Erinnerungen an Carl Friedrich Gethmann

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Ansichten aus Blankenstein und dem Gethmannschen Garten auf einer historischen Postkarte, die wie alle anderen aus der Sammlung von Peter Grote stammen.
  Hattingen: Gethmannscher Garten |

(von Wolfgang Hermes)

Am 22. März 2015 jährt sich der Todestag von Carl Friedrich Gethmann zum 150. Mal. Das gibt dem Heimatverein Blankenstein Anlass, Leben und Werk des bedeutenden Blankensteiner Bürgers in Erinnerung zu bringen.

Das geschieht auch durch eine Führung vom Heimatverein Blankenstein durch den Gethmannschen Garten am Samstag, 28. März, ab 11 Uhr. Treffpunkt ist der Haupteingang hinter den Parkplätzen am Stadtmuseum.
Der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins Blankenstein, Wolfgang Hermes, hat hier für die Lokalkompass-BürgerReporter ein paar Fakten zu Carl Friedrich Gethmann zusammengetragen.
Carl Friedrich Gethmann wurde 1777 als Spross einer angesehenen Kaufmannsfamilie geboren und musste schon mit 21 Jahren die Leitung der Familiengeschäfte übernehmen. Die Bandbreite dieser Unternehmungen war groß, was im Gethmannschen Familienwappen Ausdruck findet: Neben einer Tuchfabrik mit entsprechendem Vertrieb gab es den Handel mit Kolonialwaren und Feinkost.
C.F.Gethman war Gewerke (Grubenbesitzer), die geförderte Kohle wurde von eigenen Kohlenlagern auf eigenen Schiffen nach Ruhrort und Mühlheim verschifft. Diese Schiffe, die sogenannten „Ruhraaken“, wurden auf der familieneigenen Werftanlage gebaut und verkauft.
Die Geschäfte liefen recht gewinnbringend, sodass Gethmann als ziemlich wohlhabend bezeichnet werden kann.
Der geschäftliche Erfolg allein allerdings machte nicht die Bedeutung dieses Mannes aus, denn daneben zeigte er ein bedeutendes politisches und vor allem soziales Engagement.
Als langjähriger Bürgermeister und Kirchenvorstand der Katholischen Kirchengemeinde sorgte er dafür - auch unter Einsatz von persönlichem Kapital -, dass ein Schulhaus gebaut wurde und ein neuer Friedhof angelegt werden konnte. Besonders dankbar waren sein Mitbürger für seinen unermüdlichen Einsatz für die Erstellung einer Chaussee, die heutige Wittener Straße, die das abgelegene Blankenstein aus der verkehrstechnischen Isolation führte.
Der Heimatverein Blankenstein hat einen ausführlichen „blog“ zum Wirken von C.F.Gethmann in Blankenstein unter folgender Internet-Adresse: https://hvb45527.wordpress.com/cf_gethmann/

Seine Leidenschaft war sein Garten

Die große Leidenschaft Gethmanns war sein „Garten“, ausgehend vom Hausgarten schuf er einen Landschaftspark, der für die damalige Zeit getrost als einmalig bezeichnet werden konnte. 1807 pachtete er die an seinen Besitz angrenzende „Rampelduse“, die er schließlich 1840 kaufte. Baubeginn der Parkanlage war 1808 mit der romantischen „Gertrudengrotte“, um die herum in den folgenden Jahren all die Elemente geschaffen wurden, die sich in Gethmanns Vorstellungen eingliederten. Mittelpunkt der Anlage wurde die Obstbaumallee vom „Friedrichsberg“ zur „Wilhelmshöhe“. Die weiteren Attraktionen zeigten die stark romantisierende Ausdeutung der Anlage: da gab es eine „Eremitage“, das „Tannenkabinett“ und den „Belvedere“.
Durch Landzukäufe wurde das ehemalige Gelände zwischenzeitlich erweitert, C.F. Gethmann schuf seinen Garten im Verlauf von Jahrzehnten, wobei die eigentliche Grundanlage wohl im Jahr 1855 ihren Abschluss fand.
Die Bedeutung des „Gethmannschen Gartens“ wurde gewürdigt durch einen Besuch des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1833, der voll Begeisterung Gethmann eine Büste des amtierenden Königs Friedrich Wilhelm III. schenkte, die auf dem „Königsplatz“ aufgestellt wurde.
Als besondere Eigenschaft wurden die sich immer wieder neu ergebenden Aussichten ins Ruhrtal und zur anderen Seite bis Hattingen gelobt. Ganz bewusst hatte Gethmann die Anlage so geplant, dass der Park nicht an der Grundstücksgrenze sein Ende finden sollte, sondern diese Grenzen wurden überspielt und die Landschaft ringsum mit einbezogen. Einmalig für die damalige Zeit war die Öffnung des Gartens für die Allgemeinheit, die wiederum ein Ausdruck von Gethmanns sozialer Gesinnung war.

Heute geringe gesellschaftliche Wertschätzung

Der heutige Zustand des „Gethmannschen Gartens“ zeigt, dass sein kulturhistorischer Wert und seine Geschichte nur wenig bekannt sind. Eine Bestandsuntersuchung mit Erhaltungskonzept der Universität Hannover kommt zu einem vernichtenden Urteil: „Die geringe gesellschaftliche Wertschätzung spiegelt sich auch im ungepflegten Zustand der Anlage wider....Sollte die Pflege in der Form, wie sie heute stattfindet, weiterhin erfolgen, so ist mit dem Verlust von historischer Substanz durch mangelnde Instandhaltung zu rechnen.“
Der Heimatverein Blankenstein hat immer wieder Aktionen im Garten unternommen beispielsweise die Restaurierung der Steinernen Tische und Anpflanzung von Narzissen. Er hofft, auf diese Weise das Bewusstsein für dieses Blankensteiner Kleinod in der Öffentlichkeit wach zu halten.
Im Sinne der Gethmann­schen Vorleistungen wäre es wünschenswert, wenn sein Garten zumindest in einen halbwegs gepflegten Zustand gebracht würde.
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Torsten Richter-Arnoldi aus Hattingen | 17.03.2015 | 21:50  
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