Innenminister Jäger besuchte die Hauptschule in Sprockhövel - Theaterstück für die Salafismus-Prävention

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NRW-Innenminister Ralf Jäger (v.li.) im Gespräch mit Autor Bernd Plöger.
Hattingen: Niedersprockhövel | „So viele Streifenwagen könnten hier öfter fahren“ sagte Anwohner Horst-Dieter Hudziak zum STADTSPIEGEL. Der Bereich um die Dresdener Straße in Niedersprockhövel war am Montagvormittag durch uniformierte und zivile Polizeikräfte gut bewacht. Es lag jedoch kein Notfall vor, sondern NRW-Innenminister Ralf Jäger besuchte ein Theaterstück in der Mathilde-Anneke-Schule.

„Unsere Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 nehmen hier an dieser Theatervorführung teil“, sagte Schulleiterin Christiane Albrecht zum STADTSPIEGEL. In dem Theaterstück ging es um einen deutschen Jugendlichen, der von Salafisten angeworben wurde, nach Syrien ging und sich vorübergehend dem IS anschloss. Nach einigen Monaten gelang ihm jedoch die Flucht zurück nach Deutschland.

Eindrucksvoll spielte der Schauspieler Phillip Brammer vom Jungen Theater Hof in dem Ein-Personen-Stück die Rollen aller Charaktere. Autor Bernd Plöger diskutierte nach der Aufführung mit Innenminister Jäger und den Schülerinnen und Schülern über ihre Eindrücke zu diesem Thema.

Was macht den Salafismus für Jugendliche attraktiv? Was treibt junge Menschen in die Radikalisierung ? Diese Frage wurde in den vergangenen Monaten immer wieder gestellt. Oftmals sind es unterschiedliche Erfahrungen von Entfremdung, Ohnmacht, Perspektivlosigkeit und Verwahrlosung, die Angebote des Salafismus – wie Gemeinschaft, Orientierung, einfache Weltdeutungen oder Machtgefühle – attraktiv erscheinen lassen.

Dabei spielen sehr häufig komplizierte, widersprüchliche und für Kinder und Jugendliche belastende Familiengeschichten eine zentrale Rolle. Ganz besonders gilt das für die kleine Gruppe der Gewaltbereiten: Ihnen bietet die religiös begründete radikale Ideologie ein Ventil für ihren Frust und ihre Wut und die Chance, sich einmal im Leben stark, überlegen und mächtig zu erleben – verbunden mit der Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen. Für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund sind Erfahrungen von Diskriminierung und Nichtzugehörigkeit ebenfalls bedeutend auf dem Weg zur Ideologisierung.

Das jetzt aufgeführte Theaterstück zeigte den Jugendlichen auf, wie sie mit den Salafismus-Angeboten umgehen sollen. „Sich selbst Gedanken zu machen und eigene Perspektiven zu entwickeln, ist nicht nur die beste Prävention. Es ist auch die beste Demokratieerziehung“ sagte Minister Jäger zu den Schülern.

Der zuständige Staatsschutz teilte dem STADTSPIEGEL auf Nachfrage mit, dass im EN-Kreis 12 Salafisten bzw. Gefährder im Fokus der Sicherheitsbehörden sind.
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