Wir sind Hattinger: Heinrich und Max Watenphul

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Der kleine Max mit seiner Mutter. Foto: Archiv Watenphul Siena
 
Max Watenphul 1934
Hattingen: Hattingen |

Der Name „Peiffer Watenphul“ ist ja schon ziemlich ungewöhnlich. Und wer hätte gedacht, dass sie Hattinger sind, mindestens ein Teil von Ihnen? Dr. Heinrich Watenphul (1878-1940) war Direktor am Realgymnasium in Hattingen, dem heutigen Gymnasium Waldstraße, und Verfasser mittellateinischer Lesebücher. Er verabschiedete dort 1914 die erste Abiturientia. Sein Stiefsohn Max Peiffer Watenphul (1896–1976) war ein deutscher Maler.

Max kam im Alter von 15 Jahren 1911 mit seiner Familie nach Hattingen und besuchte dort das Gymnasium. 1914 legte er seine Abiturprüfung ab und begann auf Wunsch seiner Eltern mit einem Studium der Medizin. Er wechselte zum Jurastudium und studierte in Straßburg, Frankfurt am Main und München. Dort sah er Bilder von Paul Klee, den er später auch persönlich traf. 1918 promovierte er über Kirchenrecht in Würzburg und legte das Referendarexamen ab. Es folgten einige Monate Militärausbildung in einer Kaserne in Mülheim an der Ruhr. 1919 war er Referendar am Amtsgericht in Hattingen. Ab September führte er den Doppelnamen Peiffer Watenphul. Im Herbst fasste er dann den Entschluss, Maler zu werden und die juristische Laufbahn aufzugeben. Er wurde Schüler am Bauhaus in Weimar und war befreundet mit Gerhard Marcks, Josef Albers, Paul Klee, Kurt Schwitters, Wassily Kandinsky und Else Lasker-Schüler.
1921 fuhr er zum ersten Mal nach Italien. Vier Jahre lehrte er danach an der Folkwangschule in Essen, lernte 1924 Salzburg und die Emailmalerei kennen und lieben. 1931 ging er nach Rom. Er besuchte Sorrent, Capri, Ischia, Neapel, kam aber immer mal wieder nach Deutschland zurück. Dann besuchte er auch immer wieder Hattingen. Viele seiner Blumenbilder entstanden im elterlichen Garten. 1937 wurden diese Aufenthalte für ihn immer bedrückender und auch bedrohlich: Seine Post wurde überwacht, seine Bilder aus deutschen Museen entfernt. Sein Bild „Blumenstillleben“, für das er eine Auszeichnung erhalten hatte, wurde in München 1937 in einer Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Er siedelte endgültig nach Italien über, seine Eltern zogen von Hattingen nach Essen. Sein Stiefvater Heinrich war aus politischen Gründen vorzeitig aus dem Schuldienst entlassen worden. Er hatte am 28. März 1914 am heutigen Gymnasium Waldstraße, dem damaligen Realgymnasium, die erste Abiturientia entlassen mit den Worten „Wahrhaft menschenwürdige Schätze sind es, die hier in Ihrer Schule zu sammeln Ihnen die Gelegenheit geboten war.“ Er forderte von den Absolventen die Pflicht der Dankbarkeit und die Treue zur Schule und zum Vaterland. Wenige Monate später brach der Erste Weltkrieg aus.

Bilder als "entartete Kunst" gebrandmarkt

1941 kehrte der Maler aus finanziellen Gründen nach Deutschland zurück und arbeitete zunächst in Krefeld an der Fachschule für textile Flächenkunst. 1943 wurde das dortige Atelier zerstört und Max Peiffer Watenphul ging nach Österreich und unterrichtete an der Kunstgewerbeschule in Salzburg. 1946 erhielt er als Deutscher keine Aufenthaltsgenehmigung und ging nach Venedig. Hier entstehen Bilder mit morbidem Charakter, für Watenphul war Venedig eine eher sterbende Stadt. Später bereiste er den Süden Italiens und übersiedelte 1958 nach Rom, wo er kurz vor seinem 80. Geburtstag starb. Sein Grab befindet sich auf dem Protestantischen Friedhof in Rom.
1952 machte er seine erste Deutschlandreise nach dem Krieg, wurde Mitglied im Deutschen Künstlerbund und hatte auch immer wieder Ausstellungen in Essen, Dortmund und Wuppertal sowie weiteren deutschen Orten. 1969 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Das Stadtmuseum in Hattingen hatte Watenphul übrigens 2013 mit einer Ausstellung geehrt. Die Ausstellung war eine Kooperation des Stadtmuseums Hattingen und des Märkischen Museums Witten. Gudrun Schwarzer vom Stadtmuseum erklärte zu Watenphul: „In einem Brief an eine Freundin nannte er Hattingen einen Zufluchtsort“. Der STADTSPIEGEL berichtet damals natürlich sowohl in Print als auch online im Lokalkompass über die Ausstellung.
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