte sich merkwürdig an, eine fremde Zunge in ihrem Mund zu haben und sie wusste nicht genau, was sie nun machen sollte. Also tat sie das, was er auch machte und es schien eine Art Zungentanz zu werden. Lustig.
Aber es war nicht nur ihr Mund, nein auch ihr Bauch war von diesem ersten Kuss betroffen, denn Hunderte von Schmetterlingen schienen in ihm zu sein und kitzelten und schlugen mit ihren Flügeln und dieses Gefühl mochte sie schon.

"Gehst Du mit mir", fragte er ein wenig schüchtern und wischte sich verlegen lächelnd mit dem Handtuch über sein nasses Gesicht.

Jetzt saß sie in Mathe und schaute betont interessiert Herrn Fuchs an, wobei sie nicht die Spur einer Ahnung hatte, was er da gerade mit der Klasse besprach.

Sie musste nur noch diese Stunde überstehen und dann könnte sie nach
Hause, ihre Badesachen packen und mit dem Fahrrad zum alten Baggersee fahren, um die Schmetterlinge in ihrem Bauch zum Flattern zu bringen.

Wenn nur Karsten endlich aufhören würde, ihr in den Nacken zu starren. Sie wusste, dass er das machte, denn ihr Etui spiegelte sein starres und auf ihren Rücken fixierte Gesicht. Gestern hatte sie ihm gesagt, dass sie ihn ganz nett fände, aber eben auch nicht mehr. Seitdem hatte er kein Wort mehr mit ihr gesprochen und er war auch sonst ziemlich ruhig.
Das war allerdings ganz prima, denn Karsten verschonte nun sie und alle anderen mit seinem aufgeblasenen Gequatsche und allein das ließ sie das Starren erträglicher finden.

Er war ganz anders! Süß und verlegen, aber trotzdem ein klasse Typ. Auch wenn sie erst 13 Jahre alt war, wusste sie ganz genau, was sie nicht wollte!
Sie wollte keinen Freund haben, der wie Karsten immer auf anderen herumhacken musste. Das gefiel ihr nicht und sie fand es jämmerlich. Nein, damit konnte ihr niemand imponieren und sie würde erst am Abend mit Jana telefonieren können, um zu erzählen, wie verliebt sie war.
Jana, ihre liebste Freundin wohnte nun in München und es war so traurig, dass sie heimlich hin und wieder deshalb weinen musste.

Gut, er war älter als sie, aber das war doch nicht wichtig. Sie wusste, er würde das nicht ausnutzen, denn er hatte sie doch unheimlich lieb. Das hatte er gestern immer und immer wieder gesagt und deshalb konnte sie es kaum aushalten, bis nun endlich die Stunde zu Ende war.

Vor der Tür lief sie Karsten in die Arme. Er guckte sie traurig an und sagte, dass er ihr nicht böse sei, nur traurig. Das verwirrte sie für einen Moment, denn so kannte sie ihn nicht. Aber es war zu spät, denn sie hatte eine Verabredung und sie wollte pünktlich sein.

Beim alten Baggersee musste sie eine zeitlang suchen, aber dann fand sie ihn endlich. Er saß ziemlich weit entfernt vom See, winkte sie freundlich heran und sah mit der Sonnenbrille ein wenig fremd aus.

Nach einer halben Stunde und kurz bevor sich seine Hand in ihr Höschen schob, ertönte eine herrische Stimme: " Schluss damit Freundchen" und er wurde von ihr herunter gerissen. Sie sah in die Gesichter von Karsten und zwei fremden Männern.

" Herr Fuchs", sagte einer der Polizeibeamten, "wir nehmen Sie mit aufs Revier."

Den Rest bekam sie nicht mehr mit. Wie in einem bösen Traum stand sie neben sich und beobachtete die beiden Beamten, die sie mitnahmen, zu ihren Eltern brachten, erklärten, was vorgefallen war und besprachen, was nun zu tun sei.
Alle guckten sie mitleidig an und nun wollten sie auch wissen, ob sie erzählen könne, was am Baggersee geschehen war.

" Aber er hat doch gesagt, dass er mich unheimlich lieb hat", war alles, was sie aus ihr heraus bekamen, denn wie sollte sie ihnen die Sache mit den Schmetterlingen erklären?
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4 Kommentare
5.020
Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 02.11.2015 | 15:24  
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Martina Janßen aus Hattingen | 02.11.2015 | 21:44  
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Martina Janßen aus Hattingen | 03.11.2015 | 15:45  
1.575
Martina Janßen aus Hattingen | 03.11.2015 | 16:23  
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