"Wortstark" für Flüchtlinge

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Insgesamt 16 Teilnehmer möchten sich als Deutschlernpaten in der Hattinger Stadtbibliothek für Flüchtlinge engagieren. Los gehen soll es gleich nach den Ferien. Das Projekt heißt „Wortstark“ und ist eine Idee der Stadtbibliothek und der Volkshochschule. Foto: Pielorz
Hattingen: Stadtbibliothek |

Viele Flüchtlinge sprechen und verstehen kein Deutsch. Doch es fehlen Lehrer, um schnell zu helfen. Mit dem Projekt „Wortstark“ möchten Stadtbibliothek und VHS durch ehrenamtliche Deutschlernpaten erste Sprachkenntnisse und eine Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln.

In Erkrath läuft das Projekt bereits erfolgreich und Bernd Jeucken, Leiter der Hattinger Stadtbibliothek, findet die Idee gut. Gemeinsam mit Berit H‘Loch von der VHS und seiner Mitarbeiterin Susanne Scholz hat er sich auf die Suche begeben und Bibliotheksnutzer angesprochen, die er sich in dieser Aufgabe vorstellen kann. Darunter sind viele (ehemalige) Lehrer wie beispielsweise Christa Heinbruch (frühere Leiterin der Grundschule Börgersbruch), Kerstin Tillmanns (frühere Englisch-Lehrerin am Gymnasium Holthausen) oder Hellmut Lemmer (früher Studiendirektor in Wuppertal), aber auch Menschen wie Frank Grote, ein Graphik-Designer, der viele Jahre international gearbeitet hat und Mentalität und Kultur in der arabischen Welt kennengelernt hat.
Bei einem ersten Treffen erfahren die Paten von Doris Schilly aus Erkrath, Leiterin von Integrationskursen, auf was es ankommt. „Ihre Teilnehmer sind solche, die noch keine Integrationskurse machen dürfen, weil noch nicht klar ist, ob sie in Deutschland bleiben dürfen. Sie arbeiten ehrenamtlich in der Vorstufe“, steckt sie den Rahmen ab. Lernort der Sprache wird die Bibliothek sein. Zum einen mit der Möglichkeit des Zugriffs auf ein Computerprogramm „Ich will Deutsch lernen“, zum anderen durch die persönliche Hilfestellung mit Materialien, die die Bibliothek extra dafür angeschafft hat.

Ehrenamtliche Deutschlernpaten

„Sie werden mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun haben. Darunter sind bildungsnahe syrische Flüchtlinge, vielleicht aber auch Analphabeten, die noch nie eine Schule von innen gesehen haben. Sie werden sich auf Englisch oder einer anderen Fremdsprache verständigen können, manchmal aber auch Hände und Füße brauchen. Und sie sollten von Anfang an versuchen, viel auf Deutsch zu sprechen und dies langsam“, gibt sie Tipps. „Es ist ein Experiment“, gibt Bibliotheksleiter Bernd Jeucken freimütig zu. „Wir wollen an allen Vormittagen im Schichtbetrieb diese Hilfe anbieten. Jeweils zwei oder drei Deutschlernpaten sollen vormittags ab 10 Uhr in der Bibliothek als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Über die Netzwerke der Freiwilligenagentur erhoffen wir uns den Kontakt zu den Flüchtlingen, die zu uns kommen. Wir fangen aber auch nicht bei Null an, denn schon jetzt haben wir bemerkt, dass viele Flüchtlinge freiwillig zu uns kommen und unbedingt Deutsch lernen möchten.“
Wie genau das Angebot inhaltlich ablaufen wird, ist offen. Das kann sich erst nach einigen Wochen zeigen. Doch bei zur Zeit rund 500 dauerhaft hier lebenden Flüchtlingen und 200 Erstaufnahmen – Tendenz steigend – gibt es genügend Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind.
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