Olaf - der Obdachlosen-Zeitungsverkäufer in Hattingen

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Joseph Kettelhoit kaufte bei Olaf eine Zeitung.
 
Auch Helga Gaede unterstützt Olaf durch den Kauf einer Obdachlosenzeitung.
Hattingen: Heggerstraße | Seit 20 Jahren verkauft Olaf die Obdachlosenzeitung. Viele Hattinger kennen Olaf und seine immer wieder zu hörende Frage „Guten Morgen, darf ich auch Ihnen eine Obdachlosenzeitung verkaufen“ ? Der STADTSPIEGEL sprach mit Olaf.

Hattinger unterstützen Olaf

„Ich bin gerne in Hattingen“ sagt Olaf (52) im Pressegespräch, denn die Leute hier sind so nett, kaufen meine Zeitung und unterstützen mich auch so. Er zeigt auf seine Schuhe, die ihm auch ein Hattinger geschenkt hat. Vor kurzem hatte er eine schmerzhafte Nagelbettentzündung an einem Finger. Eine vorbeikommende Passantin ging spontan in die Apotheke und kaufte ihm eine Salbe und Verbandmaterial.

Als Wohnung einen Kellerraum

Olaf war früher einmal Gärtner und verheiratet. Nach seiner Scheidung blieb er „auf hohen Schulden sitzen“. Er wohnte lange bei seinem Vater in Essen und pflegte diesen auch nach dessen Krebserkrankung bis zum Tode. Jetzt wohnt er in einem Kellerraum in Essen, den ihm eine ältere Frau zur Verfügung gestellt hat. „Ich darf sogar in ihrer Waschmaschine meine Wäsche waschen“, freut sich Olaf. Er hat noch eine Schwester, die in Kiel wohnt. „Sie gibt mir Tipps zum Überleben“ sagt Olaf dazu.

Olaf ist zu 100 Prozent schwerbehindert und lebt tagtäglich nur vom Verkauf seiner Fifty-Fifty-Zeitung. Natürlich hat er einen offiziellen Verkäuferausweis des Obdachlosen-Zeitungsverlages. Vom Verkaufserlös darf er die Hälfte behalten. Drei Mal die Woche ist er in Hattingen. Gesundheitlich ist er angeschlagen. Er hat Schmerzen in den Beinen und in den Füßen. Seine Brille hat nur noch ein Glas, weil ihm kürzlich ein Glas zerbrochen ist. Olaf hat auch einen Rollator, den er allerdings nicht mit nach Hattingen nimmt. Er hat Angst, bei einem Ausfall des Aufzuges an der S-Bahn-Station mit dem Rollator nicht in die Innenstadt zu kommen, weil er diesen die Treppe nicht herauftragen kann. Im Aufzug dort ist er auch schon stecken geblieben und musste von der Feuerwehr befreit werden.

Noch keine Unterstützung bei Ämtern beansprucht

Olaf hat bisher noch keine Unterstützung bei den Ämtern beantragt. „Verkaufe ich viel, kann ich mir etwas mehr zu essen kaufen, verkaufe ich wenig, muss ich mich einschränken“, sagt er im Gespräch. Sein derzeit größter Wunsch ist, einmal in Hattingen an einem Tag 50 Zeitungen zu verkaufen. Dann könnte er sich etwas Geld für schlechte Zeiten zurücklegen. Sportlich ist Olaf Schalke-Fan. Einen Besuch im Stadion kann er sich jedoch nicht leisten.

Während des Gespräches mit dem STADTSPIEGEL kommen immer wieder Passanten zu Olaf. Eine Hattingerin kauft bei ihm eine Zeitung und zeigt uns einen Glücksstein aus Glas, den ihr Olaf vor Jahren einmal geschenkt hat. Sie hat ihn immer als Talisman in ihrem Portemonnaie. Zumindest ist mir in den letzten Jahren nichts Schlimmes passiert, sagt sie und lacht. Ein weiterer Passant kauft keine Zeitung, wirft aber ein Zwei-Euro-Stück in Olafs Pappbecher.

Eine Hattingerin fragt Olaf, ob er heute auch Rosen habe. Ab und zu schenkt ihm nämlich ein Hattinger Florist einen Strauß Rosen. Diese gibt Olaf dann einzeln an seine Käuferinnen weiter.

Schlechte Erfahrungen hat Olaf in Hattingen noch nicht gemacht. Auf den Innenstadt-Polizei-Bezirksbeamten und auf die Ordnungsamt-Mitarbeiter lässt er nichts kommen. Die helfen mir, wenn ich sie brauche, sagt er und wünscht dem nächsten vorbeigehenden Passanten einen schönen Tag und viel Gesundheit.

Einmal erhielt er von einem Hattinger Geschäftsmann 150 Kaffeegutscheine, die bei seinen Zeitungskunden gut ankamen. „Leider gibt es das Geschäft nicht mehr in der Innenstadt“, bedauert der Zeitungsverkäufer.

Am liebsten würde Olaf nach Hattingen ziehen, denn hier fühlt er sich wohl. Enttäuscht ist er von Mitgliedern der örtlichen Linkspartei, den die, so erzählt er dem STADTSPIEGEL, wollten ihn für die Kommunalwahl gewinnen. Anschließend hat er aber nichts mehr von ihnen gehört. Allerdings, laut Fraktionschef der LINKEN, Friedhelm Knippel, hat dieser Olaf persönlich darüber informiert, dass sich die Partei für einen anderen Bürgermeisterkandidaten entschieden hatte.

Ein Passant kauft eine Zeitung und fragt Olaf, wo er denn so lange gewesen wäre. Er hätte ihn vermisst. Olaf strahlt und sagt, die Leute ehren mich eben hier in Hattingen. Danach muss er sich setzen, denn die Schmerzen in seinen Beinen nehmen zu.

Die Obdachlosenzeitung Fifty-Fifty erscheint monatlich und kostet pro Stück 2,40 Euro. Vom Verkaufserlös darf der Zeitungsverkäufer die Hälfte behalten.
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3 Kommentare
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Ahmed-Hassan Byrkelin aus Hattingen | 31.05.2017 | 18:25  
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friedhelm knippel aus Hattingen | 02.06.2017 | 12:03  
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Ronald Marczewski aus Hattingen | 04.06.2017 | 12:00  
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