Serie "Die Stadt macht's" - Thema Containerstandorte

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Marin Weinzierl schleppt am Tag einige Kilogramm Müll zum Fahrzeug. Foto: Pielorz
 
Schreys Gasse: Die absolute Katastrophe unter den Containerstandorten. Die Ausbeute auf dem Wagen des Bauhofs nach nur zwei Stunden. Erstmal muss der Wagen zurück, um den Müll zu entsorgen. Dann geht es von neuem los.Foto: Pielorz
Hattingen: Stadtbetriebe |

Der STADTSPIEGEL startet unter dem Motto „Die Stadt macht’s“ eine Serie zu Arbeiten des städtischen Bauhofes. Arbeiten, die der Bürger nicht immer und unbedingt auch sofort wahrnimmt. Arbeiten, die nicht immer wirklich schön sind. Arbeiten, die manchmal vermeidbar wären, wenn nicht einige Mitmenschen gedanken- oder verantwortungslos reagieren würden. Der STADTSPIEGEL begleitete städtische Mitarbeiter auf ihrer Rundfahrt zu den Containerstandorten, geht mit bei der Reinigung der Gehwege, schaut sich Spielplätze und Hundeklos an: Die Stadt macht’s ja, oder?

Es ist immer dasselbe. Jede Woche. Manchmal sogar mehrmals in der Woche. Wenn Martin Weinzierl vom städtischen Bauhof zu den Containerstandorten in der Stadt unterwegs ist, weiß er, was ihm blüht: An vielen Standorten stehen neben den Containern haufenweise Müllsäcke oder es liegen Kartons und andere Gegenstände herum, die dort nichts zu suchen haben. Die muss er dann entsorgen. Eine schweißtreibende und manchmal auch ziemlich unangenehme Arbeit im Dienste der Bürger und einer sauberen Stadt.
Gasstraße, Parkplatz Roonstraße, Schreys Gasse – die ersten Containerstandorte werden angefahren. Insgesamt stehen 77 Containerstandorte mit 136 Altglas- und 115 Papiercontainer im Stadtgebiet, mit deren Leerung ein Unternehmen beauftragt ist. Welche Standorte das sind, findet der Bürger in der Abfallinfo. Doch das „Drumherum“ an den Containern, dafür ist die Stadt, der Bauhof, zuständig. Dreißig Jahre ist Martin Weinzierl bei der Müllabfuhr auf dem Wagen mitgefahren, seit ein paar Jahren kümmert er sich um die Containerstandorte. Bücken, bücken, bücken – das gehört zum Arbeitsalltag. „Früher“, erzählt er, „da gab es mal rund 100 Standorte von Containern. Mit der Einführung der Altpapiertonne wurden die reduziert. Brennpunkt ist Schreys Gasse, obwohl man den Standort von vielen Fenstern aus sehen kann. Trotzdem sieht es immer katastrophal aus. Manchmal nach zwei, drei Tagen schon wieder.“ Neben den Containern liegt ein Privatgrundstück, auch zugemüllt. Doch dafür ist die Stadt nicht zuständig. Es reicht auch so. „Es stinkt. Und am schlimmsten ist eben der Restmüll in irgendwelchen Säcken. Der hat da nichts zu suchen“. Sogar einen alten Schweinekopf in einer Sporttasche wurde mal gefunden- die Stadt macht es ja weg.
Videoüberwachung? „Das kann doch keiner bezahlen. Und davon hat man die Täter ja auch nicht. Das muss gewartet werden und ausgewertet. Das geht einfach nicht flächendeckend.“

Verwarngeld, falls man erwischt wird

Wenn man erwischt wird, gibt es ein Verwarngeld. 35 Euro, wenn es sich um Papier und Glas handelt, welches man neben dem Container abstellt. Das darf man nämlich auch nicht. Welche Methoden Martin Weinzierl hat, um den Täter zu erwischen, erzählt er zwar, will er aber nicht in der Zeitung lesen. „Dann geht das ja nicht mehr“, lacht er. Teurer wird es bei Autobatterien, Farben oder Lacke. Dann geht es nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz. „Die Verursacher werden angeschrieben und in der Regel zahlen sie auch schnell. Einspruch gibt es kaum. Ich glaube, den meisten Menschen ist es einfach peinlich, jetzt noch erwischt zu werden. Die wollen das dann schnell erledigt haben", sagt Cornelia Kehrmann vom Bauhof. Wiederholungstäter von denen, die angeschrieben worden seien, gäbe es eigentlich nicht.
Besonders viel Dreck gibt es an den Containerstandorten zu bestimmten Stoßzeiten. Rund um Feiertage beispielsweise, oder nach Weihnachten. Dabei kann man sich bei der Stadt einfach melden, wenn ein Container wirklich übervoll ist. „Wir geben das weiter und dann wird auch außerhalb der Reihe geleert“, sagt Kehrmann. Und Sonn- sowie Feiertage sind keine Einwerfzeiten! Pappkartons können übrigens auch kostenlos am Recyclinghof entsorgt werden, wenn man jetzt mal gerade jede Menge davon hat. Und dem Mülltourismus, dem würde die Stadt auch gerne einen Riegel vorschieben. „In Niederwenigern haben wir viele Essener, die ihren Müll entsorgen.“ Woher die Stadt das weiß? „Na ja, wir haben da so unsere Methoden. Die verraten wir aber nicht. Und wenn wir jemandem auf die Schliche kommen, wird der auch angeschrieben.“
Übrigens werden auch die Container neu beklebt und regelmäßig gesäubert. Das aber ist nicht die Aufgabe der Stadt.
Containerstandorte weiter zu bündeln, das fänden die Experten schon sinnvoll. Weniger Standorte machen weniger Müll drumherum. Aber: „Durch den zunehmenden Onlinehandel stellen wir in jedem Fall fest, dass Papier und Pappe reichlicher vorhanden ist.“
Insgesamt gibt es im Stadtgebiet übrigens 29.859 Abfallbehälter. 11.424 von ihnen sind Papierbehälter und das sind ziemlich viele. Denn sie liegen nur knapp hinter den Restabfallbehältern, das sind 12.578.
Keine illegale Entsorgung, weder an Containerstandorten noch sonst irgendwo im Stadtgebiet, hält nicht nur die Stadt sauber. Das verhindert auch eine Steigerung der Müllgebühren.
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1 Kommentar
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Wolfgang Wevelsiep aus Hattingen | 29.05.2016 | 20:48  
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