Helden des Alltags : Bis dass der Tod euch scheidet

Voller Bewunderung sind viele Autofahrer, die das Wodantal befahren. Bei Wind und Wetter schiebt dort täglich eine Frau einen Mann im Rollstuhl.

Lange Jahre war Otto Ramsbrock (76) Landwirt, bis eine langsam einsetzende Demenz sein Leben veränderte. Die Krankheit traf ihn mit 58 Jahren, zuerst schleichend, dann immer intensiver. Als er 60 Jahre alt war, stand die Diagnose fest.

Waren zuerst noch gemeinsame Spaziergänge möglich, sitzt er seit über 10 Jahren im Rollstuhl und kann sich nicht mehr bewegen. Seit nunmehr 8 Jahren kann er auch nicht mehr sprechen. Er benötigt Tag und Nacht intensive Pflege.

Seine Erkrankung hat auch mein Leben auf den Kopf gestellt“, sagt Waltraud Ramsbrock, die sich seit Jahren fast ausschließlich Tag und Nacht um ihren Mann kümmert.

Ich habe meinem Mann versprochen, ihn zuhause so lange zu pflegen, wie meine Kraft es zulässt, sagte Waltraud Ramsbrock, als der STADTSPIEGEL sie jetzt im Wodantal besuchte.
Unterstützung erfährt sie zuhause ab und zu durch einen Pflegedienst. Von den Hilfskräften hat sie lieber Männer, die ihren Mann besser heben können als weibliche Pflegekräfte.

Altenheim St. Josef half spontan
Als sie im November 2013 von der Leiter stürzte und für einige Monate ihren Mann nicht pflegen konnte, hat ihr das Altenheim St.-Josef an der Brandtstraße noch am gleichen Tag geholfen und ihren Mann aufgenommen und versorgt. Das war eine Leistung, die ich niemals vergesse und die man nicht genug loben kann, sagt Waltraud Ramsbrock.

Und so schiebt sie, wettermäßig gut ausgerüstet, ihren Mann jeden Tag den Fußgängerweg neben der Fahrbahn im Wodantal rauf und runter. Die Hausärztin ihres Mannes hat ihr geraten, dieses zu tun. Die sitzende Haltung an der frischen Luft stabilisiert Herz und Kreislauf ihres Mannes.

Echte Nachbarschaft
Stolz ist sie über ihre Nachbarinnen im Wodantal, von denen sie immer wieder psychische Unterstützung erfährt und die sie oftmals auch beim täglichen Spaziergang begleiten.
Und dann, so erzählt sie, halten spontan auch ihr unbekannte Autofahrer an, fragen wie es meinem Mann geht oder winken mir zu.

Wir sind nunmehr seit 48 Jahren verheiratet und ich habe meinem Mann damals bei der Hochzeit versprochen, für ihn da zu sein in guten wie in schlechten Zeiten beendet Waltraud Ramsbrock das Gespräch mit dem Stadtspiegel und streichelt dabei ihren Mann fürsorglich.

Und auch morgen wird sie wieder ihren Mann in den Rollstuhl setzen um mit ihm im Wodantal die frische Luft zu genießen.

Autor:

Hans-Georg Höffken aus Hattingen

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