Bunte Kunstbildchen als Notgeldscheine

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Gerhard Wegener hat ein ungewöhnliches Hobby. Mit dem neuen Buch über Serienscheine hat er vielen Sammlern einen großen Wunsch erfüllt. Foto: Pielorz
Hattingen: Talstraße |

Erstmals alle 557 bekannten Notgeldscheine der Provinz Westfalen aus den Jahren 1918 bis 1922 in einem Buch. Das ist das Thema des 73-jährigen Hattingers Gerhard Wegener, der schon mehrere Bücher zu diesem Thema herausgegeben hat.

Sein ungewöhnliches Hobby begann mit einem Blick auf einen zerknüllten Geldschein in der Geldbörse seines Vaters. Das weckte sein Interesse. Heute hat er viele der bunten Scheine im Original zuhause. „1916 wurde das Kleingeld knapp. Münzen wurde von der Bevölkerung gehortet und das Kleingeld wurde auch oft als kriegswichtiges Material eingezogen. Daraus wurden beispielsweise Gewehre gemacht. Deshalb gaben Kommunen, aber auch Firmen und Vereine statt der Münzen Notgeldscheine heraus. Doch viele dieser Scheine wurden von Künstlern gestaltet und sahen sehr hübsch aus. Deshalb wurden sie oft nicht mehr eingelöst, obwohl sie theoretisch natürlich den Wert hatten, der auf ihnen gedruckt war. Nach 1918 wurden viele Scheine in Serie hergestellt. Zum Beispiel gab es in Bochum Bergbaumotive mit jeweils einer Strophe des Glück-Auf-Liedes.“ 1922 wurden weitere Notgeldausgaben vom Reichsfinanzminister verboten und die bunten Scheine zu einem Sammelgebiet.
In seinem neuesten Werk hat der Hattinger alle Scheine in Originalgröße und -farbe mit Vorder- und Rückseite abgebildet sowie eine vollständige Übersicht aller in 81 westfälischen Kommunen herausgegebenen Scheine von A (Ahaus) bis W (Winterberg) zusammengestellt. Mit Angaben zu den marktüblichen Sammlerpreisen und Varianten sowie Nennung der Ausgabestellen, Künstler und Druckereien (soweit aufgeführt und bekannt).
Auf 230 großformatigen Seiten (Format 25 x 29,7 cm) zeigt das Buch die zumeist ausgesprochen dekorativ und kunstvoll gestalteten Notgeldscheine. Diese tragen die unterschiedlichsten Bezeichnungen, je nach Herausgeber und Zweck werden sie mal Gutschein oder Platzanweisung genannt, ein anderes Mal auch Scheck, Notgeld oder Not-Wechselgeld, Scheinwerfer, Baustein, Selbsthilfe-Heimstätten-Schein, Jubiläumsgeld, Kampfmarke (S.P.D. Bezirk westliches Westfalen) oder Darlehens-Kassenschein.
Die Herausgeber dieser kleinen Kunstwerke sind dabei ebenso vielfältig wie ihre Bezeichnungen, denn nicht nur Städte, Landkreise und Gemeinden haben das Notgeld drucken lassen, sondern auch die Handwerker-Tagung in Ahlen, Jungdeutscher Orden (Bruderschaft Bielefeld und Bochum), Siedlungsgemeinschaften, Turn- und Sportvereine, ein Arbeiter-Sport-Kartell (Bochum), ein Kegelkassen-Direktorium, politische Parteien, verschiedene Einzelhändler, eine Zigarrenfabrik, Hotels und Gaststätten, die Freiwillige Feuerwehr, die Gefangenen-Gemeinde in Avignon, diverse Spar- und Darlehnskassen, der Provinzialverband Westfalen, ein Wohltätigkeitsbasar und viele andere mehr. Auch besondere Notgeld-Herausgeber werden präsentiert. F. Cuppring aus Hörde ließ diesen Text auf die Scheine drucken: „Um meinen Steuerpflichten als guter Bürger nachkommen zu können, bringe ich – weil‘s Gehalt nicht reicht – dieses Notgeld in Verkehr. Ich warne davor, es anzunehmen. Wer es doch tut, ist hereingefallen.“ Über der Darstellung eines Finanzamts ist auf der Rückseite zu lesen: „Ja, wer Geld hat, der kann Steuern zahlen. Und wer keins hat, der läßt sich was malen.“ Die Herausgabe des Katalogs „Serienscheine der Provinz Westfalen 1918 – 1922“ wurde gefördert vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Das Buch ist über Gerhard Wegener, Talstraße 5, 45525 Hattingen, zu beziehen. Gerne kauft der Hobbysammler weitere Scheine an. 02324/55742.
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