Wir sind Hattinger: Walter Schneider

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Walter Schneider. Foto: Stadtarchiv Hattingen
 
So sah der Walter-Schneider-Platz früher aus. Foto: Stadtarchiv Hattingen
Hattingen: Innenstadt |

Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Hattinger Wohnstätten (hwg) Walter Schneider wurde am 6. Juni 1904 in Braunschweig geboren und kam als Fünfjähriger nach Hattingen. Er machte eine Ausbildung als Dreher und war das jüngste Ratsmitglied in Hattingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg er bei den Hattinger Wohnstätten ein und bekam den Spitznamen „tapferes Schneiderlein“.

Bereits in jungen Jahren engagierte er sich in der sozialistischen Jugendbewegung. Nach seiner Ausbildung zum Dreher bekam er ein Stipendium des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes an der Heimvolkshochschule Tinz bei Gera. Dort studierte er hauptsächlich die Geschichte der Arbeiterbewegung, Soziologie und Volkswirtschaft. Nach einem Studium an der Staatlichen Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung in Düsseldorf 1926/27 kam er im Jahr 1928 als Dreher zurück an die Henrichshütte. Nur ein Jahr später - mit 25 also - zog er als jüngstes Mitglied erstmalig in den Hattinger Stadtrat ein. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde ihm „wegen Hochverrat“ der Prozess gemacht. Er wurde zum „Staatsbürger zweiter Klasse" abgestempelt.
Doch nach dem Zweiten Weltkrieg packte Walter Schneider als "bedeutender Politiker und Gestalter" mit an. Er wurde nach dem Zusammenbruch stellvertretender Bürgermeister in Hattingen und hatte seinen Dienstsitz im Rathaus. 1945 war er drei Jahre Stadtverordneter für die SPD. Am 1. Juli 1945 kam er als hauptamtliches Vorstandsmitglied zu den Hattinger Wohnstätten (hwg). Eine Erfolgsgeschichte: Schneider baute das bescheidene Unternehmen mit 230 Wohneinheiten bis auf mehr als 3000 Wohnungen aus. Damals, gleich nach dem Krieg, waren viele Wohnungen zerstört oder nicht mehr bewohnbar. 1952 war Baubeginn für die Südstadt, fünf Jahre später folgte das Rauendahl als zweites Großprojekt.
1952 folgte Walter Schneider dem Ruf als Direktor des Verbandes westfälischer und lippischer Wohnungsunternehmen e.V. in Münster. 1955 kehrte er zu den Hattinger Wohnstätten nach Hattingen zurück. Auch 1961 saß Walter Schneider noch einmal im Rat der Stadt Hattingen und hatte den Vorsitz der sozialdemokratischen Fraktion bis 1964. Er war zeitweilig ehrenamtlicher Beigeordneter und hauptamtlicher Stellvertreter des damals erkrankten Stadtdirektors Elsemann.
Walter Schneider scheute keine unpopulären Entscheidungen. Viele kommunale Aufgaben warteten auf ihre Gestaltung. Dazu zählte auch das Hallenbad. Schneider schlug damals die Einführung einer Bürgerabgabe vor, um das Projekt stemmen zu können. Der Vorschlag trug ihm massive Kritik seiner eigenen Parteifreunde ein und wurde auch nicht umgesetzt – er selbst erhielt in der Presse damals den Spitznamen „tapferes Schneiderlein“ (Heimat am Mittag, 5. Juni 1964, Stadtarchiv Hattingen). Auch in seiner hauptamtlichen Tätigkeit sah er sich zu unpopulären Entscheidungen gezwungen: Er erhöhte den Genossenschaftsanteil auf 1000 DM – hier sahen die hwg-Mitglieder die Notwendigkeit ein und folgten ihm in der Entscheidung. Im September 1964 trat er bei den anstehenden Kommunalwahlen nicht mehr für ein politisches Amt an. Vier Jahre später starb er überraschend.
Im Jahr 2000 wurde der Walter-Schneider-Platz in der Südstadt neu gestaltet.
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