TheaterTotal: Shakespeare im Schulzentrum

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Der Hattinger Finn Brüggemann hat bei TheaterTotal mitgemacht. Hier steht er mitten in den Kostümen. Foto: Pielorz
 
Eine Szene aus dem Stück, aufgenommen bei den Proben. Foto: TheaterTotal
Hattingen: Schulzentrum Holthausen |

TheaterTotal ist ein junges Theaterprojekt aus Bochum. Mehrere Monate kommen junge Menschen zusammen, um auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu lernen und ihre Erfahrungen zu machen. Dabei wird nicht jeder von ihnen Schauspieler, das wollen sie auch gar nicht. Sie nutzen das Theaterprojekt, um einige Monate in Rollen zu schlüpfen und Dinge zu lernen, die sie eigentlich überall brauchen können: Organisation, Selbstbewusstsein, Bühnentechniken, Gesang, Schauspiel, Gemeinschaft, Teamfähigkeit und vieles mehr. Gemeinsam erarbeiten sie sich ein Theaterstück und führen dieses auf und sie organisieren sich eine Tournee. In diesem Jahr war es "Das Wintermärchen" von William Shakespeare. Unter den Teilnehmern waren auch Hattinger. Einer von ihnen, Finn Brüggemann, stand uns während der Proben Rede und Antwort. Jetzt kam es an seiner alten Wirkungsstätte, der Aula des Gymnasiums Holthausen, zur Aufführung.

"Wir haben uns für dieses Stück von Shakespeare entschieden, weil es die beiden Elemente Komödie und Tragödie in sich vereint", so Finn Brüggemann bei der Begrüßung. Rund 25 Teilnehmer des Projektes standen auf der Bühne, aber viele helfende Hände gab es natürlich auch hinter den Kulissen.
Das Stück selbst ist inhaltlich ein Klassiker: Zwei königliche Jugendfreunde in den Hauptrollen. Der eine will wieder in seine Heimat reisen, das will der andere verhindern und weil der Freund nicht auf ihn hört, soll es eben die liebende Bitte der Ehefrau verhindern. Die macht ihre Sache nach Ansicht des Ehemannes zu gut und er rastet aus vor Eifersucht. Er verstößt die schwangere Frau, bringt sie in den Kerker und unterstellt ihr, das Kind sei vom Rivalen. Sie beteuert ihre Unschuld, doch es nützt ihr nichts. Auch das Orakel unterstützt ihre Unschuld, ohne Chance. Der König ist außer sich. Der gemeinsame Sohn kommt zu Tode, die unglückliche Frau angeblich ebenso. Das Baby wird ausgesetzt und von einem Schäfer gefunden. Der zieht das Mädchen groß und wie es so ist, trifft diese ausgerechnet aus den Sohn des königlichen Jugendfreundes. Sie verlieben sich, es gibt Konflikte und am Ende finden sich die Jugendfreunde, gealtert und geläutert, wieder. Ihre Kinder kommen zusammen und auch die eigentlich tote Ehefrau wird auf wundersame Weise dem Leben zurückgegeben.

TheaterTotal: Total klasse Leistung

Die jungen Darsteller legen eine wunderbare Leistung auf die Bühnenbretter. Das Auge wird dabei vom Bühnenbild nicht abgelenkt. Schlicht, fast karg. Kostüme ohne Schnickschnack. Der Zuschauer soll sich auf die Handlung und auf die Sprache konzentrieren. Die ist, natürlich Shakespeare, nicht mit dem Alltagsgemisch unserer Zeit vergleichbar. Das macht die Schüleraufführungen in Holthausen zumindest bei den Jahrgängen der 7,8 und 9. Klassen schwierig. Unruhig ist es da. Schwer für die Darsteller, denen man irgendwie dadurch auch den Respekt vor der Leistung versagt. Da hätte man im Deutschunterricht vorbereiten müssen. Und den Grundtenor des Zuhörens, auch wenn es einen mal nicht interessiert, den haben wohl nicht alle 15jährigen verstanden.
Egal, am Abend, vor den Erwachsenen, gibt es zu Recht stehende Ovationen. Nicht nur, dass die Teilnehmer eine wahnsinnige Textmenge lernen mussten. Auch die Musik haben sie selbst komponiert und sie bilden an einer Stelle einen ausgezeichneten Chor.
Die Aufführung schwankt zwischen witzigen Momenten, einer unglaublich mitreißenden und fröhlichen Tanzszene und nachdenklichen bis traurigen Momenten. Vertrauen, Eifersucht, aber auch die Macht der Liebe und Verzeihen sind Inhalte, die nicht nur auf der Bühne das Stück bestimmen. Sie sind Bestandteile des Lebens.
Einzelne Rollen herauszugreifen, das kann man eigentlich nicht. Auf der Bühne standen Anne Kraus, Ann-Kristin Ziesemer, Anton Dreger, Eva Bösl, Hannah Rahel Rang, Jonathan Bamberg, Karim El Korhaly, Lea Ladewig, Marius Meschede, Melchior Tamms, Noemi Clerc, Paula Marlene Reiz, Paulinus Burger, Stella Hanheide, Tim Petrusch, Tristan Wolf, Fariborz Rahnama, Felix Althoff, Finn Jakob Brüggemann, Gian-Luca Kemper, Lennart Alessandro Naether, Leon Häder, Leonie Semmelroggen, Linus Schläger, Paula Warkotsch und Viktoria-Anna Theil.

Wer sich die Veranstaltung noch ansehen möchte, hat in den Räumen von TheaterTotal, Königsallee 171, in Bochum noch die Gelegenheit. Aufführungen gibt es am 1. und 2. Juli um 19.30 Uhr, am 3. Juli um 17 Uhr, am am 7. und 9. Juli um 19.30 Uhr und am 10. Juli um 17 Uhr. Weitere Infos und Karten unter www.theatertotal.de oder Telefon 0234/9731673.
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