Wir sind Hattinger: Regina van Dinther

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Regina van Dinther. Foto: Landtag NRW
 
Regina van Dinther bei der Vereidigung des damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Foto: Landtag NRW
Hattingen: Hattingen |

Die Wahl-Hattingerin wurde am 15. Mai 1958 als Regina Nowak in Wengern geboren. Bekannt geworden ist sie vor allem durch ihre politische Tätigkeit. Seit 1978 ist sie Mitglied der CDU. Die CDU-Frontfrau war von 2005 bis Juni 2010 Präsidentin des 14. Landtages von Nordrhein-Westfalen. Regina van Dinther war nach Ingeborg Friebe die zweite Frau und seit 1980 erstes CDU-Mitglied an der Spitze des Düsseldorfer Landtages.

Die ausgebildete Diplomingenieurin für Bekleidungstechnik (nach Hauptschule und Fachhochschule) arbeitete von 1980 bis 1990 in der Bekleidungsindustrie, danach bis 2002 als selbständige Bekleidungsingenieurin. 1990 kam sie in den nordrhein-westfälischen Landtag. Sie war frauenpolitische Sprecherin, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion, Landesvorsitzende der Frauen-Union NRW. Da sie das Direktmandat im Landtagswahlkreis Ennepe-Ruhr-Kreis I (Hattingen, Schwelm, Sprockhövel, Wetter) verfehlt hatte, hatte sie nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005 zunächst den Wiedereinzug verfehlt. Durch den Verzicht des CDU-Abgeordneten Günter Kozlowski auf sein Direktmandat konnte sie jedoch noch vor der Konstituierung über die Landesliste nachrücken.
Im Januar 2010 wurde bekannt, dass van Dinther für zwei Sitzungen des Regionalbeirats NRW der RAG im Jahr 2009 insgesamt 30.000 Euro Sitzungsgelder erhalten hatte. Die Landesregierung hatte die gezahlten Honorare zunächst sehr viel niedriger angegeben. Auch van Dinthers Stellvertreter Edgar Moron sowie der Landtagsabgeordnete Josef Hovenjürgen erhielten ähnlich hohe Vergütungen. Derartige Nebentätigkeiten und deren Vergütung sind nicht verboten, dennoch besteht bei hohen Bezahlungen für geringe Leistungen der Verdacht auf Befangenheit. Deshalb beauftragte die Präsidentin des Landtags unabhängige Gutachter und setzte, zusammen mit Edgar Moron und Josef Hovenjürgen, die Annahme der laufenden Beiratsvergütungen vorläufig aus. Sie kündigte an, erhaltene Zahlungen als Spende an die Evangelische Stiftung Volmarstein weiterzuleiten. Ebenfalls im Januar 2010 wurde bekannt, dass van Dinther über zwölf Jahre keine Mitgliedsbeiträge an die CDU entrichtet hatte. Mit Bekanntwerden der Vorwürfe zog sich Regina van Dinther weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Die von der RAG gezahlten Vergütungen bezeichnete sie später selbst als Fehler.
Ein vom Landtag beim Verwaltungsrechtler Bodo Pieroth (Münster) in Auftrag gegebenes Gutachten kommt nach Informationen der Rheinischen Post zu dem Befund, dass dieses Geld dem Landtag zurückgezahlt werden muss. Es handle sich um ein „arbeitsloses Einkommen“ (Geld, für das keine ausreichende Gegenleistung erbracht wurde). Dieses Gutachten wurde am 7. Juni 2010 öffentlich bekannt. Zwei Tage später legte Regina van Dinther das Amt der Landtagspräsidentin nieder.
Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Herbst 2010 zog sie zunächst nicht in den neuen Landtag ein, weil infolge des schlechten CDU-Ergebnisses die CDU-Landesliste „nicht zog‘. Regina van Dinther stand auf Platz drei der Reserveliste. Als Privatperson musste sie harte Schicksalsschläge verkraften. Nach dem Tod ihrer Zwillingsschwester kümmerte sie sich um deren Kinder, ihr eigener Mann Bernd war zu dem Zeitpunkt schwer erkrankt, ist mittlerweile an Krebs verstorben.
Am 10. November 2010 gab der Landtagsabgeordnete Andreas Krautscheid bekannt, sein Mandat niederzulegen. Am 1. März 2011 zog daher Regina van Dinther über die Reserveliste wieder in den Landtag ein. Dort war sie Mitglied bis zum 14. März 2012 und vom 31. Mai 2012 bis 31. Mai 2017.

Im Sozialen baute sie Brücken

In der Rückblende sagt sie in einem Interview 2011: „„Die 30 000 Euro habe ich angegeben, versteuert und den Rest der Stiftung Volmar¬stein gespendet. An Parteibeiträgen habe ich 9000 Euro in 15 Jahren bezahlt, zehnmal so viel wie üblich.“ (Der Westen, 28. Februar 2011)
Nicht unterschlagen und unterschätzen darf man die geleistete Arbeit der einstigen CDU-Frontfrau. Vor allem im Bereich Integration, überhaupt im Sozialen, hat van Dinther so manche Brücke gebaut und den NRW-Landtag unter ihrer Präsidentschaft für die Öffentlichkeit zu einem offenen Haus gemacht. Auch privat, bei ihr zuhause auf dem Bauernhof in Winz-Baak, waren regelmäßig Menschen unterschiedlichster Kulturen zu Gast, oft gemeinsam mit ihren zwei mittlerweile erwachsenen Kindern.
Eine große Leidenschaft im Leben gibt es auch noch: Schon als Jugendliche entdeckte Regina van Dinther den Chorgesang für sich. Mit 16 Jahren war sie Mitgründerin eines Kinder-, Jugend- und Frauenchores unter dem Dach des MGV Wengern, viele Jahre lang wirkte sie als erstes weibliches Vorstandsmitglied in diesem Männergesangverein mit. Sie singt bis heute in verschiedenen Chören und kümmert sich nach dem aktiven Ausscheiden aus der Politik vor allem um den Chorgesang. 2015 wählten die Delegierten aus 59 regionalen Mitgliedsverbänden und aus der Sängerjugend NRW die frühere Landtagspräsidentin zur neuen Präsidentin des ChorVerbandes. Erstmals nach 152 Jahren wird der ChorVerband NRW nun von einer Frau geführt.

Fotos: Landtag NRW
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