Auf die Gleise, fertig, los

Anzeige
Christian Partes mit seiner Modelleisenbahnanlage.
  Hattingen: Niederwenigern |

Schon als Kind hatte der Hattinger Christian Partes Spaß an einer Modelleisenbahn. „Ich selbst bin Baujahr 1962 und als Kind hatte man die damals einfach, von Märklin eine H0. Die wurde auf ein Brett gebaut und fuhr halt im Kreis herum. Ich habe sie dann nach und nach ausgebaut auf drei Meter. Mit 16 Jahren änderten sich die Hobbies und die Bahn wurde abgebaut, im Keller verstaut und irgendwann habe ich sie Stück für Stück verschenkt und verkauft.“

Doch so ganz ließen ihn die kleinen Züge nicht los. „Vor etwa zwölf Jahren schenkte meine Frau mir zu Weihnachten eine „Emma“, Baureihe 80, mit drei Waggons. Das war der Anfang für einen Neustart“, lacht er. Also wurden die ersten Schienen gekauft, die erste Bauphase begann. „Dann sind wir innerhalb von Niederwenigern umgezogen und ich hatte auf einmal viel mehr Platz. Ich sah diesen Dachboden und dachte, hier könnte man die Modelleisenbahn aufbauen, erweitern und, ganz wichtig, stehenlassen. Man kann so etwas nicht immer auf- und abbauen. Na ja, und meine Frau hat das unterstützt. Ich baue aber überwiegend im Winter, im Sommer bin ich schon eher draußen unterwegs.“
Das ist nun zehn Jahre her und mittlerweile hat sich auf dem Dachboden einiges angesammelt. Kisten über Kisten stapeln sich und vieles ist auch schon fertig und in Funktion. „Es kostet Zeit und Geld. Ich gehe gerne auf Modellbaubörsen und stöbere, was ich so finde. Manchmal bekommt man auch etwas geschenkt oder von einem Bekannten, der nichts mehr bauen möchte. Selbstverständlich bin ich regelmäßiger Besucher im Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen und das Musical „Starlight Express“ habe ich auch mehrfach besucht. Auch im Miniaturwunderland in Hamburg war ich schon. Das ist interessant, aber ich würde es niemals nachbauen wollen. Mein Thema sind nicht Städte oder Landschaften – ich baue Industriegeschichte.“

Kernstück Hochofen

Deshalb ist das Kernstück der Modellbahnanlage ein Hochofen. Nicht die Henrichshütte. „Da habe ich mich vor Jahren, als ich damit anfing, noch nicht heran getraut“, berichtet er. Doch es ist schon ein ziemlich realistisches Modell. Züge fahren zum Hochofen und von dort wieder weg. Aber es ist noch viel zu tun. „Mein Ziel ist es jedoch gar nicht, die Anlage fertig zu bauen. Der Weg ist das Ziel. Das langweiligste an diesem Hobby wäre es, wenn alles fertig ist und man nur noch die Züge fahren lassen kann. Nein, hier muss immer etwas gebaut werden.“ Zum Beispiel die Bausätze für das Stahlwerk und die Zeche. Die hat er schon, aber sie sind noch verpackt. „Das Teuerste sind natürlich die Lokomotiven, weil hier die meiste Technik drin steckt. Meine Anlage wächst um den Hochofen herum. Mein Liebling ist die Lokomotive Baureihe 44, die tatsächlich von Rotterdam nach Dillingen gefahren ist. Sie konnte fast 25 Waggons ziehen und war mit Erz beladen. Ich habe Dampflok, Diesel und Elektrozüge – meine ganze Anlage fährt digital, das bedeutet, auf einem Gleis stehen mehrere Lokomotiven, die ich alle einzeln per Computer ansteuern kann.“ Und wenn die kleinen Züge fahren, dann hört man sie tatsächlich schnaufen und tuten – denn seit mehr als zehn Jahren gibt es die Modellbahnen mit Sound.
Meistens baut Christian Partes alleine an der Anlage. Manchmal kommt auch ein Kumpel vorbei oder ein Vereinsmitglied aus dem Wuppertaler Verein. Partes hat Werkstoffprüfer für Metall gelernt und später Maschinenbau studiert – als Kind des Ruhrgebietes kennt er sich aus mit Stahl und Eisen. Und genau das setzt er auch in seiner Eisenbahnanlage um. Er bräuchte übrigens zwei Tage, wollte er sie komplett ab- und wieder aufbauen. „Ich bin schon froh, dass sie stehen bleiben kann. Sonst könnte man das so groß auch nicht machen.“
Malen, Schrauben, Löten, Kleben, Technik verstehen und die Signale am Computer setzen – so ganz einfach ist das alles nicht und für einen Laien sehr beeindruckend. Dann führt Christian Partes den „Staubsauger“ vor: „Wenn die Anlage hier steht, müssen die Gleise regelmäßig gereinigt werden, damit die Züge auch fahren können. Dafür gibt es einen speziellen Waggon mit eingebautem Staubsauger, der über die Gleise fährt und sie reinigt. Einen Teil des Zuges kann man danach abnehmen und den staubigen Inhalt entleeren.“
Was aber definitiv auf der Anlage noch fehlt, sind Menschen. „Doch, zwei habe ich schon“, sagt er und verweist auf zwei winzige Strichmenschen. „Der Rest arbeitet in der Zeche untertage“, lacht Modellbau-Kumpel Harald Allhusen. Der baut auch Züge und Modellbahnen – aber ganz anders, nämlich virtuell am Computer. Doch das ist eine weitere Geschichte aus der Welt der kleinen Eisenbahnen – die wir in einer neuen Geschichte erzählen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.