Seniorenzeithilfe: Wir verschenken Zeit

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Sie verschenken ihre Zeit und finden manchmal richtig gute Freunde: Auch Ilse Kampf (91), links im Bild, und Renate Jurek von der Hattinger Seniorenzeithilfe sind Freundinnen geworden. Foto: Pielorz
 
Ferdinand Schmitz von der Seniorenzeithilfe

Ilse Kampf ist 91 Jahre alt. Die Seniorin lebt allein in ihrer Wohnung und ist bis auf ein Handicap mit ihren Augen noch rüstig und gut zu Fuß. Regelmäßig erhält sie Besuch von Renate Jurek, die sich ehrenamtlich bei der Seniorenzeithilfe engagiert.

„Wir sind eine unabhängige,überparteiliche und überkonfessionelle, freie Bürger-Initiative,die aus dem Gefühl gesellschaftlicher Solidarität handelt.
Unsere ehrenamtlichen Helfer wollen bei ihren Hausbesuchen, Gesellschaft leisten, sowie mit Unterhaltung und kleinen Hilfen der zunehmenden Vereinsamung älterer oder kranker Menschen entgegenwirken.“
So steht es auf der Homepage der Seniorenzeithilfe (SZH), die vor elf Jahren gegründet wurde. Ferdinand Schmitz gehörte zu den Gründern. Sein Anliegen ist noch heute Programm. „Wir verschenken Zeit und ich mache das ehrenamtlich schon seit acht Jahren. Ich wollte einfach im Ruhestand noch etwas Sinnvolles tun“, erklärt Renate Jurek.
Mit Ilse Kampf geht sie gern spazieren oder trifft sich mit der alten Dame zum Einkaufen. „Manchmal bin ich jede Woche bei ihr, manchmal nur alle zwei Wochen. Das ist je nach Bedarf.“
Nachdem der Mann von Ilse Kampf verstorben war, lebt die alte Dame allein. Beide Töchter leben in Rom, haben Italiener geheiratet und auch Kinder. „Die kommen zu Weihnachten und ich freue mich sehr auf die Familie. Wir haben einen guten Kontakt, telefonieren fast täglich und ich habe meine Kinder auch schon oft in Rom besucht. Mittlerweile fällt mir das aber schon etwas schwer“, erzählt Ilse Kampf.

Geben und Nehmen

Die Töchter waren es auch, die den Kontakt zur Seniorenzeithilfe geschaffen habem. „Sie haben in Hattingen eine Einrichtung gesucht, die sich etwas um mich kümmert. Ich habe immer gesagt, ich brauche keine Betreuung und für ein Heim fühle ich mich noch nicht alt genug. Na ja, dann haben sie die Seniorenzeithilfe gefunden und damit fühle ich mich auch wohl“.
„Ja, das ist schon ein Miteinander und keine Betreuungssituation“, sagt auch Renate Jurek und berichtet von den früheren „Fällen.“ Sie betreue immer nur eine Person, da sei sie flexibel und könne meistens sofort einspringen, wenn dies gewünscht sein. „Vorher habe ich auch einen bettlägerigen Hern betreut. Dem habe ich vorgelesen. Und wir konnten auch manchmal Gesellschaftsspiele spielen.“ Sie habe sich überlegt, entweder mit Kindern oder mit Senioren zu arbeiten und sich dann für die Senioren entschieden. „Und es macht wirklich Spaß“.
Und manchmal stellt Ilse Kampf ihre Helferin auch auf harte Proben. „Neulich hat sie mich gefragt, ob ein Pinguin ein Fell oder ein Gefieder habe. Ich wusste das nicht, die Lösung war übrigens Gefieder“, lacht Renate Jurek.
„Man muss doch fit im Kopf bleiben“, murmelt Ilse Kampf.
„Wir besuchen ältere oder behinderte Menschen, um uns mit ihnen zu unterhalten, zuzuhören, neue Kontakte herzustellen oder alte zu aktivieren. Wir helfen bei der Erledigung von schriftlichen Anfragen, Besorgungen außerhalb des Hauses, begleiten bei Gängen in die Stadt, zum Arzt oder zu Veranstaltungen. Dieser Besuchsdienst ist der Kern der Seniorenzeithilfe“, so Jurek.
Das ist aber noch nicht alles. „Wir vermitteln Freizeitkontakte zwischen mobilen Senioren in verschiedenen Interessenbereichen. Wir betreiben ein moderiertes Erzähl-Cafe jeden ersten Mittwoch im Monat, 15 Uhr, bei Kaffee und Kuchen im Haus der DRK, Talstraße 22“, berichtet die Helferin weiter.
„Ja, da gehe ich auch regelmäßig hin. Dann fahre ich immer mit dem Bus in die Stadt“, bekräftigt Ilse Kampf. Diese Treffen seien immer sehr schön.
Und: „Wir führen auch Computer-Schulungen fürAnfänger und Fortgeschrittene durch.Mit viel Liebe und Geduld bringen wir hier das „Mysterium“ Computer und Internet näher und zeigen viele, auch für Senioren praktische Anwendungsmöglichkeiten auf“, so Jurek. Die Besonderheit der SZH ist: Geben und Nehmen. Wir registrieren die Anzahl der Hilfseinsätze unserer Mitarbeiter und bescheinigen sie ihnen jährlich. Denen, die sich heute engagieren, soll später, wenn sie selbst einmal Hilfe benötigen, bevorzugt geholfen werden.
Beide Seiten werden gesucht – Senioren, die gern eine solche Begleitung im Alltag hätten und Ehrenamtliche, die sich eine solche Begleitung vorstellen können. Interessierte beider Richtungen melden sich bei Ferdinand Schmitz unter 02324/392941.
„Wir möchten den Menschen helfen und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind und noch Freude am Leben haben können.“
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