Ein Richter, ein Gemälde und so etwas wie ein Krimi

An diesem Platz entstand der Roman-Erstling von Dr. Einhard Franke über einen Richter, der ein Gemälde stehlen möchte: „Diebeskunst“. Foto: Römer
Er ist Richter von Beruf, scheint aber völlig aus der Spur geraten zu sein. Warum wohl sonst spielt er mit dem Gedanken, ein wertvolles Gemälde zu stehlen? Wegen seiner maroden Finanzen vielleicht? Auskunft darüber gibt das Buch „Diebeskunst“. Es ist der erste Roman des Holthausers Dr. Einhard Franke.

Und es gibt bei ihm im realen Leben durchaus Parallelen zur Handlung seines Erstlingswerkes. Dr. Einhard Franke ist nämlich ebenfalls Richter, Amtsgerichtsdirektor in Mülheim, um genau zu sein.
Er liebt Kunst, auch den Expressionismus, war deshalb selbstverständlich Besucher der viel beachteten Ausstellung „Werke des Expressionismus“, die bis Anfang Juni im Stadtmuseum Hattingen zu Blankenstein zu sehen war.
Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten – fast. Denn inspiriert zur Grundidee von „Diebeskunst“ wurde der 61jährige durch seine Arbeit als Betreuungsrichter.
„Im Rahmen meiner Tätigkeit war ich in Mülheim bei einer älteren Dame zu Hause“, blickt er zurück. „Und als ich da so sitze und mich umsehe, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Da hing tatsächlich ein echter Chagall an der Wand. Es gab weitere Originale von anderen großen Künstlern des Expressionismus. Das war schon ein eigenartiges, irgendwie auch erhebendes Gefühl, anders als in einem Museum vor solchen Meisterwerken zu stehen – ohne Panzerglas und irgendwelche weiteren Sicherungen dazwischen. Ich konnte nicht anders als zu denken, was wäre, wenn ein einziges dieser wertvollen Bilder Dir gehörte. Diesen Gedanken spann ich für mich immer weiter, bis letztlich die Grundidee zum Buch geboren und ausgereift war.“
Fast drei Jahre hat er an den 326 Seiten geschrieben, geändert, verworfen. Größte Stütze und gleichzeitig wertvollste Kritikerin war dabei seine Frau Helme Paris.
Erfahrungen im Schreiben von Büchern brachte Einhard Franke schon mit, allerdings nicht in der Belletristik. An der Universität hat er als Lektor gearbeitet, später eine Reihe von juristischen Fachbüchern verfasst.
So kannte er das Geheimnis eines guten Autors: Erst einmal alles runter schreiben, dann alles noch einmal „reifen“ lassen, manches wieder verwerfen, Gags einbauen. Oder eine Marotte. Seine Hauptfigur, Richter Leo Castrop aus Bochum, raucht zwar nicht, kaut dafür aber Gewürznelken. „Die schmecken nicht schlecht“, findet auch sein geistiger Vater Einhard Franke.
In eine gute Geschichte gehören natürlich auch Frauen und Liebeswirren. Die machen sich zudem verdächtig und setzen ihre Reize alles andere als uneigennützig ein.
Einhard Franke: „So gerät Leo immer mehr in einen gefährlichen Strudel: Seine Schulden, die Möglichkeit, sie durch einen einmaligen Coup aus der Welt zu schaffen, sein Interesse an einer der Protagonistinnen und das unterschiedliche Spiel, das die Frauen mit ihm treiben.“
Was es nicht gibt in „Diebeskunst“, dessen Titelwort auch umgedreht passend gewesen wäre, was durchaus Absicht ist: Polizei. Daher ist für den Autor sein Buch auch nur ein Krimi im weitesten Sinn. Er nennt es einen Roman mit kriminellem Flair und einem Helden, der eigentlich keiner ist. Seine Frau hat den Arbeitswütigen verlassen. Die Handlung reicht zurück bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Gemälde, um die es geht, stammen alle aus jüdischem Besitz.
„Es geht letztlich um Recht und Unrecht, die man manchmal in der Sache nicht unterscheiden kann“, erläutert Dr. Einhard Franke. „Die Geschichte ist verwoben und alle Erwartungen werden nicht erfüllt. Die Figuren darin sind alle ,gebrochen‘. Niemand ist richtig gut, aber auch nicht richtig böse.“
Einhard Franke hat als Student einige Zeit in Aix en Provence verbracht. Dort lernte er die schönen Seiten des südfranzösischen Lebens schätzen, das „Savoir Vivre“, oder wie er lachend erzählt „Wein in Theorie und Praxis“. Als der Sammler von alten Landkarten und ebensolchen Geldscheinen, der aufgrund seiner „Erfahrung“ auch schon eigenen Wein gekeltert hat und gerne Holz für den eigenen Kaminofen hackt, die Gelegenheit bekam, in der Region ein uraltes Häuschen zu erwerben, schlug er daher zu. Dort auf dem Dachboden entdeckte er alte Korrespondenz, die ihn zu einem weiteren Buch inspirierte. Diesmal soll es ein Krimi werden, aber ein richtiger.

„Diebeskunst“ von Einhard Franke aus der Edition Octopus ist erschienen im m+v Verlag Münster und über ISBN 978-3-86991-553-1 bei Amazon und im örtlichen Buchhandel für 14 Euro erhältlich. Das Titelbild stammt übrigens von der Hattinger Künstlerin Heidi Wigger, die mit Einhard Franke und seiner Frau Helme Paris befreundet ist.
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