Neue Urteile im Sprockhöveler Straußenfarm-Prozess

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Der Eingang zur früheren "Straußenfarm" in Sprockhövel
Hattingen: Amtsgericht Hattingen | Das Schöffengericht in Hattingen hat heute den Bruder des früheren Mitinhabers der Straußenfarm in Sprockhövel wegen Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln unter Berücksichtigung verminderter Schuldfähigkeit zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren verurteilt, deren Vollstreckung für 4 Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Der wegen Betruges und Diebstahl angeklagte „Elektriker“ der Straußenfarm wurde wegen Mangel an Beweisen freigesprochen.

Zur Erinnerung:

Auf der früheren Straußenfarm in Sprockhövel an der Straße Huxel wuchsen in den Jahren 2011 bis 2013 in 8 eingegrabenen Seecontainern Cannabis-Pflanzen.
Der Betreiber der Straußenfarm, ein damals 47-jähriger aus Wuppertal, der bis heute unauffindbar ist, soll zusammen mit seinem Kompagnon, einem aus Sprockhövel stammenden 40-Jährigen, unterirdisch tausende Cannabis-Pflanzen gezüchtet haben. Sie hatten die Farm als Tarnung betrieben. Als Mitarbeiter der Farm wurde auch der Bruder des Sprockhövelers beschäftigt.

Dieser wurde jetzt, über 4 Jahre nach der eigentlichen Tat, wegen Beihilfe zum „unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ verurteilt. Der Angeklagte gestand, auf der Straußenfarm von Sommer bis Herbst 2012 zuerst Gartenarbeiten, später auch bei der Pflege der unterirdisch gehaltenen Cannabis-Pflanzen geholfen zu haben.

Nachdem er von seinem Bruder mit dem Tode bedroht wurde wenn er nicht Stillschweigen über die Farm bewahren würde, brach der Angeklagte den Kontakt zu diesem ab.

Die heutige Schöffengerichtsverhandlung begann mit zweistündiger Verspätung. Der Angeklagte hatte die Vorladung vergessen, der Gutachter des Landeskriminalamtes seine nicht erhalten. Somit musste der Angeklagte von der Polizei in Hagen erst gefunden und im Interesse eines schnellen Beginns der Hauptverhandlung mittels Taxi auf Staatskosten nach Hattingen ins Amtsgericht gefahren werden. Nachdem dann auch der Gutachter des LKA aus Düsseldorf endlich eingetroffen war, konnten die Hauptverhandlungen verspätet beginnen.

Das Schöffengericht berücksichtigte bei der Urteilsfindung auch die Alkoholabhängigkeit des Angeklagten und sah eine verminderte Schuldfähigkeit gegeben. Es verhängte wegen der angeklagten Taten unter Einbeziehung einer weiteren noch offenen Strafe des Amtsgerichtes in Hagen eine Gesamt-Bewährungsstrafe von 2 Jahren, nachdem ein Gutachter des Landeskriminalamtes die Erntemenge und den Wirkstoffgehalt der Cannabis Ernte bewertet hatte.

Während der Bruder des Angeklagten, der Mitinhaber der Straußenfarm, seit März 2013 inhaftiert ist und eine mehrjährige Haftstrafe absitzen muss, konnte der seit dem 04.02.2012 vermisste Betreiber der Straußenfarm bis heute nicht gefunden werden. Nachdem die Polizei Anfang 2013 Hinweise von einem Mord an dem Betreiber der Straußenfarm erhalten hatte, wurden mit großem technischen und finanziellem Aufwand wochenlang annähernd 1.000 Kubikmeter Erde auf dem ca. 22.000 qm großen Grundstück untersucht und gesiebt. Allerdings wurden keine Knochenreste des vermissten Wuppertalers gefunden.

Elektriker freigesprochen

In einer weiteren Verhandlung wurde heute ein 32 Jahre alter Elektriker freigesprochen. Er wurde beschuldigt, auf dem Gelände der Straußenfarm ein in der Erde verlegtes Stromkabel angezapft und damit die unterirdischen Seecontainer mit „ungemessenem Strom“ für die Cannabispflanzen versorgt zu haben.

Auch wenn der „Stromklau“ inzwischen bewiesen ist, reichten die Erkenntnisse in der Beweisaufnahme nicht aus, dass diese Tat der Angeklagte ausgeführt hat. Daher wurde der Elektriker heute freigesprochen.
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